Das Unternehmen Perrot aus Calw stellt seit 1860 Turmuhren und Läuteanlagen her. Welche Herausforderungen sich in seinem Unternehmen stellen, wie er seine Kundenbetreuung organisiert und wie viel die größte Uhr der Welt wiegt, erläutert Geschäftsführer Andreas Perrot im Interview.
Wie gehen Sie bei der Gestaltung und Entwicklung neuer Turmuhren und Läuteanlagen vor?
Wir haben zwei Ansätze. Zum einen die Kundenanforderungen: Da setzen wir die Forderungen oder Wünsche der Kunden um. Dabei müssen wir oft die Anforderungen der Denkmalspflege einbeziehen. Bei neuen Gebäuden oder im Export müssen wir die die Vorstellungen der Architekten oder Gestalter ins technisch Machbare übersetzen. Hier kommen uns neue Fertigungstechnologien und die Digitalisierung mit Datenaustausch zugute.
Das andere Thema ist die Produktanforderung: Die Steuerungen und Antriebe werden weiter- und teilweise auch komplett neuentwickelt. Die Steuerungen der Uhrenanlagen können weltweit eingesetzt werden, und wenn gewünscht können wir auf diese Anlagen per Fernwartung zugreifen. Dabei haben wir ein hohes Sicherheitssystem, das einen eigenen Cloud-Server enthält. Bei den Läuteanlagen verwenden wir modernste Regelungstechnik, um die Glocken zu läuten. Dadurch können wir die statischen und schwingungstechnischen Probleme lösen. Alle Produkte werden bei uns selbst entwickelt, hergestellt und verkauft.

Welche Materialien verwenden Sie bei der Herstellung und warum?
Für die Mechanik verwenden wir Qualitäts- und Vergütungsstähle, teilweise Edelstahl mit Bronze und Messing sowie Aluminium und Guss. Wir sind dadurch sehr breit aufgestellt. Da wir eine Fertigungstiefe in der Mechanik von etwa 75 bis 80 Prozent haben, ist es zwingend erforderlich, mehrere Materialien bearbeiten zu können. In der Elektronik werden schalttechnische Anlagen gebaut. Unsere Zulieferer sind Motorenlieferanten und Hersteller dieser Schaltteile.
Wie hat sich die Technologie in der Herstellung von Turmuhren und Läuteanlagen in den letzten Jahrzehnten verändert?
Früher haben wir viel konventionell hergestellt. Heute haben wir CNC-Maschinen in der spanenden Bearbeitung. Bei Blechteilen lassen wir die Teile per Laser oder Wasserstrahl anfertigen. Dabei werden nur die Daten an den Lieferanten geschickt, und die Elemente werden entsprechend geliefert. Anhand der Grafik schneiden wir die Folien automatisch, um die Zifferblätter zu lackieren und teilweise auch vergolden zu können.
Bieten Sie maßgeschneiderte Lösungen für Kunden an?
Wir versuchen jeden Kundenwunsch zu ermöglichen und auf Kundenwünsche maximal einzugehen, sofern das Budget es erlaubt. Hier gilt es immer, eine Abwägung zu erreichen. Unser wohl außergewöhnlichstes Projekt war der Bau der größten Uhr der Welt mit einem Durchmesser von 43 Metern. Die Zeiger haben je ein Gewicht von 7,5 Tonnen, und das Uhrwerk wiegt 21 Tonnen.
Welche Art von Wartung und Service bieten Sie Ihren Kunden an? Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Uhren und Anlagen auch nach vielen Jahren noch einwandfrei funktionieren?
Wir bieten unseren Kunden einen Wartungsvertrag an. So haben wir in der Regel die Möglichkeit, einmal im Jahr die Anlage anzuschauen. Eine langjährige Funktionsfähigkeit erreichen wir durch hohe Qualität, dass wir eigene Produkte herstellen und somit von keinem Wettbewerber in irgendeiner Weise abhängig sind. Unsere Lieferanten sind hauptsächlich in Deutschland angesiedelt, sodass wir auch auf der Lieferantenseite ein Qualitätsverständnis haben.
Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer Branche und wie gehen Sie damit um?
Unsere Herausforderungen sind hauptsächlich, dass viele Wettbewerber gesamte Anlagen oder Produktbereiche im Ausland zukaufen. Nicht nur die Qualität ist schlechter, auch die Verfügbarkeit und vor allem die Nachhaltigkeit. Das betrifft die Lebenszeit von Produkten, die Reparaturmöglichkeiten etc. Unsere Kunden in Deutschland wollen Made in Germany zu Herstellkosten in Polen oder in Tschechien. Wir haben hohe Entwicklungskosten in Bezug zu den zu erlösenden Umsätzen. Der Fachkräftemangel wird auch für uns zur Herausforderung.
„Wir versuchen jeden Kundenwunsch zu ermöglichen.“
Andreas Perrot, Geschäftsführer
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihre Produkte und Herstellungsprozesse nachhaltiger zu gestalten?
Wir haben in unseren Produkten schon immer nachhaltig gearbeitet. In der Produktion haben wir neue Schweißanlagen mit besseren Werten gekauft. Unser Gebäude wird zu einhundert Prozent mit Geothermie beheizt, und wir produzieren mehr Strom als wir verbrauchen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie pflegen Sie die Beziehungen zu Ihren Kunden und Partnern?
Wir suchen immer den Kontakt zum Kunden. Daher besuche ich diese auch persönlich. Die Betreuung der Kunden ist bei uns Sache der Geschäftsführung. Zudem stehen wir über die Wartungsverträge ständig in Kontakt. Im Export machen wir viel über Videokonferenzen. Aber eine persönliche Bindung ist unabdingbar. Wir ziehen eine hohe Kundenzufriedenheit einer Bewerbung von Kunden vor, da das für die Firma nachhaltiger ist.
Welche Pläne und Ziele haben Sie für die Zukunft Ihres Unternehmens?
Wir wollen unsere Firma technsich und wirtschaftlich so aufstellen, dass ein Generationenwechsel stattfinden kann. Produkte sowie die Märkte werden weiterentwickelt. Wir haben einige Projekte in der Pipeline, die wir aber nicht kommunizieren dürfen. Schauen Sie gerne immer mal wieder bei uns auf die Homepage. Dort bekommen Sie mit, welche Projekte gerade laufen.
Geschichte und Person
Andreas Perrot
Das Unternehmen Perrot fertigt seit 1860 Turmuhren und Läuteanlagen. 1993 übergab Heinrich Immanuel Perrot die Firma an drei seiner vier Söhne. Andreas Michael Perrot (rechts) leitet den Verkauf Inland, Konstruktion und Fertigung sowie Projekte. Er ist Maschinenbaumeister, Maschinenbautechniker und ö.b.u.v. Sachverständiger. Christoph Heinrich Perrot (links) ist zuständig für den Vertrieb im In- und Ausland sowie für die Entwicklung und Elektronik. Johannes Immanuel Perrot (Mitte) betreut den gesamten betriebswirtschaftlichen Bereich sowie neue Märkte im Ausland.