Chef und Team begrüßen neuen Mitarbeiter, Playmobil
Bis ein neuer Kollege im Team begrüßt werden kann, ist es oft ein langer Prozess. (Quelle: M&T/Y.Schneider)

Betriebsführung

17. May 2022 | Teilen auf:

Bewerbungen: Den richtigen Mitarbeiter online finden

(Mai 2022) Pandemie, Zeitaufwand, Kosten und andere Gründe sprechen für die Mitarbeitersuche im Internet. Tatsächlich kann man den Vorgang von der Stellenanzeige bis zum Bewerbungsgespräch komplett online abwickeln. Erfahren Sie, wie Sie die Herausforderungen meistern.

Eine virtuelle Stellenanzeige unterscheidet sich kaum von der klassischen Print-Variante. Auch die rechtlichen Voraussetzungen sind die gleichen. Veröffentlichen Sie die Stellenanzeige auf Plattformen, ist man Ihnen dort meist behilflich. Bekannte Plattformen für Stellenanzeigen sind beispielsweise indeed.de, stepstone.de und monster.de. Es lohnt sich aber, für die Veröffentlichung im Internet zu recherchieren. Dabei sollte man auch die sozialen Medien nicht übersehen (Xing, LinkedIn oder auch Facebook).

Die Online-Bewerbung: erste Probleme

Auch für Online-Bewerbungen gilt die Datenschutzgrundverordnung.  Entwickeln Sie deshalb von vorneherein ein System, bei dem möglichst wenig der Informationen ausgedruckt werden. Eine Alternative zur Mappe des Bewerbers ist ein Fragebogen auf Ihrer Internetseite. Wenn es sich aus den Antworten ergibt, fordern Sie weitere Unterlagen an.

E-Recruiting: für Sie das Richtige?

E-Recruiting-Unternehmen übernehmen digital den gesamten Prozess der Personalbeschaffung bis zur Einstallung. Beim E-Recruiting geben Sie diesen für Ihr Unternehmen so wichtigen Prozess weitgehend aus der Hand. Dafür sparen sie viel Zeit. Außerdem helfen Ihnen Experten, Ihre Personalanforderungen in den richtigen Medien zu veröffentlichen. Allerdings ist dieser Service – je nachdem, wie hoch Ihre Anforderungen sind – unter Umständen recht teuer.

Bewerbungsgespräch online: eine neue Welt

Das erste online geführte Bewerbungsgespräch ist, als ob Sie eine neue Welt betreten. Während Sie beim klassischen Bewerbungsgespräch souverän und selbstsicher sind, fühlen Sie sich vor der Kamera zunächst unwohl. Doch das geht nahezu allen so.

Die technischen Voraussetzungen

Für das Online-Vorstellungsgespräch sollte die Ausrüstung professionell sein – das spiegelt die Kompetenz Ihrer Firma wider. Die Investitionen dazu halten sich in Grenzen.Zunächst brauchen sie eine gute Webcam und ein passendes Stativ . So können Sie den Kamera-Ausschnitt selbst frei festlegen. Die Kamera sollte auf Augenhöhe stehen, Bilder von oben oder unten sind meist unvorteilhaft. Damit Sie den Bewerber und er Sie gut verstehen kann, brauchen Sie ein gutes Headset. Die im Computer eingebauten Mikros und Lautsprecher sind für ein digitales Bewerbungsgespräch ungeeignet.

Für die Kommunikation wird dann noch ein Video-Chat-Programm benötigt. Es gibt dafür verschiedene Anbieter. Die bekanntesten sind Skype, Zoom oder Teams (auch in Windows 11 enthalten). Es werden immer mehr Video-Chat-Dienste angeboten. Welcher der richtige ist, müssen Sie entscheiden. Achtung: Bei kostenlosen Versionen – die fast alle Dienste anbieten – ist die Übertragungszeit überwiegend auf unter eine Stunde begrenzt. Wichtig ist auch, welche Anforderungen Ihr Bewerber erfüllen muss, damit der Kontakt hergestellt werden kann.

