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„Wir haben uns sehr, ich möchte fast sagen unglaublich entwickelt“, beschreibt Hauptgeschäftsführer Thomas Fleischmann die Veränderungen im Bundesverband Metall.

Bundesverband Metall

19. December 2016 | Teilen auf:

Berufsorganisation: Dienstleistung für den Betrieb!

Der Bundesverband Metall blickt auf 2017 als ein Jahr von Veränderungen und intensivierten Aktivitäten. Präsident Erwin Kostyra und Hauptgeschäftsführer Thomas Fleischmann erläutern im Gespräch die Schwerpunkte – hier die Details.

Welche – insbesondere politischen – Aufgaben sehen Sie?

Erwin Kostyra: Letztlich gibt es doch nur eine große Überschrift für alles, was der Verband tut: Unsere Aufgabe ist die Dienstleistung für den Betrieb! Wir müssen Rahmenbedingungen gestalten. Das sind sowohl wirtschaftliche wie technische Rahmenbedingungen. Ganz einfach: es müssen möglichst gute Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu gehört ein bildungstechnisches Angebot zur zeitgemäßen Qualifizierung von Mitarbeitern. Das reicht von der Ausbildung bis zur Meister plus-Qualifizierung. Das geht auch deutlich in die europäische Ebene. Und noch eins: organisatorisch müssen wir die Entwicklung der BVM-Struktur weiter stärken. Wir müssen den Informationsfluss an die Basis noch verbessern, wir müssen unsere Aktivitäten der Mitgliederbindung und Mitgliedergewinnung noch mehr intensivieren. Unsere Kongresse und unser umfangreicher Internetauftritt bieten schon viel. Daneben müssen wir auf weiteren Wegen an die Betriebe herankommen, insbesondere die junge Generation müssen wir besser erreichen.

Sieht der Hauptgeschäftsführer das genauso?

„Wir haben uns sehr, ich möchte fast sagen unglaublich entwickelt“, beschreibt Hauptgeschäftsführer Thomas Fleischmann die Veränderungen im Bundesverband Metall.

Thomas Fleischmann: Als Hauptgeschäftsführer teile ich die Auffassung von Herrn Kostyra absolut. Wir haben uns sehr, ich möchte fast sagen unglaublich, entwickelt. Aber gerade in Verbänden ist es besonders schwierig und damit besonders herausfordernd, dem Wunsch der tausenden Mitglieder so zu entsprechen, dass der ganz überwiegende Teil dieser sehr unterschiedlichen Betriebe sagt: "Alles, was ich mir wünsche und vorstelle, hat mein Verband so geregelt, dass ich zufrieden bin, und wo ich nicht recht weiß, wie ich mich verhalten soll, erhalte ich stets die beste Beratung zu allen Fragen." Natürlich streben wir das an, es ist aber doch überall bekannt, wie breit gerade die Metallhandwerke aufgestellt sind: von der Metallgestaltung über den Hufschlag und den Metallbau bis hin zur wirklich riesigen, also äußerst vielfältigen Gruppe der Feinwerktechnik. Dabei habe ich Fahrzeugbau oder Befahranlagen gar nicht erwähnt. Wenn wir das berücksichtigen, haben wir inzwischen viel erreicht und bieten auch viel. An dieser Stelle nur so viel: wir sind Fachverband, bei uns steht also ganz klar das Fachliche im Vordergrund. Als ich 1995 beim BVM anfing hatten wir einen Techniker, der überwiegend für die Berufsbildung zuständig war, einen, der für den Fahrzeugbau arbeitete und einen, der in Berlin (West) Beratung machte. Heute besteht die von Herrn Zimmer geleitete Abteilung Technik des BVM aus sieben Technikern, fast alle Diplomingenieure und überwiegend auch noch Schweißfachingenieure. Allein das mag eine wirklich gigantische Entwicklung des Bundes-Fachverbandes in Essen verdeutlichen. Was dort und an anderer Stelle für die Betriebe geleistet wird, darauf kommen wir bestimmt noch.

Gibt es übergreifende Themen wie Steuerfragen oder andere Bundesgesetze, zu denen sich der BVM positioniert?

