Hohe Präzision und Qualität: Automobilteile, die von stahlverarbeitenden Zulieferern gefertigt werden.
Hohe Präzision und Qualität: Automobilteile, die von stahlverarbeitenden Zulieferern gefertigt werden. (Quelle: wellphoto/Shutterstock.com)

Feinwerktechnik

19. October 2022 | Teilen auf:

Automobilzulieferer: Erste Insolvenzen sind schon da

(Oktober 2022) Über sechs Prozent aller europäischen Arbeitnehmer sind in der Automobilbranche beschäftigt. Doch steigende Strompreise, Inflation und weitere Krisenaspekte bedrohen besonders die Automobilzulieferer. Erste Insolvenzen sind schon da. Wie der Kauf von Gebrauchtmaschinen aus Insolvenzen sich für die eigene Produktion in schwierigen Zeiten auszahlen kann, darüber berichtet das Industrieauktionshaus Surplex.

Schwierige Zeiten in der Branche der Automobilzulieferer: Kommt die Insolvenzwelle? Oder kommt sie nicht? Und wen könnte es treffen? Eine Vorhersage fällt schwer, dafür hängt die Entwicklung von zu vielen Faktoren ab. So tragisch es ist: Vom Ausverkauf bei Firmen, die es nicht geschafft haben, profitieren alle Seiten. Unternehmen können für ihre Produktion gut erhaltene Gebrauchtmaschinen günstig erwerben und die Insolvenz kann schnell und möglichst gewinnbringend abgewickelt werden.

Auch wenn China Europa längst den Rang abgelaufen hat, die Automobilindustrie ist von entscheidender Bedeutung für den hiesigen Wohlstand. Sie bietet Arbeit für knapp 14 Millionen Europäer und gilt durch ihre hohe politische Bedeutung als krisensicher. Dennoch bahnt sich eine Flut von drohenden Insolvenzen an – vor allem bei den Zulieferern. Stromintensive Branchen wie die Metallverarbeitung sind besonders betroffen. Des einen Leid, des anderen Freud: Der Kauf der Maschinen insolventer Unternehmen ist eine Investition mit optimalem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Schreckgespenster Energiekosten und Inflation

Der Einsatz von CNC-gesteuerten Fräsen ist im Automobilbau essenziell, da nur so höchste Genauigkeit in Großserien gewährleistet ist.
Der Einsatz von CNC-gesteuerten Fräsen ist im Automobilbau essenziell, da nur so höchste Genauigkeit in Großserien gewährleistet ist. (Quelle: Andrey Armyagov/Shutterstock.com)

Für eine Insolvenzwelle sprechen die nicht kalkulierbaren Strom- und Energiepreise. Wie genau die Preiserhöhungen ausfallen werden, ist noch nicht bei jedem klar. Denn noch nicht alle Strom- und Gasanbieter haben ihre Verträge angepasst. Die steigenden Produktionskosten könnten jedoch zwischen Endkunden, Autobauern und Zulieferern verteilt werden.

Die Autobauer fahren bisher große Einnahmen ein, denn sie haben in der Krise auf die Produktion margenstarker Modelle gesetzt und können die Teuerungen an ihre Kunden weitergeben. Hinsichtlich Vertragsnachverhandlungen geben die Autobauer gegenüber ihren Zulieferern wohl gesprächsbereit. Sollte die Inflation allerdings richtig zuschlagen, wird die Kaufkraft der Kunden gemindert. Die Umsatzerwartungen der Automobilproduzenten für die USA und Europa werden zusätzlich zur Inflation durch die Zinswende gedämpft, denn diese verschlechtern die Finanzierungskonditionen für die Käufer und verringern deren die Zahlungsfähigkeit weiter.In einer Umfrage des VDA gaben zehn Prozent der Automobilzulieferer an, bereits jetzt unter Geldnot zu leiden. Ein weiteres Drittel geht von anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten in den kommenden Monaten aus. Erste Zulieferer denken über ihren Ausstieg aus der automobilen Lieferkette nach.Immerhin spielt Gas in der Autobranche nicht die größte Rolle. Lediglich im Bereich der Lackierungen und in Gießereien gibt es keine Alternative dazu. Andere Industriezweige können auf günstigere Energieformen setzen. Der Wandel zu erneuerbarer Energie boomt, was abermals zeigt, dass die Autobranche ein Vorreiter des technischen Fortschritts ist und bleibt.

Wen könnte es treffen?

In automatisierten Mehrspindeldrehautomaten werden mehrere Teile gleichzeitig eingelegt, bearbeitet und entnommen.
In automatisierten Mehrspindeldrehautomaten werden mehrere Teile gleichzeitig eingelegt, bearbeitet und entnommen. (Quelle: Surplex)

Die derzeit größte Herausforderung ist also der massiv gestiegene Strompreis. Das betrifft bei den Autozuliefern besonders die Stahl- und Metallbearbeiter. Außerdem sind deren Vorprodukte teuer und rar geworden. Denn die Stahl- und Metallerzeuger drosseln gerade ihre Produktion und erhöhen ihre Preise. Ein weiterer Insolvenzaspekt ist die weitverbreitete Unternehmensgröße der Automobilzulieferer. Meistens sind es Mittelständler. Und kleine sowie mittlere Unternehmen sind von der Krise besonders bedroht.

Insolventer Präzisionsteilezulieferer

Auch einen renommierten Metallverarbeiter in Baden-Württemberg traf die Insolvenz. Es folgt der Verkauf der über 1.100 Maschinen und Betriebseinrichtungen. Dabei werden der Insolvenzverwalter und die involvierten Banken vom Industrieauktionshaus für Gebrauchtmaschinen Surplex unterstützt. Das Düsseldorfer Unternehmen bietet beim Verkauf der Insolvenzmasse einen Rundumservice an, bei dem die weltweite Vermarktung, Rechnungslegung sowie Demontage, Transport und Zoll enthalten sind. So kann das Insolvenzverfahren zügig und erfolgreich abgeschlossen werden.

Für Automobilzulieferer bedeutet die Standortschließung, dass sehr gepflegte Anlagen auf dem Markt für Gebrauchtmaschinen angeboten werden. Sie waren Teil der Produktion für Dreh- und Frästeile in Klein- und Großserie und sind auf höchste Präzision und Qualität ausgelegt. Die Maschinen sind hochwertig, gut gewartet und bieten damit einen krisensicheren Return on Investment (ROI). Ergänzt werden die Systeme zur spanenden Bearbeitung von den daran anschließenden Anlagen zur Nachbehandlung, Oberflächenbearbeitung und der entsprechenden Messtechnik.

Wieso lohnen sich Gebrauchtmaschinen?

Auch wenn Automobilzulieferer gerade schwere Zeiten durchmachen, Investitionen dürfen nicht eingebüßt werden. Allerdings steht dabei Kostenoptimierung an erster Stelle. Zukünftige Investitionen werden so priorisiert, dass sie rasch gewinnbringend sind. Ist also ein Automobilzulieferer insolvent, wird sein Maschinenbestand zeitnah liquidiert. Jedem Nachteil steht ein Vorteil gegenüber: Für konkurrenzfähige Autozulieferer bietet sich dann die Gelegenheit, Gebrauchtmaschinen zu erwerben. Im Vergleich zu Neumaschinen sind gebrauchte Anlagen deutlich günstiger und sofort verfügbar. Beides sind essenzielle Faktoren bei der Investitionsplanung.

zuletzt editiert am 19.10.2022