Komplexere Projekte, kürzere Lieferzeiten und ein wachsender Kostendruck prägen den Alltag vieler Betriebe. Moderne CAD-Systeme versprechen Entlastung, Effizienz und neue Spielräume in der Planung. Wir sprachen mit Dietmar Flach von ISD darüber, worauf es bei der Auswahl des richtigen CAD-Systems für den Metallbau wirklich ankommt.
Herr Flach, viele Metallbaubetriebe arbeiten bereits seit Jahren mit CAD-Systemen. Wo sehen Sie aktuell die größten Defizite oder ungenutzten Potenziale in der Praxis?
Eines der Hauptprobleme bei CAD-Systemen ist die begriffliche Definition – vom elektronischen Zeichenbrett bis hin zur vollautomatisierten Lösung. Aussagen wie „Wir können Werkstattzeichnungen“ sind oft zu hören. Manuell kann das jeder. Moderne 3D-CAD-Systeme sollten aber in der Lage sein, zum Beispiel Profile mit Anschnitten, Bohrungen und Ausnehmungen vollautomatisiert als Zeichnung zu erstellen – oder eine Konstruktion auf eine definierte Blechdicke zu durchsuchen und alle Bleche automatisiert in dem von Ihnen ausgewählten Datei-Format auszugeben.
Wichtig ist zudem, dass CAD-Hersteller über eine ausreichend große Forschungs- und Entwicklungsabteilung verfügen, um Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) zum Nutzen der Anwender in die Software zu integrieren. Ohne umfassende Erweiterungen an Funktionalitäten im Bereich KI sind Branchen-Lösungen in den kommenden Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig.
Sie sprechen davon, dass moderne CAD-Systeme heute viele Konstruktionsaufgaben automatisch erledigen. Wo liegt dabei der konkrete Mehrwert für Metallbauunternehmen im Vergleich zu klassischen Arbeitsweisen?
Mehrwert für Metallbauunternehmen entsteht dann, wenn das 3D-CAD-System optimal für das branchenspezifische Metallhandwerk geeignet ist. So können die Betriebe die ständigen Änderungskon-
struktionen im Projektverlauf jederzeit durchführen, und Routineaufgaben wie Gleichteilerkennung und Positionierung sowie die automatische Generierung von Werkstattzeichnungen, Stücklisten und NC-Daten erledigt das System für sie. Mehrwert entsteht beispielsweise auch im Bereich Treppen und Geländer, wo man mit leistungsstarken Konfiguratoren sehr schnell zu einer konstruktiv perfekten Lösung kommen kann.
„CAD-Werkzeuge müssen vollumfängliche Normteil-Bibliotheken enthalten.“
Dietmar Flach
Der Metallbau stellt sehr spezifische Anforderungen an Planung und Konstruktion. Welche Aspekte müssen CAD-Werkzeuge aus Ihrer Sicht zwingend unterstützen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
Das Metallhandwerk bietet ein riesiges Spektrum an spezifischen Anforderungen. CAD-Werkzeuge müssen vollumfängliche Normteil-Bibliotheken enthalten, die Norm-Profile, Bleche sowie Verbindungs- und Befestigungsmaterialien umfassen. Ebenso müssen sämtliche Halbzeuge wie Gläser, Hölzer und Sandwichelemente hinterlegt sein. Nur so lassen sich die von den Betrieben gewünschten spezifischen Anforderungen umsetzen.
Die Projekte werden komplexer, gleichzeitig steigen Zeit- und Kostendruck. Wie kann ein passendes CAD-System dazu beitragen, Fehler zu reduzieren und Prozesse insgesamt effizienter zu gestalten?
Der Schlüssel zum Erfolg liegt insbesondere bei komplexen Projekten in der perfekten Planung – vom Aufmaß bis in den Fertigungs- und Montageprozess. Moderne 3D-Laserscanner liefern heute ein exaktes Abbild der Ist-Situation in Form einer Punktwolke. Ohne Aufwand können Sie direkt in der Punktwolke konstruieren, und bei der millimetergenauen 3D-Konstruktion werden Probleme direkt erkannt und die Fehlerquote so deutlich reduziert. Zudem erreichen Sie so in der Werk- und Montageplanung eine maximale Projektvorbereitung. Auch individuelles und flexibles Arbeiten sowie Automatismen sollten jederzeit möglich sein. Der Gesamtprozess ist so effizienter und bringt dem Unternehmen einen deutlichen Mehrwert hinsichtlich Zeit und Kosten.
Worauf sollten Metallbaubetriebe bei der Auswahl oder dem Wechsel eines CAD-Systems besonders kritisch achten – und welche Fragen werden dabei Ihrer Erfahrung nach häufig zu wenig gestellt?
Bei der Auswahl oder dem Wechsel des CAD-Systems sollten Metallbaubetriebe besonders darauf achten, dass es sich um branchenbasierte CAD-Systeme handelt. Zudem sollten die Betriebe vor der Lizenzierung die Leistungsfähigkeit des Systems anhand eines von ihnen ausgewählten Projektes testen – und das live vor Ort. Bei der Präsentation sollten insbesondere die Fragen gestellt werden, die ihnen bis dato Probleme bereitet haben. Nicht die Lizenzgebühren, sondern der Mehrwert sollte bei der Auswahl des CAD-Systems entscheidend sein!
Zur Person
Dietmar Flach...
...arbeitet seit mehr als 40 Jahren sehr erfolgreich im Bereich CAD. 1990 startete er eine beispielhafte Karriere bei der ISD. In mehr als 30 Jahren Vertrieb hat er mit seinem Wissen und seiner Erfahrung neben einer Vielzahl von Metallbaubetrieben auch zahlreiche Key-Account-Kunden für 3D-CAD begeistern und gewinnen können. Heute ist er strategischer Berater und Key-Account-Manager. Als Visionär – gepaart mit seinem ständig wachsenden Netzwerk – setzt er immer wieder neue Impulse im CAD-Bereich für das Bauwesen.
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