Erwin Kostyra: Die gibt es. Wir haben auch eine ganz klare Linie, wie wir unsere Möglichkeiten optimal einsetzen. Da besteht seit langen Jahren Einigkeit, dass wir die Mitgliedschaften, die wir als Bundesverband Metall haben, auch optimal nutzen. Zwei Beispiele: wir sind Mitglied im Spitzenverband des Deutschen Handwerks in Berlin und genauso in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Im ZDH (Zentralverband Deutsches Handwerk) bin ich seit Jahren im Präsidium und freue mich, soeben in Münster für weitere drei Jahre wieder in dieses Gremium gewählt worden zu sein. Ich glaube, nicht zu übertreiben, wenn ich sage, wir befassen uns da mit jedem Gesetz, also Gesetzgebungsvorhaben, das Bedeutung für Handwerksbetriebe hat. Wir positionieren uns, wir haben Gespräche mit Politikern aller Parteien, wir lassen uns von Wissenschaftlern und Trendforschern Entwicklungen wie Digitalisierung, 3-D Druck oder Wirtschaft 4.0 erläutern – dies insbesondere unter dem Aspekt: was heißt das für Handwerksbetriebe? Genauso erarbeiten wir Strategien, wie wir gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeit in der Flüchtlingsfrage erfolgreich sein können. Ich glaube, das Handwerk ist, was Integration von Flüchtlingen angeht, der absolut erfolgreichste Wirtschaftsbereich in Deutschland. Wir können damit noch keineswegs zufrieden sein, aber es zeigt wie wir in Berlin politisch denken und arbeiten.

Bleibt da noch etwas für den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes?

Thomas Fleischmann: Neben dem Präsidium, das sich naturgemäß aus Unternehmern zusammensetzt, gibt es zahlreiche Arbeitskreise und Ausschüsse, in denen ich selbst mitarbeite. Da geht es dann meist mehr in juristische Details. Um konkret zu werden: Mindestlohn, Insolvenzrecht, Erbrecht, neues Bauvertragsrecht einschließlich Neuregelung des Gewährleistungsrechts für Werkverträge, betriebliche Altersvorsorge, flexible Altersrente – mit diesen und vielen weiteren Gesetzgebungsvorhaben befassen wir uns. Wir suchen dann Regelungen und Formulierungen für das Gesetz, die für Handwerksbetriebe tragbar und leistbar sind. Natürlich erörtern wir auch, mit welcher Strategie welcher Inhalt möglichst noch "durchgebracht“ werden kann. Als ganz aktuelles Beispiel sei erwähnt: wir lehnen die verstärkte Anwendung von ÖPP-Vergaben ab, da sie für Handwerksbetriebe oft schädlich, da meist ausschließend sind. Bei der soeben verkündeten, grundsätzlich begrüßenswerten Gründung einer Infrastrukturgesellschaft für den Verkehrswege-, insbesondere Autobahnausbau muss aber unbedingt vermieden werden, dass darüber ÖPP-Vergaben allgemein forciert werden.

Wo erwarten die Mitgliedsbetriebe besondere Aktivitäten ihres Bundesverbandes?

Thomas Fleischmann: Wie Herr Kostyra schon sagte: Unsere Kompetenz liegt im Fachspezifischen; ansonsten nutzen wir unsere Spitzenverbände.
Erwin Kostyra: Ich möchte aber trotzdem auf zwei Dinge hinweisen: zum einen die betriebliche Altersversorgung, die politisch jedenfalls wieder Gewicht gewinnen wird, das steht für mich fest. Da haben wir mit Signal-Iduna mit der MetallerRente Handwerk ein sehr interessantes Alternativmodell zu der Industrieregelung mit der Allianz aufbauen können. Weiter verweise ich auf die aktuelle Diskussion zur Sozialkasse Bau – ein wirklich großes Thema für unsere Betriebe des Metallbaus.

