Elektrowerkzeuge sind im Metallbau mehr als reine Alltagshelfer – sie sind ein entscheidender Faktor für Produktivität, Qualität und Ergonomie. Welche Rolle sie im Portfolio von Trumpf spielen und wie sich der Bereich technologisch weiterentwickelt, erläutert Philipp Herwerth, Leiter Vertrieb Elektrowerkzeuge Deutschland, im Interview mit M&T.
Herr Herwerth, welche Rolle spielen Elektrowerkzeuge heute im Gesamtportfolio von Trumpf, und wie hat sich ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren verändert?
Die Elektrowerkzeuge sind innerhalb von Trumpf – wir erwirtschaften mit mehr als 18.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro – ein eher kleiner, aber durchaus bedeutender Fachbereich. Wir sind schon sehr lange mit dabei und auch heute in unserem Segment ein wichtiger Qualitäts- und Innovationstreiber.
Metallbaubetriebe stehen unter starkem Kosten- und Zeitdruck. Welche konkreten Mehrwerte bieten moderne Trumpf-Elektrowerkzeuge im Arbeitsalltag der Anwender?
Kurz gesagt – unsere Blechwerkzeuge bringen hohe Produktivität, sie sind extrem zuverlässig, flexibel und lange haltbar. Darüber hinaus achten unsere Konstrukteure stets auf maximale Ergonomie. Heißt, die Werkzeuge sind verhältnismäßig leicht und liegen ausgewogen in der Hand. Dadurch können Anwender besonders lange ermüdungsfrei damit arbeiten.
„Das Feedback unserer Kunden ist der zentrale Treiber für unsere Entwicklungsarbeit.“
Philipp Herwerth
Trumpf ist bekannt für seine Systemlösungen. Wie fügen sich Elektrowerkzeuge in die Prozesskette vom Blech bis zum fertigen Bauteil ein?
Wir bieten durchgängige Lösungen für alle Bedürfnisse im Blech – das Trennen von Dünn- und Dickblechen mit bis zu zehn Millimeter Materialstärke, das Verbinden von Dünnblechen sowie das Anbringen von sauberen und oxydfreien Kanten an Bleche. Mit unseren Werkzeugen sind Anwender verschiedenster Metallbaubereiche in der Lage, nahezu alle wesentlichen Herstellungsschritte für ihre Metall-Bauteile oder Metall-Bauwerke zu erledigen.
Ein weiterer wichtiger Systemlösungs-Faktor ist unsere Akkutechnik. Auch hier denken wir durchgängig und prozessorientiert – ganz im Sinne unserer Kunden. Heißt, wir setzen auf die Akku-Plattform „Cordless Alliance System“, kurz CAS. Diese vereint aktuell rund 45 Hersteller, die insgesamt mehr als 450 Maschinen mit gleicher Akkuschnittstelle anbieten – Bohrhämmer, Nagler, Tauchsägen, Heißluftpistolen und vieles mehr. Allrounder im Bau- und Metallbausektor können damit ganz flexibel verschiedenste Werkzeuge mit gleicher Akkutechnologie einsetzen.

Ein zentrales Thema in der Branche ist der Fachkräftemangel. Inwiefern können Elektrowerkzeuge dazu beitragen, Prozesse zu vereinfachen und weniger erfahrene Mitarbeiter zu unterstützen?
Dem Facharbeitermangel kann man letztlich nur begegnen, indem man Maschinen und Werkzeuge möglichst einfach bedienbar macht. Genau darauf legen unsere Konstrukteure größten Wert. Unsere Blechwerkzeuge lassen sich nach einer kurzen Einweisung intuitiv bedienen. Zudem sind sie sehr sicher im Umgang, sodass Unfälle nahezu ausgeschlossen sind. Einfach und sicher ist aber nicht nur das Arbeiten mit unseren Geräten. Auch den Wechsel von Verschleißteilen können wenig erfahrene Mitarbeiter problemlos erledigen.
Welche technologischen Innovationen – etwa in den Bereichen Akku-Technologie und Ergonomie – treiben Sie aktuell besonders voran?
Sie sprechen hier tatsächlich schon die wesentlichen Innovationsbereiche an. Ergonomie ist bei uns schon immer von zentraler Bedeutung, und das wird auch bei allen künftigen Facelifts und Neuentwicklungen zu sehen sein.
