Berthold Firmensitz
Firmensitz des Familienunternehmens Berthold Kunrath mit den Gesellschaften Berthold Kunrath und der BK Stanz- und Umformtechnik im saarländischen Theley. Fotos: Ingersoll

Feinwerktechnik 2018-04-26T00:00:00Z Bohrwerkzeug: Vollhartmetall ersetzt

Neue Wechselkopfbohrer haben bei der Firma Berthold Kunrath im saarländischen Theley die konventionellen Vollhartmetallbohrer abgelöst. Die modernen Werkzeuge konnten sowohl in der Handhabung als auch in der Leistung und Prozesssicherheit überzeugen.

Das Familienunternehmen Berthold Kunrath besteht heute aus zwei Gesellschaften, der Firma Berthold Kunrath mit einem leistungsfähigen und modernen Werkzeugbau sowie der BK Stanz- und Umformtechnik, die mit mechanischen und hydraulischen Pressen bis zu 630 Tonnen hochpräzise und komplexe Teile im Bereich der Blechumformung herstellt.
Die beiden Gesellschaften bilden bei der Problemlösung für den Kunden eine sinnvolle Ergänzung, und profitieren von den gegenseitigen Erfahrungen. So verwendet die BK Stanz- und Umformtechnik, die beim Werkzeugbau Kunrath hergestellten Werkzeuge; umgekehrt fließen die Erfahrungen, die beim Einsatz dieser Werkzeuge gemacht werden, direkt zurück zum Werkzeugbau. Beim Gesamtunternehmen Berthold Kunrath ist man besonders stolz auf diese Durchgängigkeit von der Konstruktion über die moderne Zerspantechnik bis zur Werkzeugmontage und Ausprobung. Auf Wunsch ist auch die Fertigung von ersten Kleinserien möglich.

Rechtzeitig bei der Planung einbinden

Blechumformung
Hier eine typische Grund- oder Kopfplatte für ein komplexes Werkzeug zur Blechumformung. Für die Vielzahl der unterschiedlichen Bohrungen sind leistungsfähige Bohrwerkzeuge Voraussetzung.

Seit Anfang der 80er Jahre ist die Firma Berthold Kunrath im Bereich des Werkzeugbaus vorwiegend für die Abgasreinigung tätig.
Im Jahre 1970 als Einmannbetrieb im Nebenerwerb mit einer Drehmaschine in einer Garage gegründet, wuchs das Familienunternehmen kontinuierlich, und das junge Unternehmen erwarb sich das Vertrauen der Kunden, die ihm bis zum heutigen Tag die Treue halten.
Bei den meisten dieser langjährigen Kunden wird die Firma Kunrath oft schon im Planungsstadium in das neue Projekt eingebunden und nimmt Einfluss auf die Konstruktion und Ausführung der komplexen Stanz- und Tiefziehwerkzeuge.
„Für uns ist das eine Investition in die Zukunft der Partnerschaft“, erklärt Thomas Schumacher (Geschäftsführer der Firma Berthold Kunrath) die Motivation hinter dieser kostenlosen Dienstleistung.
Inzwischen beschäftigen die beiden Gesellschaften insgesamt etwa siebzig bis achtzig Mitarbeiter.
Um den benötigten Facharbeiternachwuchs zu sichern, werden bei der Firma Berthold Kunrath junge Auszubildende in allen Betriebsbereichen ausgebildet. Auch eine weiterführende Qualifikation durch das duale Studium wird bei dem modernen Unternehmen gefördert.
Die Kunden des saarländischen Betriebs sind vorwiegend Automobilzulieferer, in erster Linie die großen Hersteller der KFZ-Abgastechnik.
Sowohl der Werkzeugbau als auch der Bereich Stanz- und Umformtechnik beliefert diesen Industriezweig.

Optimiertes Wechselkopf-Bohrsystem im Einsatz

Wechselkopfbohrer
Start der Testbearbeitung mit Gold-Twist-Wechselkopfbohrer an einer Grundplatte.

Seit etwa 17 Jahren setzt die Firma Berthold Kunrath Zerspanungswerkzeuge von Ingersoll bei der Produktion ihrer komplexen Werkzeuge für die Blechumformung ein.
Durch erfolgreiche Einsätze bei Schaftfräsern der Hi-Pos-Serie und Planfräser der Okto-Plus-Serie hat sich Karl-Heinz Hettig (Ingersoll Beratung und Verkauf) das Vertrauen der Produktionsverantwortlichen bei Kunrath erworben.
So fand er auch offene Ohren, als er im Jahre 2012 das optimierte Wechselkopf-Bohrsystem der Gold-Twist-Serie vorstellte.
Die beim Werkzeugbau Kunrath gefertigten Werkzeuge für die Abgasindustrie beinhalten fast immer eine sogenannte Grundplatte und eine Kopfplatte.
Diese beiden Komponenten der komplexen Werkzeuge haben eine Vielzahl unterschiedlicher Bohrungen.
Die Bohrbearbeitung im Werkzeugstahl ist daher eine wichtige und oft durchgeführte Zerspanung bei der Produktion der Werkzeuge.
Zum Einsatz kamen bisher bei dieser wichtigen Fertigungsart fast ausschließlich Vollhartmetallbohrer.

