Ein modernes Gebäude mit Holzfassade und großen Glasfenstern, umgeben von Grünflächen und Menschen, die den Eingangsbereich nutzen.
Mit präziser Türsteuerung lassen sich Energieverluste bei Automatiktüren reduzieren. Zum Beispiel „MotionIQ“ von Dormakaba minimiert die Offenhaltezeit und spart dadurch bis zur Hälfte an Energie im Vergleich zu Standardlösungen. (Quelle: Dormakaba)

Technik 2025-12-11T10:29:29.162Z Automatiktüren: Automatisch mit Komfort

Fachwissen über Systeme und Normen sowie Präzision in der Ausführung sind Voraussetzungen für die korrekte Montage von Automatiktüren. Dabei können Metallbaubetriebe zeigen, was sie drauf haben.

Automatische Türen stehen für Komfort, Barrierefreiheit und moderne Gebäudetechnik. Sie regeln den Zutritt, sparen Energie und sorgen für Sicherheit im Alltag – fast unbemerkt und doch oft unverzichtbar. Damit das genau so funktioniert, braucht es Fachleute: Hinter jeder Automatiktür steckt sorgfältige Planung, fachgerechte Montage und ein gutes Verständnis der technischen und normativen Anforderungen. „Beim Einbau von Automatiktüren treffen viele Regelwerke zusammen, von der Maschinenrichtlinie über europäische Normen bis zu den Vorschriften der DGUV“, erklärt Dipl.-Ing. Olaf Heptner, Geschäftsführer des Fachverband Türautomation (FTA) in Hagen. „Das zeigt, wie anspruchsvoll die Arbeit ist. Gleichzeitig ist es ein Feld, in dem sich qualifizierte Montagebetriebe mit Know-how und Professionalität klar vom Wettbewerb abheben können.“

Sicherheit durch Standards

Automatische (kraftbetätigte) Türsysteme gelten rechtlich als Maschinen. Damit sie sicher funktionieren, greifen verschiedene europäische und nationale Vorschriften ineinander. Das schafft klare Orientierung für die Montagebetriebe und gibt Nutzern ein hohes Maß an Sicherheit.

Die wichtigsten Regeln für „kraftbetätigte Türsysteme“:

  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG: Grundlage für Sicherheit und Gesundheitsschutz. Sie schreibt eine Risikobeurteilung, die Konformitätserklärung und die CE-Kennzeichnung vor.
  • EN 16005: Norm für kraftbetätigte Türen von der Planung bis zur Wartung. Sie beschreibt Gefährdungssituationen, Schutzeinrichtungen, Anforderungen an Steuerungen und den sicheren Betrieb, auch in Flucht- und Rettungswegen.
  • DIN 18650: Teilweise noch relevant für automatische Schiebetüren in Fluchtwegen. Sie ist zwar von der EN 16005 ersetzt, aber auch immer noch in der MVVTB (Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen) gelistet.
  • ASR A1.7: Arbeitsstättenrichtlinie mit Vorgaben zu Wartung, Nutzergruppen und sicherer Gestaltung.
  • DGUV-Vorschriften: Regeln die elektrische Sicherheit und Prüfpflichten.
  • Hersteller- und FTA-Richtlinien: Ergänzen die Normen mit praxisnahen Hinweisen, etwa zur Risikobeurteilung oder zu Prüffristen. Einbau-Vorschriften der Systemhersteller sind in der Regel bindend.

Diese Vielzahl an Vorschriften wirkt zwar komplex, schafft aber klare Leitplanken, um die Montage sicher, nachvollziehbar und rechtssicher durchzuführen.