Ohne Test geht es nicht

Führen Sie vor dem Gespräch unbedingt einen Test durch. Bauen Sie die Verbindung zu einer Person ihres Vertrauens auf und testen Sie zunächst Ton- und Bildqualität. Dabei können Sie gleich das „Online-Gespräch“ üben. So müssen Sie ein wenig Geduld aufbringen, wenn Sie eine Frage stellten. Es kann etwas dauern, bis der Empfänger sie gehört hat und antwortet. Bitten Sie Ihren Testpartner auch, Screenshots zu machen. Anhand der Aufnahmen können Sie dann Ihr Büro so herrichten, dass nur im Bild erscheint, was Sie wünschen.

Stellen Sie die Kamera zu dicht vor sich auf, sieht der Bewerber nur ihr Gesicht. Besser ist es, wenn er auch ihre Hände und damit ihre Gesten sehen kann. Gerade bei der „sterilen Kommunikation“ werten ihre Gesten das Gespräch auf. Deshalb sollten Sie auch nicht am Schreibtisch sitzen, sondern vielleicht in der Sitzecke ihres Büros.

Los geht’s

Inhaltlich bereiten sie sich auf ein digitales Bewerbungsgespräch genauso vor, wie bei einem klassischen Gespräch. Setzen Sie sich ein paar Minuten vor dem Gespräch in Positur. Bleiben Sie unverkrampft und natürlich. Stellen Sie auch ein Getränk bereit. Während des Gesprächs einen Kaffee zu holen, stört beim digitalen Kontakt.

Beim virtuellen Bewerbungsgespräch sind sie stärker gefordert als beim klassischen Gespräch. Der Bewerber bekommt normalerweise schon auf dem Weg zum Gespräch einen Eindruck vom Unternehmen. Digital kann sich der Bewerber – abgesehen von ersten Informationen auf Ihrer Internetseite – noch kein Bild von Ihrem Betrieb machen. Sie müssen darum Ihr Unternehmen sehr viel umfangreicher vorstellen. Mit einem Imagefilm können Sie ihr Unternehmen vorstellen – wenn er maximal 90 bis 120 Sekunden lang ist. Sonst müssen Sie Ihr Unternehmen selbst präsentieren. Beschränken Sie sich dabei auf die für den Bewerber interessanten Dinge: Arbeitsplatz, Arbeitsablauf, Team.

Die persönliche Bewertung

Die fachliche Qualifikation des Bewerbers lässt sich leicht ermitteln. Schwieriger wird es, die sozialen Kriterien zu prüfen. Ihr Bauchgefühl ist da gefragt. Dabei müssen sie sich auf die Sprache (Formulierung) ihres Gegenübers verlassen. Da der Bewerber in den meisten Fällen keine spezielle technische Ausrüstung besitzt, werden sie von ihm wahrscheinlich nur das Gesicht sehen und die Bildqualität wird auch nicht immer die beste sein.

Um mehr vom Bewerber zu erfahren, haben sich verschiedene Methoden recht gut bewährt. Eine davon ist ein Szenario aufzubauen, in dem der Bewerber ein Problem selbstständig lösen soll. Sie stellen ihm eine typische Situation im Unternehmen vor und fragen ihn, wie er damit umgehen würde. Je nachdem, welche Stelle besetzt werden soll, kann dies zu einem Rollenspiel führen (etwa ein Verkaufsgespräch mit dem Bewerber als Verkäufer). Dabei wird deutlich, ob und vor allem wie der Bewerber Probleme lösen kann. Das gibt Ihnen einige Hinweise auf die persönliche Einstellung des Bewerbers.

Fazit: Üben Sie vorher trocken

Ein digitales Bewerbungsgespräch ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Dennoch sprechen die Vorteile dafür, sich diesen Weg zunutze zu machen. Wenn es auch anfangs schwierig ist, so macht auch dabei Übung den Meister. Darum noch ein letzter Tipp: bevor Sie ein „echtes“ Bewerbungsgespräch durchführen, trainieren Sie es mit einer Person Ihres Vertrauens.

zuletzt editiert am 17.05.2022