Thomas Fleischmann: Klar, da sprechen Sie einen riesigen Punkt an: mit der September-Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, dass zurückliegende – und wahrscheinlich auch zahlreiche aktuelle –Allgemeinverbindlicherklärungen (man spricht verkürzt von AVE) unwirksam sind, ist eine gigantische Diskussion nicht nur um die Sozialkasse Bau, kurz SoKa Bau, entbrannt. Da wird von Seiten der Bauwirtschaft ganz erheblicher politischer Druck gemacht, insbesondere bei Frau Nahles, indem man den Teufel der Insolvenz für die SoKa an die Wand malt, die immerhin eine Bilanzsumme von sieben bis 8 Millionen € haben soll. Außerdem wäre die soziale Absicherung tausender Arbeitsverhältnisse gefährdet. Da ist es nicht schwer, Politik zu überzeugen, dass das nicht passieren dürfe. Ich will es hier verkürzen: wir haben die Chance gesehen und ich kann heute sagen erfolgreich ergriffen, bei einem letztlich allgemeinpolitischen Sozial-Thema etwas für die Betriebe des Metallbaus zu erreichen, aber ausdrücklich nur für solche, die in unseren Metall-Innungen organisiert sind. Wir haben die Politik überzeugt, jetzt nicht vorschnell ein Rettungsgesetz zu verabschieden, sondern uns als betroffenem Verband, der wir für unsere Mitglieder jedwede Sozialkassen-Regelung ablehnen, ausdrücklich die Möglichkeit zu geben, bessere Ausnahmeregelungen für unsere am Bau tätigen Betriebe zu erreichen. Die Chancen stehen da wirklich gut, die so genannte Große Einschränkungsklausel deutlich klarer zu gestalten, mit der Konsequenz, dass viele der wirklich überflüssigen, ja ich sage elenden Gerichtsprozesse über die Zugehörigkeit von Metallbaubetrieben zur Sozialkasse Bau zukünftig vermieden werden – zumindest für Innungsmitglieder. In aller Bescheidenheit: da bahnt sich ein großer Erfolg der Verbandsarbeit für die Mitgliedsbetriebe an!

Herr Kostyra, Sie sind auch Präsident der EMU, der Europäischen Metall Union. Kann die Interessenvertretung auf europäischer Ebene die Arbeit des nationalen Verbandes unterstützen?

„Wir müssen für die Betriebe möglichst gute technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen“, definiert BVM-Präsident Erwin Kostyra die Aufgaben der Berufsorganisation. Fotos: BVM

Erwin Kostyra: Ich bemühe mich darum. Ich glaube auch, dass uns das inzwischen gelingt. Unsere Bemühungen und Erfolge im Normungsbereich kennen viele am Beispiel der EN 1090. Ein anderes Beispiel möchte ich kurz erwähnen: nehmen Sie die Arbeitsbedingungen. In Deutschland gehen wir doch – ich weiß das aus ganz vielen Gesprächen mit Kollegen in meiner Innung, in Landesverbänden, auf der Berliner Ebene – davon aus, dass die Unternehmer in Deutschland innerhalb Europas am härtesten von sozialen Lasten getroffen sind. Wir haben in der EMU eine Arbeitsgruppe "sozialer Dialog" eingerichtet. Da wird sehr offen berichtet. Es gibt Länder, da kann ein Arbeitgeber leichter kündigen als bei uns, da wird auch ein, zwei oder drei Stunden länger gearbeitet als bei uns, aber schon bei den Arbeitslöhnen würden wir passen müssen und von der Höhe des dortigen Mindestlohnes will ich gar nicht reden. Andere haben um ein Mehrfaches längere Lohnfortzahlungsfristen, die den Betrieb absolut in den Ruin treiben können, so dass es Versicherungen für diese Krisensituation gibt, andere berichten, dass sie froh wären, mit den bei uns üblichen und von uns beklagten Abfindungen Arbeitsverhältnisse auch beenden zu können. Wir stehen also mit unseren sozialen Verpflichtungen in einem vernünftigen Mittelfeld. Dies gepaart mit einer leistungsfähigen und vor allen Dingen leistungsbereiten Arbeitnehmerschaft gibt uns die Wettbewerbsfähigkeit, um die uns viele in Europa beneiden.

Wo sehen Sie weitere Aufgaben und Ziele für 2017?

