Ein Mann im blauen Anzug hält eine Präsentation auf einer Bühne.
„Unsere Berufe sind vielen Jugendlichen und ihren Eltern gar nicht bekannt. Wir müssen dafür sorgen, dass sie erkennen, dass das Metallhandwerk sichere und spannende Karrieren in modernen Berufen bieten“, sagt Rolf Rehbold. (Quelle: Stefan Bausewein)

Bundesverband Metall 2026-02-26T05:26:00Z Ausbildung: „Verlässliche Karrierewege schaffen“

Am 1. Januar hat Rolf Rehbold seine neue Aufgabe beim Bundesverband Metall (BVM) in einer Doppelrolle angetreten – als Bereichsleiter Berufsbildung beim BVM und als Geschäftsführer des Bildungswerks Metall. Im Interview schildert er, auf welche Aktivitäten er seine Schwerpunkte setzt.

Herr Rehbold, welche Schwerpunkte setzen Sie zu Beginn, und wie ergänzen sich diese beiden Funktionen aus Ihrer Sicht?

Im Kern geht es mir in meiner Aufgabe darum, verlässliche Karrierewege im Metallhandwerk zu schaffen – im Interesse der Betriebe ebenso wie für die Menschen. Dabei greifen die beiden Funktionen, die ich einnehme, so ineinander, dass der Prozess „Gestalten – Umsetzen – Sichtbar machen“ sichtbar wird.
Als Bereichsleiter Berufsbildung kann ich in einer ordnungspolitischen Perspektive gemeinsam mit den technischen Praxisexperten, Sachverständigen und Kollegen berufsbildungsbezogene Rahmenbedingungen gestalten. Dazu gehören zum Beispiel die Ausbildungsordnungen genauso wie die Regelungen für die höhere Berufsbildung.
Die einzelnen Stufen der Aus- und Weiterbildung ergeben sich aus einem Berufslaufbahnkonzept, das es immer weiterzuentwickeln gilt.
Außerdem habe ich gemeinsam mit den Kollegen aus der Öffentlichkeitsarbeit, dem Netzwerk an Berufsorientierungsbotschaftern sowie allen Betrieben gemeinsam den Auftrag, die Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten im Metallhandwerk in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir müssen die Chancen, die wir bieten, auch bekannt machen.
Im Bildungswerk Metall auf der anderen Seite haben wir Bildungszentren, die dann die Ordnungspolitik in gelebte Berufsbildungsrealität – insbesondere im Bereich der höheren Berufsbildung – umsetzen.
Ein besonderer Schwerpunkt für die nächste Zeit wird sicherlich darin bestehen, zunächst einmal die Ausbildungsberufe attraktiv neu zu ordnen. Dazu gehören natürlich auch die flankierenden Maßnahmen wie die Lehrpläne der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und deren Kalkulation oder Teilqualifikationen. Außerdem ist sicherzustellen, dass die gerade neu geordneten Meisterprüfungsverordnungen mit hoher Qualität in Prüfungen und Lehrgängen umgesetzt werden.

Das Metallhandwerk steht vor tiefgreifenden Veränderungen durch Digitalisierung, Transformation und Fachkräftemangel. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus konkret für die berufliche Ausbildung?

Für uns Berufsbildner ist stets wichtig, die aktuellen politischen, wirtschaftlichen, sozio-kulturellen, technologischen, ökologischen sowie rechtlichen Veränderungen bei der Gestaltung von Berufen zu berücksichtigen. In der aktuellen Zeit mit schnellen, plötzlichen und teilweise auch schnelllebigen Veränderungen ist es dabei unabdingbar, diese Entwicklungen in Neuordnungsverfahren gemäß der betrieblichen Realität und Zukunftsfähigkeit einzubeziehen. Zugleich dürfen die Kernkompetenzen, die die Metallhandwerke ausmachen und auch in Zukunft ausmachen sollen, nicht verwässert werden.
Im Prozess des Berufsmonitorings beobachten wir systematisch, was sich in den Betrieben zukünftig verändern könnte, bewerten diese Entwicklungen und übersetzen das in Aus- und Fortbildung. Dazu gibt es glücklicherweise große Expertise und starke Partner in Praxis und Wissenschaft.

Wie wollen Sie die Attraktivität der Metallberufe für junge Menschen weiter steigern – insbesondere vor dem Hintergrund eines zunehmend umkämpften Ausbildungsmarktes?

