Azubi-Studienreise: Im Sommer 2023 reisten acht Metallgestaltungs-Auszubildende der Berufsschule Trier zusammen mit ihrem Lehrer und zwei erfahrenen Metallgestaltern nach Stia – im Osten der Toskana. Die Leidenschaft für den Beruf war an allen Tagen spürbar.
Ziel der Reise war es, den Schülerinnen und Schülern die Metallgestaltung in allen Facetten noch einmal nahe zu bringen. Entschieden haben sie sich bereits für den Beruf – denn sie sind im ersten, zweiten oder dritten Lehrjahr. Aber der Einfluss von kunstgeschichtlichen Epochen auf die Gestaltung, die Arbeit von Metallgestaltern und Schmieden in Italien und die Atmosphäre in der „Stadt der Schmiede“ hat alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr beeindruckt.
Zeugnisse von Weltmeistern
Stia ist für Metallgestalter gewissermaßen ein Sehnsuchtsziel: In der kleinen Stadt am östlichen Rand der Toskana findet alle zwei Jahre die „Biennale di Arte Fabbrile di Stia“ – die Weltmeisterschaft der Kunstschmiede – statt. An drei Tagen im September schmieden 150 Schmiede aus aller Welt vor den Augen von rund 40.000 Besuchern um die Wette. Innerhalb weniger Stunden muss ein Kunstwerk zu einem vorab bekannten Motto gefertigt werden. Eine Jury prämiert die Besten.
Aus diesem Grund finden sich in Stia an vielen Stellen Zeugnisse der Weltmeisterschaft und der italienischen Schmiedekunst, ein Beispiel dafür liefert der Skulpturenpark mit Werken bekannter Meister im Zentrum der Stadt. Die Arbeitsstücke der Weltmeisterschaft gehen ins Eigentum des örtlichen Museums für Schmiedekunst über. Einige Werke werden in den Geschäften, Hotels und Restaurants der Stadt zum freien Kauf angeboten. Der Erlös kommt wiederum der Ausrichtung Weltmeisterschaft zugute.

Der Metallverband Rheinland-Pfalz organisiert alle paar Jahre unter der Leitung des Trierer Metallgestalters Paul Kreten und des ebenfalls in Trier tätigen Berufsschullehrers Bernd Theis eine Studienreise nach Stia. Begleitet wurde die Gruppe außerdem von Metallgestalter Hans-Jörg Bender von der Kunstschmiede Bender aus Schweich.
Schmieden im alten Lokschuppen
Der Höhepunkt der Woche war das dreitägige Schmieden in der Akademie für Metallgestaltung in Stia. Die italienischen Metallgestalter vor Ort haben im Frühjahr 2023 ihre neue Lehr-Schmiede eröffnet. In einer ehemaligen Lok-Reparaturhalle der italienischen Eisenbahn finden sich nach dem Umbau zehn Schmiede-Essen sowie Aufenthalts- und Schulungsräume. Die Gruppe aus Trier zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten der Halle.
An den drei Schmiedetagen erhielten die Schülerinnen und Schüler Aufgaben, die sie in einem festgelegten Zeitrahmen schmieden mussten. Dabei spielten Kreativität und die eigene Einschätzung der Zeit eine wichtige Rolle. „Durch gleiche Aufgabenstellungen kommen dennoch bei jedem andere Ideen und Lösungen heraus. Und das ist eigentlich das Interessante an diesem Beruf“, erläutert Lehrer Bernd Theis.

Fazit: Grenzerfahrungen machen und darüber hinaus gehen
„Ich werde Metallgestalterin, weil das für mich der schönste Beruf der Welt ist – mit dem besten Material der Welt“, berichtet Tess Brahm von der Kunstschmiede Bender über ihren Berufswunsch. Kevin Busch, Azubi bei der Kunstschmiede Unterrainer, ergänzt: „Ich möchte ein traditionelles Handwerk in die Moderne transportieren.“ Die Auszubildenden verbindet die Leidenschaft für ihren Beruf. Hans-Jörg Bender sieht die Vorteile des gemeinsamen Arbeitens: „Die Lehrlinge haben die Riesen-Chance frei zu gestalten – ohne Kundenauftrag. Man sieht richtig, wie sie selbst an ihre Grenzen rangehen und ihr Bestes geben. Das ist einfach großartig und bringt alle enorm voran.“