Montage: Planen, einbauen, dokumentieren

Die fachgerechte Montage automatischer Türen beginnt nicht erst beim Einbau, sondern bereits mit der Risikobeurteilung. Diese berücksichtigt die Umgebung (zum Beispiel Windlast), das Gebäude (zum Beispiel Wandabstände, Einbaulagen), den Nutzerkreis (ist mit Kindern, mit eingeschränkten Personen oder mit sehr alten Menschen zu rechnen?) und mögliche Sonderanforderungen wie Brandschutz oder Fluchtwege. Daran zeigt sich, dass die Montage kein Routinejob ist, sondern eine anspruchsvolle, bautechnische Handwerksaufgabe. Das betrifft nicht nur die Tür selbst, sondern auch Sensorik, Steuerung, elektrische Anbindung und Dokumentation.

Besonders aufmerksam sind Sensoren und Schutzeinrichtungen zu montieren. Nebenschließkanten und Gefahrstellen wie Quetsch- und Scherstellen müssen abgeschirmt werden, zum Beispiel mit Profilen oder Schutzflügeln. Bei Schiebetüren schützen diese Flügel beispielsweise vor Quetsch- und Stoßgefahren. Auch die elektrische Sicherheit spielt eine wichtige Rolle – mit Anforderungen aus EN 60335-2-103 (für elektrische Sicherheit) und EN ISO 13849 (für sicherheitsrelevante Steuerungsteile). Generelles Ziel: Fehler verhindern, sichere Bewegungen gewährleisten.

Ein moderner Eingangsbereich mit einer großen, gläsernen Drehtür, die den Innenraum mit dem Außenbereich verbindet.
Für repräsentative Eingänge gibt es attraktive Lösungen – wie ein Karusseltürsystem in Ganzglas (Revo.Prime GG von Geze). (Quelle: Geze)

Für Türen in Flucht- oder Rettungswegen, mit Feuer- oder Rauchschutzfunktionen gelten zusätzliche Anforderungen (DIN 4102-5 / DIN EN 1634-1) wie Dauerfunktion, besondere Kennzeichnung, Einhaltung von Brandschutzvorschriften. EN 16005 enthält Abschnitte für „zusätzliche Anforderungen an Türen in Flucht- und Rettungswegen“. Die Dokumentation schließlich erfolgt über Montageprotokolle, die Inbetriebnahme, Einstellung, Sensorabstände, Betriebsarten (zum Beispiel Nachtbetrieb, Verriegelung, Normalbetrieb) nennen. Bedienungs- und Wartungsanleitungen müssen dem Nutzer/Betreiber vorliegen.

„Wer nach Herstellervorgaben und Normen montiert, dokumentiert, prüft und einweist, schafft die Grundlage für einen dauerhaft sicheren Betrieb“, so Heptner. „Das ist ein Qualitätsversprechen, das der Kunde spürt – und dem Monteur im Zweifel rechtliche Sicherheit gibt.“

Wissen schafft Vertrauen

Mit Leitfäden, Checklisten und (Sachkunde-)Schulungen bietet der Fachverband Türautomation (FTA) den Metallbaubetrieben praxisorientierte Hilfe für die normgerecht Montage, Inbetriebnahme und Wartung. Konkrete Tipps:

  • Risikobeurteilung unbedingt schon in der Planungsphase durchführen.
  • Herstellervorgaben (zur Montage) exakt beachten: Sie sind verbindlich und sichern die Funktionalität.
  • Montage und Inbetriebnahme dokumentieren, inklusive Sensorpositionen, Einstellungen, Betriebsarten.
  • Verantwortlichkeiten regeln: Wer ist Hersteller, wer Einbauer, wer Betreiber?
  • Schulung und Weiterbildung nutzen: Wissen auf aktuellem Stand halten.