Das Geheimnis von Attraktivität von Berufen besteht darin – das zeigen meine langjährigen Forschungen im Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) –, an den Bedürfnissen der potenziellen Auszubildenden, sprich der Jugend, anzuknüpfen.
Wir müssen unsere Ausbildungsberufe so gestalten und so vermitteln, dass sie den Bedürfnissen nach Spaß bei der Tätigkeit, Sicherheit des Arbeitsplatzes (Zukunftsfähigkeit), Aufstiegsmöglichkeiten sowie natürlich letztlich auch der angemessenen Bezahlung Rechnung tragen.
Attraktivität zu schaffen setzt voraus, dass man etwas überhaupt im Blick hat. Aber: Unsere Berufe sind vielen Jugendlichen und ihren Eltern gar nicht bekannt, und wir müssen daher dafür Sorge tragen, dass ihnen die Chancen hier nicht entgehen. Eltern und Jugendliche sollen erkennen, dass das Metallhandwerk sichere und spannende Karrieren in modernen Berufen bieten.
Attraktivität beginnt bei passenden Berufsbezeichnungen und setzt sich bei dem Marketing für die Berufe in den Schulen, bei der Außenwirkung von Betrieben und der öffentlichkeitswirksamen Darstellungen der Leistungen von Auszubildenden, etwa bei Wettbewerben, Preisverleihungen etc., fort.

Welche Rolle spielt das Bildungswerk Metall künftig bei der Weiterentwicklung von Ausbildungsinhalten, Fortbildungsangeboten und neuen Lernformaten?

Das Bildungswerk Metall ist zugleich Umsetzer und Innovationslabor:
Erstens sind im Bildungswerk Metall unsere Bildungszentren organisiert. In diesen Bildungszentren sitzt Expertise im Hinblick auf die höhere Berufsbildung im Metallbau, in der Feinwerktechnik und in der Aufzugtechnik. Diese Expertise beziehen wir bei der Gestaltung von Lehrgangsunterlagen und Prüfungsaufgaben genauso ein, wie die Expertise aus den Landesverbänden und Innungen.
Außerdem wird die höhere Berufsbildung in den Bildungszentren konkret umgesetzt. Das bedeutet, dass wir dort die weiterentwickelten Inhalte in die Praxis bringen und somit auch erproben.
Hierbei spielt die Weiterentwicklung von Lernformaten eine wichtige Funktion. Mit einer Smart Learning Factory – so viel sei verraten – wollen wir zeigen, wie modernes Lernen im Metallhandwerk konkret aussehen kann. Diese Pläne basieren auf Erkenntnissen aus Projekten in der Vergangenheit, die kombiniert mit künftigen Investitionen ihre Wirkung entfalten sollen.
Und damit sind wir bei der zweiten Funktion: Im Bildungswerk Metall geht es darum, zukunftsweisende Projekte durchzuführen. Öffentlich geförderte und wissenschaftlich begleitete Projekte ermöglichen es uns, neue Bildungsansätze und Konzepte zu entwickeln und zu erproben.

Wenn Sie drei Jahre in die Zukunft blicken: Woran würden Sie festmachen, dass Ihre Arbeit im Bereich der Berufsbildung erfolgreich war?

Die Arbeit war in den kommenden drei Jahren erfolgreich, wenn wir die Pläne umgesetzt haben, die wir uns vorgenommen haben. Wir legen in den nächsten zwei bis drei Jahren die Grundlage dafür, dass in den Folgejahren danach wieder mehr junge Menschen im Metallhandwerk echte Perspektiven sehen und Betriebe wieder mehr qualifizieren Nachwuchs gewinnen.
Konkret sollten wir in der Neuordnung der Ausbildungsberufe, der Gestaltung der zugehörigen ÜLUs, in der Umsetzung aller aktualisierten Meister- und Fortbildungsordnungen, in der Gestaltung der Berufsorientierungsmaterialien und -kampagnen, in der Digitalisierung von Prüfungen, im Bereich Berufswettbewerbe sowie bei der Modernisierung unser Bildungszentren grüne Haken in unsere To-Do-Liste gemacht haben.

Infobox

Rolf Rehbold

hat zum 1. Januar 2026 die Position des Bereichsleiters Berufsbildung beim Bundesverband Metall (BVM) übernommen und zugleich die Geschäftsführung des Bildungswerks Metall angetreten. Zuvor war er 15 Jahre lang stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk. In dieser Funktion begleitete Rehbold gemeinsam mit seinem Team unter anderem die Neuordnung der Meisterprüfung im Metallbauer- und im Feinwerkmechanikerhandwerk. Darüber hinaus verantwortete er – teilweise auch in Zusammenarbeit mit dem BVM – zahlreiche Projekte zu den Themen Nachwuchsgewinnung, Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen, Berufslaufbahnkonzepte im Handwerk, Fachkarrieren im Metallhandwerk sowie Berufsmonitoring. Mit der Übernahme der neuen Aufgaben beim BVM soll die strategische Weiterentwicklung der Berufsbildung im Metallbereich konsequent fortgeführt und die Arbeit des Bildungswerks Metall als praxisnaher Partner für Betriebe, Bildungsstätten und Institutionen weiter gestärkt werden.

zuletzt editiert am 26. Februar 2026