Erwin Kostyra: Was wir noch nicht direkt angesprochen haben, ist der hohe Rang und die hohe Bedeutung, die die Gesetzgebung für uns als technische Anwender hat! Ich rede hier von technischen Normen. Diese haben Gesetzescharakter für die ausführenden Betriebe des Metallbaus. Mit sieben Diplom-Ingenieuren sind wir inzwischen hervorragend in der Lage, nicht nur von geplanten Normen und Normänderungen rechtzeitig zu erfahren, sondern – und dies ist natürlich das Wichtigste – dabei auch die Interessen von Handwerksbetrieben zu vertreten. Für Konzerne ist es nicht schwierig, hochrangige Experten in Normungsgremien zu schicken. Natürlich wird da dann auch Politik gemacht. Da fällt der kleine Handwerksbetrieb hinten runter. Da ist es also unsere wichtigste Aufgabe, gegenzuhalten. Aber nennen Sie mir einen Handwerker, der zeitlich in der Lage ist, an europäischen oder gar internationalen Normungsausschüssen teilzunehmen. Und dann soll er auch noch gut Englisch sprechen können und dabei noch die technische Fachsprache beherrschen. Nach 20 Jahren Arbeit im Bundesverband ist es uns gelungen, die große Lücke, die es da gab, zu schließen. Und letztlich schließt sich da der Kreis: über die EMU haben wir inzwischen Sitz und Stimme in CEN Ausschüssen. Die Interessenwahrnehmung für unsere Handwerksbetriebe in europäischen und internationalen Normungsgremien muss zum Großteil nicht von unseren Betrieben finanziert werden, da wir Fördermittel der Kommission erschlossen haben.

Auch wenn der BVM in der Technik gut aufgestellt ist, wie will er 14.000 Mitgliedsbetriebe beraten?

Erwin Kostyra: Natürlich können wir das als Bundesverband nicht alleine mit unseren Mitarbeitern leisten. Das wollen wir auch gar nicht. Die Innungen sind mit dieser Thematik meist überfordert. Hier sind die Landesverbände und Sachverständigen des Metallhandwerks gefordert. Da gibt es inzwischen auch hervorragende Mitstreiter, die das ins Land tragen und direkt den Betrieben helfen , was im Bundesverband entwickelt wurde. Aber ich muss ganz klar sagen und bin sehr froh darüber, dass es eine wirklich gute Zusammenarbeit in der Technik gibt: es finden regelmäßige Treffen aller Techniker des Bundesverbandes und der Landesverbände statt. Mir ist daran gelegen und ich freue mich sehr, dass das fast immer gelingt, dass wir im Bundesgebiet als Verbandsorganisation eine einheitliche Meinung zu bestimmten technischen Fragen vertreten. Es gäbe keine Sachverständigen und keine Aufträge für diese, wenn es nicht auch im technischen Bereich viele Streitfragen gäbe. Der Betrieb in Schleswig-Holstein darf da keine andere Auskunft bekommen als der im Allgäu. Technik ist bundesweit einheitlich. Die Anforderungen müssen bundeseinheitlich gleich sein.

Was sehen Sie beide als wichtig an –zum einen im Miteinander, zum zweiten bei der Zielsetzung?

Thomas Fleischmann: Wir haben unterschiedliche Rollen und Aufgaben. Da ist zum einen der Unternehmer und Handwerksmeister, zum anderen der Anwalt und Hauptgeschäftsführer. Das ist doch eine Kombi, die sich hervorragend ergänzt. Ich habe inzwischen tiefe Einblicke in technische Fragestellungen, in Bildungsfragen unseres Handwerks und natürlich in die Interessenlage des Unternehmers. Der Präsident kann Gesetzesentwürfe sezieren und analysieren, er versteht es, politisch und verbandspolitisch erfolgreich zu agieren. So sind wir inzwischen ein äußerst harmonisches Team.