Ohne Fachwissen keine Montage

Wer automatische Türsysteme montiert, braucht neben handwerklichem Geschick aktuelles Know-how. Elektronik, Sensorik, Normen und Sicherheitsanforderungen entwickeln sich ständig weiter – Fachbetriebe müssen also auf dem Laufenden bleiben, wenn sie dauerhaft richtig montieren wollen. Mit den Sachkunde-Schulungen  des FTA bieten sich herstellerübergreifende Kurse an. „Unsere Schulungen sind kein Selbstzweck“, betont FTA-Geschäftsführer Heptner, „sie schaffen die Grundlage dafür, dass Fachbetriebe ihre Aufträge technisch und rechtlich korrekt durchführen. Wer regelmäßig teilnimmt, bleibt auf der sicheren Seite.“

Ein Mann in dunkler Kleidung versucht, mit einem Brecheisen eine Glastür aufzubrechen.
Barrierefreie Automatik-Schiebetür mit bodenloser Führung und Einbruchschutz bis RC3. (Quelle: Gilgen Door Systems)

Wartung und Prüfung sichern Qualität

Automatische Türen sind langlebige Anlagen, brauchen aber regelmäßige Wartung. Je nach Nutzung sollte mindestens einmal jährlich, bei Anlagen in Flucht- und Rettungswegen meist halbjährlich geprüft werden. Neben mechanischen Bauteilen steht die elektrische Sicherheit im Fokus (DGUV V3). Auch für diese Aufgabe ist eine entsprechende Qualifikation des Wartungspersonals vorgeschrieben. Typische Arbeiten sind beispielsweise der Tausch verschlissener Teile und bei Bedarf die (Neu-)Justierung. Fachbetriebe, die hier kompetent arbeiten, können ihren Kunden Wartungsverträge anbieten (und so eine langfristige Bindung schaffen). Für die Wartung kommt ebenfalls nur entsprechend qualifiziertes Personal infrage.

Ein Mann mit Brille und Anzug steht vor einem neutralen Hintergrund.

Wissensvermittlung

Lernen, um auf dem Stand der Technik zu bleiben

Smarte Technologien zeigen, wie schnell sich die Technik bei Sensoren und Funktionen entwickelt. Bei (gewerblich genutzten) Automatik-Türen ist das nicht anders. Intelligente Systeme erkennen mittlerweile beispielsweise nicht nur Personen, sondern berücksichtigen dabei auch Richtung und Tempo der Bewegung. Um diese Entwicklungen zu kennen und sie auch zu beherrschen, ist es unumgänglich, sich regelmäßig weiterzubilden.

Neben den Schulungen der Hersteller bietet der FTA (Fachverband Türautomation) auf Fachbetriebe zugeschnittene Seminare an. Der Verband vereint die führenden Hersteller von Automatiktüren, Sensoren und Antrieben. Gerade die Fortbildungen zur Sachkunde sind elementar, sie schließen mit Zertifikat ab und belegen damit die Qualifikation der Teilnehmenden zur Montage der Anlagen nach außen.

Für Montage-Betriebe sind in erster Linie die eintägigen, modular aufgebauten Sachkunde-Schulungen konzipiert. Sie umfassen die Punkte Normen, Risikobeurteilung und Türprüfung und umfassen einen Theorie-Teil sowie Praxisübungen mit typischen Montagesituationen und Fehleranalysen. „Viele Teilnehmer berichten, sie hätten vor allem Sicherheit gewonnen – nicht nur in der Montage, sondern auch im Umgang mit Kunden und Prüfern“, berichtet Heptner. „Denn wer weiß, was er tut, kann es auch überzeugend erklären.“ Damit wird die Schulung nicht nur zur Wissensvermittlung, sondern zu einem Qualitätssiegel für professionelle Montagebetriebe.

Fazit: Anspruchsvolle Technik – starkes Handwerk

Automatische Türen vereinen Komfort, Sicherheit und Barrierefreiheit. Ihre Montage ist nichts für Amateure, sondern gehört in die Hände von Fachkräften, die ihr Gewerk verstehen und Verantwortung übernehmen. Die vielen Regelwerke sind dabei kein Hindernis, sondern ein Werkzeug: Sie sorgen für Orientierung, Qualität und Rechtssicherheit.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2025