Dr. Bernard Cubizolles, Senior Global Marketing Manager bei GE Digital aus San Ramon (USA), empfiehlt Maschinenherstellern und ihren Kunden den Einsatz digitaler Werkzeuge, „damit sie Daten nutzen können, die vorher entweder nicht zur Verfügung standen oder nicht genutzt wurden“. Foto: GE Digital
Dr. Bernard Cubizolles, Senior Global Marketing Manager bei GE Digital aus San Ramon (USA), empfiehlt Maschinenherstellern und ihren Kunden den Einsatz digitaler Werkzeuge, „damit sie Daten nutzen können, die vorher entweder nicht zur Verfügung standen oder nicht genutzt wurden“. Foto: GE Digital

Feinwerktechnik

23. August 2021 | Teilen auf:

Automatisierung: Das digitale Gebot der Stunde

(August 2021) Stückzahlen sinken, Fachkräfte fehlen und dann noch Corona – wie soll ich da noch Bauteile effizient bearbeiten? Zwei Worte werden bei der Beantwortung der Frage sicherlich oft fallen: Automatisierung und Digitalisierung. Ihre Ideen und Lösungen für die effiziente Fabrik mit Zukunft verraten Automatisierungs-Experten von GE Digital, Open Mind und Siemens.

Drei Experten, ein roter digitaler Faden. Den Einsatz digitaler Werkzeuge empfiehlt unter anderem Dr. Bernard Cubizolles, Senior Global Marketing Manager von GE Digital LLC aus dem kalifornischen San Ramon (USA): „Maschinenhersteller und ihre Kunden können damit Daten nutzen, die vorher entweder nicht zur Verfügung standen oder die nicht genutzt wurden.“

Internet of Things (IoT) funktioniert auch mit Maschinen-Oldies

Mit Digital Tools von GE können Anwender ihre Produktionsprozesse kontinuierlich verbessern und verschlanken. Foto: GE Digital

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob sich ältere Systeme und Maschinen integrieren lassen. „Tatsächlich gibt es bei den meisten Anwendungen in Europa Maschinen, die vor langer Zeit installiert und in Betrieb genommen wurden“, stellt Cubizolles im Rückblick fest. „IoT-Techniken können in den meisten Fällen Anlagen in ein globales Informationssystem integrieren, das neue und alte Systeme kombiniert.

“Es gibt aber auch Bedenken wegen des hohen zeitlichen und finanziellen Aufwands. „Mit relativ geringen Investitionen können Unternehmen interne Ressourcen mit der Fähigkeit zur Skalierung einsetzen, um so dem Wachstum des Unternehmens zu folgen“, gibt der Experte Entwarnung. „Es gibt heute Techniken, mit deren Hilfe einfach bedienbare Lösungen entstehen, die lokale Ingenieure dann bereitstellen.“

Leitfaden zur Abwehr von Hacker-Angriffen

Siemens entwickelte eine Familie von digitalen Zwillingen, mit der sich die gesamte Werkzeugmaschine von der Mechanik über ihr Verhalten bis hin zur Steuerung virtuell abbilden lässt. Foto: Siemens

Leider nehmen Hacker-Angriffe im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu: Für GE Digital ist Cybersicherheit bei industriellen Anwendungen daher von höchster Bedeutung und sie hat mit der Pandemie noch an Bedeutung gewonnen. „Wir stellen unseren Kunden einen „secure deployment guide“ (Leitfaden zur sicheren Bereitstellung) zur Verfügung, um ihnen bei der sicheren Implementierung unserer Software zu helfen“, erklärt Cubizolles. „Durch die Verwendung der neuesten Betriebssysteme und Releases senkt der Leitfaden das Risiko von Unterbrechungen. Redundante Failover-Konfigurationen vermeiden Ausfallzeiten und Informationslücken.“ Er empfiehlt außerdem den Einsatz einer Cloud, da die Cloud-Infrastruktur all diese Probleme löse.

Vor allem aber bremste die Corona-Pandemie die Unternehmen: Sie zwang die Hersteller zu neuen Arbeitsverfahren, die zu Störungen in Linien und Anlagen führten, die dann die Produktivität senkten. Die Einführung neuer Verfahren und Vorschriften, die in einigen Bereichen sehr streng sind, führte zu unproduktiven Arbeitszeiten für das Personal. „Immer mehr Maschinenbauer erkennen daher, dass eine Beschleunigung ihrer Digitalisierung im Zusammenhang mit der Pandemie für Wettbewerbsvorteile sorgt“, betont der Manager. „Durch die Digitalisierung ihrer Maschinen erhöhen die Hersteller außerdem die Kontrolle über ihren Maschinenpark.“

Der digitale Zwilling der Maschine und die neuen Ansätze

Josef Hammer, Promotion-Manager Machine Tool Systems der Firma Siemens, Nürnberg: „Funktionen zur intelligenten Bewegungsführung erhöhen die Oberflächengüte bei gleichzeitig reduzierter Bearbeitungszeit. Dadurch sind signifikante Produktivitätssteigerungen möglich.“ Foto: Siemens