Erwin Kostyra: Mir lag vor allem unsere Strukturreform im BVM am Herzen. Wir haben vier Säulen geschaffen. Seitdem gibt es im Präsidium echte Verantwortungen der Vizepräsidenten für ihr jeweiliges Ressort. Wir bedienen die Bereiche Technik, Berufsbildung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Wirtschaft und Soziales. Als Vizepräsidenten sind da meine Kollegen Christian Metges, Michael Winterhalter, Manfred Gärtner und Martin Hunold zuständig. Das funktioniert hervorragend. Da wird extrem mehr geleistet, als wenn alle Verantwortung, wie es früher ja war, allein beim Präsidenten liegt. Mit den Geschäftsführern der Säulen planen wir die zukünftigen Aufgaben. Natürlich gibt es immer wieder Unvorhergesehenes. Ein Gesetz, das Schaden für uns bringen kann, müssen wir aufgreifen, auch wenn die allgemeine Planung darunter leidet. Ich kann aber sowohl im Ehrenamt als auch im Hauptamt der Geschäftsstelle eine hohe Leistungsbereitschaft erkennen, da wird nicht auf die Uhr geschaut, Wochenenden sind oft Arbeitszeit. So werden wir auch mit Unvorhergesehenem fertig, ohne den Plan zu sehr aus dem Auge zu verlieren.

Ich hab es eingangs gesagt: Mir sind unsere Kongresse sehr wichtig. Ich sehe da vor allem den Metallkongress und den Bundesobermeistertag, da wir damit unsere Basis am direktesten erreichen. Ich danke auch M&T für die tolle Partnerschaft, mit der wir den Metallkongress sehr gut entwickelt haben. Der Metallbau läuft sehr gut, für den Feinwerktechnik-Kongress, der immer allerbeste Noten bekommt, müssen wir unbedingt eine angemessene, also deutlich höhere Teilnehmerzahl gewinnen. Ein absolutes Highlight sind jedes Mal die Preisverleihungen – das Team von M&T zeigt da eine Professionalität, die begeistert. Ich appelliere an dieser Stelle nachdrücklich an meine Freunde und Kollegen an der Spitze der Landesverbände und Innungen bundesweit: kommen Sie zu diesen Kongressen! Das ist keine Konkurrenz, das ist Begleitung und Ergänzung Ihrer Arbeit im Lande und in der Innung!

Thomas Fleischmann: Ich freue mich besonders, dass die Mitgliederversammlung im November erstes grünes Licht gegeben hat für einen besseren Auftritt auf der internationalen Handwerksmesse in München. Dort wollen wir das Metallhandwerk in seiner gesamten Breite repräsentieren und uns nicht mehr auf die Stücke der Guten Form beschränken. Dafür haben wir die dreifache Fläche gebucht. Aus der Bundesfachgruppe Metallgestaltung kamen die Vorschläge für einen neuen Messestand und die dort gezeigten Projekte und Aktivitäten. Ich glaube, das kann sehr beeindruckend werden. Und damit werbewirksam. Das wollen wir ja erreichen. In der ganzen Breite. Und bei der Finanzierung dürfen wir, nachdem Herr Zimmer und ich sehr gute Gespräche mit Salzgitter-Mannesmann zu einer maßgeblichen Unterstützung unseres Projektes führen durften, sehr zuversichtlich sein, dass wir die damit verbundenen Mehrbelastungen in den Griff bekommen, ohne den Bundes-Haushalt über zu strapazieren.

Normen wie die EN 1090 verlangen eine Zertifizierung vom Betrieb. Es gibt die Metall-Zert GmbH. Es gibt die Zertifizierung des DVS. Wie steht der Bundesverband dazu?