Und selbstverständlich wird es in der Akkutechnologie ebenfalls Fortschritte geben – technologisch, aber auch dank der Plattform-Idee. Es schließen sich ständig weitere Partner der CAS-Plattform an, was Endkunden einen klaren Preisvorteil verschafft, wenn sie neue Elektrowerkzeuge brauchen, die es innerhalb der Plattform gibt. Dann kommen sie mit der „nackten“ Maschine aus und müssen kein weiteres Ladegerät oder zusätzliche Akkus kaufen.
Nachhaltigkeit gewinnt im Metallbau an Bedeutung. Wie berücksichtigt Trumpf ökologische Aspekte bei der Entwicklung und Produktion von Elektrowerkzeugen?
Trumpf hat Nachhaltigkeit als strategisches Thema fest verankert. Entsprechend sind auch unsere in der Schweiz ansässigen Elektrowerkzeug-Entwickler permanent gefordert, durch die Entwicklung innovativer Werkzeuge eine positive Ökobilanz bei Anwenderunternehmen zu schaffen.
Dabei zeichnen sich TruTool-Elektrowerkzeuge schon generell durch eine geringe Abnutzung der Verbrauchsmaterialien aus. Ob Messer für Scheren, Stempel für Nibbler oder Stoßstähle für Kantenformer – allesamt werden ständig weiterentwickelt und im Hinblick auf lange Standzeiten, hohe Produktivität und Leichtgängigkeit optimiert. Darüber hinaus haben beispielsweise Kantenformer und -fräser den Vorteil, dass mit ihnen ohne Nacharbeit perfekte Ergebnisse erzeugt werden – in fünf- bis zehnmal kürzerer Zeit als das etwa mit Winkelschleifern möglich wäre. Das spart Energie und spricht für eine umwelt- und gesundheitsfreundliche Arbeitsweise.
Zudem legen wir großen Wert auf einen geringen Energieverbrauch unserer Werkzeuge. Um dies zu erreichen, passen unsere Ingenieure unter anderem die eingesetzten Getriebe und Motoren an die jeweiligen Bedingungen und Bedarfe an. In Akkugeräten kommen nicht zuletzt deshalb ausschließlich bürstenlose Motoren mit bestmöglichem Wirkungsgrad zum Einsatz.
Wie wichtig ist das Feedback aus der Praxis für Ihre Entwicklungsarbeit, und wie binden Sie Metallbauer konkret in diesen Prozess ein?
Das Feedback unserer Kunden ist der zentrale Treiber für unsere Entwicklungsarbeit. Wir sind nahezu täglich bei unseren Endkunden vor Ort. Darüber hinaus erhalten wir wichtige Rückmeldungen über unsere Serviceabteilung und von unseren Handelspartnern. Außerdem suchen wir regelmäßig den Kontakt mit Metallbauern auf Messen und wichtigen Veranstaltungen wie etwa Ihrem Metallkongress.
Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden heute an Elektrowerkzeuge, die vor fünf oder zehn Jahren noch kaum eine Rolle gespielt haben?
Ich glaube, dass sich die Wünsche gar nicht so stark verändert haben. Hohe Produktivität, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit und Flexibilität der Elektrowerkzeuge sind nach wie vor die entscheidenden Anforderungen. Einzig letzterer Punkt – die Flexibilität – hat durch die Akkutechnologie nochmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Kabel sind heute auf Baustellen in vielen Fällen ein No-Go! Sie behindern beim Arbeiten und machen die Vorbereitung unnötig kompliziert.
Abschließend ein Blick nach vorn: Welche Trends und Entwicklungen werden den Bereich Elektrowerkzeuge im Metallbau in den kommenden Jahren prägen?
Auch hier sehe ich die Akkutechnologie als bestimmenden Faktor. Dank der stetig steigenden Leistungsfähigkeit gibt es immer mehr kabellose Werkzeuge. Die damit verbundene Flexibilität wird übrigens auch zunehmend in Werkstätten geschätzt, wo Metallbauer viele wichtige Vorbereitungsarbeiten ausführen.
Zur Person
Philipp Herwerth...
...ist seit 2016 Leiter Vertrieb Elektrowerkzeuge Deutschland bei Trumpf. Der studierte Maschinenbauingenieur mit abgeschlossenem MBA-Studium ist bereits seit 1999 bei Trumpf in verschiedenen Funktionen tätig – als dualer Student, Entwickler, Projektleiter und Vertriebsleiter.