Für diese Vorgehensweise spreche, dass die gesamte Entstehung einer Maschine von Konzeption, Validierung, Engineering, Test bis hin zu großen Anteilen der Inbetriebnahme rein virtuell ablaufen kann. Auf diese elegante digitale Art und Weise lassen sich Entwicklungsprozesse etwa bei Maschinenbau und Automatisierung parallelisieren, teure Prototypen vermeiden und nicht zuletzt Risiken durch virtuelle Inbetriebnahme in Büroumgebung verringern. Der Maschinenhersteller steigere so die betriebliche Effizienz und verkürze die Vorstellung des fertigen Endproduktes („time2market“). Ebenso verbessere die durchgängige digitale Transformation den Vertrieb der Maschine, weil sich zum Beispiel Verkaufsgespräche mit dem Kunden und Konzeptdiskussionen auf Basis der virtuellen Maschine durchführen lassen.

Großes Interesse in der Werkzeugmaschinen-Branche 

Rico Müller, Projektmanager für CAD/CAM-Automation bei Open Mind Technologies, Weßling: „Viele unserer Anwender automatisieren bereits ihre CAD/CAM-Programmierung und schaffen sich dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.“ Foto: Open Mind Technologies

Bei den Kunden komme die Lösung gut an, berichtet Hammer. So lobte beispielsweise die Elb-Schliff Werkzeugmaschinen aus Aschaffenburg den „effizienteren und flexibleren Innovations- und Engineering-Prozess“. Auch gegen Cyberangriffe hat Siemens mit Schutzmechanismen in Hard- und Software vorgesorgt. „Die neue CNC-Generation ist integriert in das Siemens Industrial Security-Konzept, das im industriellen Umfeld als Benchmark angesehen werden kann“, erklärt der Manager. Doch wie geht es weiter mit der Lösung, die auf der EMO Hannover 2019 ihre Premiere feierte? „Signifikante Produktivitätssteigerungen ergeben sich durch neue Funktionen der intelligenten Bewegungsführung“, erklärt Hammer.

Automatisierung senkt Zeitaufwand um bis zu siebzig Prozent 

Mit dem „hyperMILL-Automation Center“ können Anwender die Programmierung für einfache Bauteile selbst automatisieren. Grafik: Open Mind Technologies

Um auf Basis eines CAD-Modells ein entsprechendes NC-Programm zu erstellen, sind – abhängig von der Komplexität – zum Teil zahlreiche Schritte notwendig. Diesen Programmierprozess kann die Open Mind Technologies aus Weßling automatisieren, was nach eigenen Angaben den Zeitaufwand um fünfzig bis siebzig Prozent senkt. Rico Müller, Projektmanager für CAD/CAM-Automation: „Viele unserer Kunden fertigen ein breites Teilespektrum. Auch in diesen Fällen entwickeln wir automatisierte CAD/CAM-Prozesse, die typischerweise durch interaktive Anwenderentscheidungen gesteuert werden.“ Dabei sei es möglich, die Qualität zu erhöhen, da immer wieder auf bewährte Abläufe und Bearbeitungsstrategien zurückgegriffen werde und so die Fehlerwahrscheinlichkeit erheblich sinke.

Aufwertung: Heute Programmierer, morgen Automatisierer

Die neue Technologie biete Kunden die Möglichkeit, eigene Automatisierungslösungen selbst zu erstellen. Ein gut ausgebildeter Anwender kann damit die Rolle eines Automatisierungsentwicklers übernehmen, ohne Coding-Kenntnisse oder Kenntnis einer Hochsprache. Diese so genannten Key-User erhalten Zugriff auf die gesamte Bandbreite der Automatisierung und können daraus ihren eigenen CAD/CAM-Prozess gestalten. Darüber hinaus bietet Open Mind an, Kunden bei solchen Projekten zu unterstützen oder auch komplette Projekte umzusetzen. „Durch dieses Zusammenspiel“, berichtet der Projektmanager Rico Müller, „ist es unseren Kunden möglich, ihr eigenes Fertigungs-Know-how in Automatisierungsprozesse einzubringen, und damit deutlich umfassender zu nutzen.“Mit einer effektiven CAD/CAM-Automatisierung kann außerdem dem Fachkräftemangel in der spanenden Fertigung begegnet werden. Die Software ermöglicht es dem Anwender, Prozesse und Prozessketten als einfach zu bedienenden Ablauf bereitzustellen. „Dabei sind CAD/CAM-Programmierer mit entsprechender Erfahrung von zentraler Bedeutung, denn sie gestalten die Automatisierungsprozesse selbst und stellen diese zur Verfügung“, erklärte der Experte. „Aber auch Anwender mit wenig Erfahrung können nach sehr kurzer Einarbeitungszeit diese Prozesse durchführen. Kleine Unternehmen profitieren genauso von dem Einsatz der Automatisierungslösung wie mittelständische Firmen oder Konzerne.“(Nikolaus Fecht, Fachjournalist/VDW)