Erwin Kostyra: Der Bundesverband vertritt die Interessen der Betriebe. Wenn es schon die Verpflichtung gibt, sich zertifizieren zu lassen, dann muss das nach unserem Verständnis auch für den kleineren Handwerksbetrieb leistbar sein. Vor allem fordern wir eins: am Ende darf Zertifizierung nicht Belastung sein, unter dem Strich muss der Betrieb etwas gewonnen haben. Diese besondere Nähe zum Handwerk sehen wir bei der Metall-Zert GmbH. Das begrüßen wir sehr. Dort werden Handbücher verwendet, die im Dialog Techniker / Auditor mit mit Betriebskenntnis entwickelt wurden. Natürlich muss da kritisch und unabhängig geprüft werden, das wollen wir sehr wohl. Aber wir wollen keine Anforderungen, wie sie nur in Großunternehmen umzusetzen wären. Und wenn es einmal Defizite gibt, dann stehen die Berater der Verbände des Metallhandwerks zur Verfügung und helfen den Betrieben. Außerdem war es uns sehr wichtig, dass frühere Monopole, die auch zu entsprechenden Preisbildungen bei Zertifikaten führten, auf diese Weise Vergangenheit wurden. Jeder kann sich den Zertifizierer aussuchen, von dem er meint, er berücksichtige seine Situation am besten.
Thomas Fleischmann: Auch das ist also ein Stück Verbandspolitik für die Betriebe, die über mehr Wettbewerb neue Wahlmöglichkeiten haben.

Nach 22 Jahren geht der amtierende HGF im Herbst 2017 in den Ruhestand. Wie regeln Sie die Nachfolge?

Erwin Kostyra: Sowohl das Präsidium als auch die Mitgliederversammlung haben Dr. Michael Oelck einstimmig gewählt. Das Präsidium hat sich schon früh mit der Nachfolge für Herrn Fleischmann befasst. Wir haben gezielt gesucht und dann wenige Kandidaten dafür enger, d.h. sehr genau geprüft. Unser Ideal war, wir sprechen einen Kandidaten an, nicht umgekehrt: ein Kandidat sucht uns. Weiter hatten wir die Erkenntnis gewonnen, dass es jemand sein sollte, der in der Lage ist, an die 32 Jahre HGF-Tätigkeit auf Bundesebene anzuschließen, die Herr Fleischmann zu seinem Ausscheiden vorzuweisen hat. Es sollte also jemand aus der Handwerksorganisation, der die vielen Facetten der handwerklichen Organisation und die Wünsche der Betriebe kennt, sein. Das bringt Dr. Oelck mit, der eine große, stark aufgestellte Kreishandwerkerschaft in Westfalen über zwölf Jahre geleitet und entwickelt hat.

Thomas Fleischmann: Das Präsidium hat den Bundesverband in den letzten 5-7 Jahren enorm entwickelt. Es gibt nicht nur eine nahezu verdoppelte Zahl an Mitarbeitern, es gibt auch eine GmbH mit erheblichen Aktivitäten. Sie dient dem Bundesverband. Vor 22 Jahren hatten wir ziemlich genau doppelt so viele Mitgliedsbetriebe wie heute. Alleine das macht deutlich: sollen Beiträge nicht sehr überproportional steigen, so muss der Verband andere Finanzierungsquellen erschließen, um trotzdem das erwartet hohe Leistungsniveau zu bringen. Da haben wir viel auf die Schiene gesetzt. Umso nachvollziehbarer ist der Wunsch des Präsidiums, nun einen Mann an der Spitze des Hauptamts zu haben, der selbst unternehmerische Erfahrung, hier aus der Industrie, mitbringt, der aber auch innerhalb der Handwerksorganisation nachgewiesen hat, Konstrukte mit mehreren Gesellschaften erfolgreich und so zu führen, dass er dafür die volle Unterstützung der Unternehmer des Handwerks erhielt. Ich sehe also den BVM mit Dr. Oelck in einer hervorragenden Zukunft, dies ausdrücklich in engster Abstimmung mit Landesverbänden, Innungen und den Interessen der Betriebe. Jeder Wechsel tut gut. Nach 22 Jahren gilt das sicher in ganz besonderer Weise. Auch wenn man im Bundesverband nicht völlig auf juristische Expertise wird verzichten können: Ich sehe das als eine wirklich ideale Lösung.

Erwin Kostyra: Das Präsidium hat noch immer Lösungen gefunden, wenn Lösungen gefragt waren. Wir wollen mit dem neuen HGF den Dreiklang aus Bund, Ländern und Innungen erneuern und fortentwickeln. Wir wollen und werden dem Betrieb, um dessen Wohl und Willen es letztlich geht, über seinen Metallverband noch mehr bieten und uns so hoffentlich gemeinsam zu dem Dienstleister BVM 4.0 entwickeln.