Nach DIN EN ISO 11611 geprüfte Kleidung schützt Arme, Beine und Rumpf des Schweißers gegen Funken und geschmolzene Metallspritzer. Fotos: DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing
Nach DIN EN ISO 11611 geprüfte Kleidung schützt Arme, Beine und Rumpf des Schweißers gegen Funken und geschmolzene Metallspritzer. Fotos: DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing

Betriebsführung

29. January 2021 | Teilen auf:

Arbeitsschutz: Beim Schweißen gut geschützt

(Februar 2021) Für Schweißarbeiten muss den Mitarbeitern Schweißerschutzkleidung zur Verfügung gestellt werden. Lesen Sie, welche Pflichten der Arbeitgeber hat und worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Der Arbeitgeber muss nach Paragraf fünf Arbeitsschutzgesetz eine Gefährdungsbeurteilung für die Beschäftigten am Arbeitsplatz vornehmen und auf dieser Grundlage ermitteln, welche Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich sind. Beim Schweißen und bei verwandten Verfahren wie dem Trennschleifen oder Trennschneiden kann es unter anderem zu Funkenflug, wegspritzenden Schmelzpartikeln und starker Wärmeentwicklung kommen. Bei diesen Arbeiten sind deshalb nicht nur der Kopf und die Hände des Mitarbeiters gegen gefährliche Einwirkungen zu schützen, sondern auch die Arme, die Beine und der Rumpf.
Aus der Gefährdungsbeurteilung wird sich in der Regel ergeben, dass Schweißerschutzkleidung nach DIN EN ISO 11611 zu tragen ist. Die Norm definiert Leistungsanforderungen für die Kleidung, um den Träger gegen kleine geschmolzene Metallspritzer, gegen kurzzeitigen Kontakt mit Flammen sowie gegen Strahlungswärme aus dem Lichtbogen zu schützen.

Belehren Sie richtig

Die Schutzkleidung ist vom Arbeitgeber in ausreichender Menge und in den richtigen Größen kostenfrei zur Verfügung zu stellen – womit die Pflichten des Unternehmers allerdings noch nicht enden. Denn er muss die Mitarbeiter über den bestimmungsgemäßen Gebrauch belehren und das Tragen der Schutzkleidung auch tatsächlich durchsetzen.
Daraus ergibt sich für die Beschäftigten die Pflicht zur bestimmungsgemäßen Benutzung der Schutzkleidung. Außerdem müssen sie vor jeder Benutzung eine Sichtprüfung auf Beschädigungen oder Verunreinigungen vornehmen und eventuelle Mängel anzeigen. Das anschließende Erneuern, Reparieren oder Reinigen der Kleidung obliegt dann wieder dem Arbeitgeber.
Verunreinigungen sollten bei Schweißerschutzkleidung keinesfalls unterschätzt werden. Im sauberen Neuzustand sind eine begrenzte Flammenausbreitung sowie die Beständigkeit gegen kleine Metallspritzer durch die Prüfungen abgesichert. Doch können Verschmutzungen mit Öl, Farbe, Lösungsmittel oder anderen Chemikalien die Entzündlichkeit deutlich erhöhen. Auch Ansammlungen von Magnesiumspänen oder -stäuben auf der Kleidung erhöhen die Gefahr der Entzündung.

Wählen Sie die richtige Klasse

DIN EN ISO 11611 Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren ist derzeit in der Fassung vom November 2015 gültig. Sie hat die bis 2008 zutreffende gleichnamige DIN EN 470-1 ersetzt.
Die Norm legt verschiedene Prüfparameter und Anforderungen für Schutzkleidung mit begrenzter Flammenausbreitung fest. Der Beschäftigte wird gegen unbeabsichtigte und kurze Kontakte mit kleinen Zündflammen geschützt, bei denen keine bedeutsame Gefährdung durch Hitze gegeben ist und keine andere Wärmequelle vorhanden ist. Insofern darf Schweißerschutzkleidung nicht mit Hitzeschutzkleidung verwechselt werden.
Für Schweißerschutzkleidung sind verschiedene Kriterien der mechanischen Festigkeit verlangt, außerdem werden zum Beispiel die Flammenausbreitung, das Auftreffen von Schweißspritzern sowie der Wärmedurchgang geprüft. Diese Prüfungen müssen den Anwender jedoch nicht im Einzelnen interessieren. Für ihn ist vor allem die Kennzeichnung für die Prüfung nach DIN EN ISO 11611 relevant, die mit dem Piktogramm einer stilisierten Schweißelektrode dargestellt wird. Zusätzlich zum Bild werden die Art der Beflammung (A1 oder A2) sowie die Klassifizierung der Schutzwirkung nach den Klassen 1 oder 2 angegeben.
Diese Klassen müssen bei der Beschaffung der Kleidung im Hinblick auf die zu erwartenden Arbeitsbedingungen und Schweißverfahren beachtet werden. Die niedrigere Klasse 1 ist für weniger gefährliche Schweißverfahren und für Arbeitsplatzsituationen mit weniger Strahlungswärme und Schweißspritzern geeignet. Klasse 2 weist eine höhere Schutzwirkung und Beständigkeit auf.