Bei Standzeit, Zerspanungsverhalten und Prozesssicherheit bewährt

Grundplatte
Fertige Grundplatte nach der Testbearbeitung. Diese Komponenten eines Werkzeuges zur Blechumformung besitzen sehr unterschiedliche Geometrien und Bohrungen.

Für die ersten Einsätze und Tests der Wechselkopfbohrer der Gold-Twist-Serie hatten Thomas Schumacher und Werner Jochum (Betriebsleiter Firma Berthold Kunrath) ein Probewerkstück ausgewählt, um Standzeit, Zerspanungsverhalten und Prozesssicherheit der neuen Bohrer-Serie kennenzulernen.
Die Tests mit dem neuen Wechselkopf-Bohrer verliefen in allen Belangen zur vollsten Zufriedenheit für Thomas Schuhmacher und Werner Jochum, die für die Fertigung bei der Firma Berthold Kunrath die Verantwortung tragen.
„Die Standzeit war überzeugend und die Handhabung der neuen Werkzeuge ist ein echter Fortschritt. Die eingesetzten Werkzeuge haben immer die gleiche Länge und der Schneideinsatz kann in der Maschine gewechselt werden“, fasste Werner Jochum (Betriebsleiter) das Ergebnis der Tests aus seiner Sicht zusammen.
Nach dem ersten erfolgreichen Einsatz hatte sich Kai Schaffert (Anwendungstechniker der Ingersoll Werkzeuge) zur Aufgabe gemacht, die positiven Ergebnisse der Bohrertests auch in die Praxis bei der Bearbeitung der wichtigen Bauteile Grundplatte und Kopfplatte zu übertragen. Gemeinsam mit den Fertigungsverantwortlichen bei der Firma Berthold Kunrath wurden die weiteren Schritte zur Einführung der neuen Wechselkopf-Bohrwerkzeuge geplant.
Die positiven Ergebnisse der Testbearbeitung konnten auch in der Praxis bestätigt werden, so dass sich die neue Bohrerserie als Standardwerkzeug bei der Bohrbearbeitung der Werkzeugstähle in der Produktion etabliert hat. Der Bohrungsbereich von neun Millimeter bis 19,5 Millimeter wird inzwischen komplett von Bohrwerkzeugen der Gold-Twist-Serie abgedeckt.

Wechselkopfbohrer für vielfältigste Anwendungen

Testbearbeitung
„Manöverkritik“ nach der Testbearbeitung (v.l.n.r.): Thomas Schumacher (Geschäftsführer Berthold Kunrath), Werner Jochum (Betriebsleitung Berthold Kunrath), Karl-Heinz Hettig (Beratung und Verkauf Ingersoll) und Kai Schaffert (Anwendungstechniker Ingersoll) diskutieren die Ergebnisse der Testbearbeitung.

Die Gold-Twist-Produktlinie liefert sehr gute Ergebnisse auch bei höheren Schnittgeschwindigkeiten. Das stabile, schnell zu wechselnde Klemmsystem garantiert eine hohe Flexibilität, Kosteneffizienz und Langlebigkeit für viele Bohranwendungen.
Die Produktlinie umfasst den Durchmesserbereich von sechs Millimeter Durchmesser bis 25,9 Millimeter Durchmesser und zwar in 0,1 Millimeter Abstufungen.
Die Grundkörper werden für Längen/Durchmesser-Verhältnisse (L/D) von 1,5 x D, 3 x D, 5 x D, 8 x D und 12 x D (Durchmesserbereich von zwölf Millimeter bis 25,9 Millimeter) angeboten.
Die präzisen Bohrkörper besitzen eine stabile Schnittstelle mit einem innovativen Klemmsystem, welches auch nach einer vielfachen Anzahl von Kopfwechseln eine zuverlässige Klemmung gewährleistet und sich mittlerweile in der Praxis bewährt hat. Die Bohrkörper bieten zusätzlich verdrallte Kühlmittelbohrungen, polierte Spankammern und eine PVD-Beschichtung.
Durch diese optimierte Oberfläche der Bohrkörper ist sowohl eine sichere Entspanung und als auch eine lange Körperstandzeit gewährleistet.
Abhängig vom Durchmesser deckt jeder Körper einen Bereich zwischen 0,5 Millimeter beziehungsweise einem Millimeter ab.
Als Hartmetallqualität kommt bei den VHM-Wechselköpfen die Qualität IN2505 zum Einsatz, die eine PVD-Beschichtung mit sehr guter Verschleißfestigkeit besitzt. Sie hat sich bewährt für ein großes Anwendungsgebiet und bietet eine hervorragende Standzeit.
Weiterhin stehen mehrere Geometrien zur Verfügung: Drei P-Geometrien, eine für die allgemeine Stahlbearbeitung, eine für die Herstellung von zum Beispiel Schraubenkopfsenkungen und eine mit doppelter Führungsfase für eine verbesserte Oberflächengüte. Des Weiteren eine M-Geometrie für die Bearbeitung von rostfreien Stählen, eine K-Geometrie mit Schutzfase für die Gussbearbeitung und eine N-Geometrie für die Aluminiumbearbeitung.

zuletzt editiert am 26. April 2021