Prüfen Sie eventuelle Zusatzfunktionen

Je nach typischer Arbeitssituation im Betrieb muss die Kleidung der Schweißer eventuell weitere Anforderungen erfüllen, für die dann zusätzliche Prüfungen nach jeweils eigenen Normen erforderlich sind. Für die schon erwähnte Hitzeschutzkleidung ist das beispielsweise DIN EN ISO 11612. Andere Zusatzfunktionen der Kleidung können die begrenzte Flammausbreitung, die elektrostatische Ableitung, Warnkleidung sowie der Schutz gegen UV-Strahlung, besonders kühle Umgebungen oder Regen sein.
Je spezifischer die Anforderungen sind, umso aufwendiger werden die präzise Bestellung, das Vorhalten der jeweils richtigen Bekleidung in ausreichender Menge und den benötigten Größen sowie schließlich die spätere Reinigung. Mit großen Einkaufsmengen ist der Unternehmer zwar für viele denkbare Fälle gewappnet, bindet aber auch in hohem Maße Kapital und muss für den umfangreichen Bestand ein spezielles System der Reinigung, Instandhaltung und Erneuerung installieren. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die Schutzkleidung für die Mitarbeiter nicht zu kaufen, sondern bei einem Fachdienstleister zu mieten.

Fazit: Auch die Kleidung muss gewartet werden

Für Schweißarbeiten muss der Unternehmer Schweißerschutzbekleidung in ausreichender Menge und in den benötigten Größen zur Verfügung stellen. Bei der Auswahl ist die Prüfung der Kleidung nach DIN EN ISO 11611 zu beachten. Die Norm unterscheidet Schweißarbeiten und Arbeitsplatzsituationen nach den Klassen 1 und 2. Schweißerschutzkleidung muss in funktionsfähigem Zustand gehalten und regelmäßig gereinigt werden. Reinigung und Instandhaltung kann bei gemieteter statt gekaufter Kleidung auf den externen Dienstleister übertragen werden.

Service: Nutzen Sie Mietdienstleister

Jan Kuntze, Textilingenieur und Geschäftsführer der Kuntze & Burgheim Textilpflege.

„Für Auswahl, Anschaffung aber auch für die Pflege von PSA wie Schweißerschutzkleidung nach EN ISO 11611 gibt es vom Gesetzgeber klare Vorgaben. Denn die Übereinstimmung mit der Norm muss auch nach mehrmaligem Tragen und häufigen Wäschen dauerhaft gewährleistet bleiben. Auf Nachfrage sollte der Arbeitgeber zudem entsprechende Nachweise bereitstellen – im Falle eines Arbeitsunfalles können diese Dokumente sogar von der Berufsgenossenschaft angefordert werden. Textile Mietdienstleister statten mit den gewünschten Kollektionen aus und übernehmen entsprechende Service- und Pflegeprozesse in der geforderten Qualität. Zudem stellen wir im DBL Mietservice sicher, dass Reparaturen nur mit Originalmaterial – also Garn, Knöpfen, Reißverschlüssen und Co. – unter Berücksichtigung der Verarbeitungsweisen des Konfektionärs durchgeführt werden.“

Auswahl: Wählen Sie die richtige Klasse

Klasse 1: Manuelle Schweißtechniken mit geringer Bildung von Schweißspritzern und Metalltropfen, zum Beispiel: Gasschmelzschweißen, WIG-Schweißen, MIG-Schweißen (Schwachstrom), Mikroplasmaschweißen, Hartlöten, Punktschweißen, MMA-Schweißen (rutilumhüllte Elektrode), Betrieb von Maschinen, zum Beispiel für Sauerstoff- oder Plasmaschneiden sowie Widerstands-Schweißmaschinen, Maschinen für thermisches Sprühschweißen oder Tischschweißen.

Klasse 2: Manuelle Schweißtechniken mit erheblicher Bildung von Schweißspritzern und Metalltropfen, zum Beispiel: MMA-Schweißen (basisch oder mit Zellulose umhüllte Elektrode), MAG-Schweißen, MIG-Schweißen (Starkstrom), selbstschützendes Fülldraht-Lichtbogenschweißen, Plasmaschneiden, Fugenhobeln, Sauerstoffschneiden, thermisches Sprühschweißen. Außerdem generell beim Schweißen in engen Räumen, beim Überkopfschweißen oder -schneiden sowie bei Arbeiten in vergleichbaren Zwangshaltungen.