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Yvonne Schneider (Gründerin des Deutschen Metallbaupreises) vertraute bei der Gestaltung der neuen Trophäe Metallgestalter Alfred Bullermann. Fotos: M&T

Interviews mit Branchenpartnern

01. December 2020 | Teilen auf:

Deutscher Metallbaupreis: „Vom rohen Ausgangsprodukt zur fertigen Metallarbeit“

Zum zehnjährigen Jubiläum erhält der Wettbewerb eine neue Trophäe. Der Metallgestalter Alfred Bullermann hat sie gestaltet und erläutert im Interview die Hintergründe und sein Vorgehen bei diesem Auftrag.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Wettbewerb um den Deutschen Metallbaupreis?
Das ganz Besondere für mich sind die vielen Facetten des Metallhandwerks, die bei diesem Wettbewerb in unterschiedlichen Kategorien prämiert werden. Nahezu alle relevanten Metallbaubereiche werden dabei berücksichtigt und kleine und große Metallbaubetriebe reichen seit Jahren vielfältigste, kreative und technisch innovative Projekte zu diesem Wettbewerb ein.

Vom Schmiedefeuer bis zum Laserschneiden machen viele Arbeitsschritte des Metallhandwerks aus dem Entwurf eine fertige Trophäe. Fotos: M&T

Woran ist der Deutsche Metallbaupreis zu erkennen?
Das markanteste Merkmal an dem Preis und der gesamten Kampagne ist eine in Siegerpose dargestellte Figur, die mittlerweile auch „Oskar des Metallhandwerks“ genannt wird. Dieses Signet hat sich in der Metallbranche bei der Metallbaupreisverleihung als Logo und als Auszeichnungstrophäe etabliert.
Das Logo zeigt die Kontur eines menschlichen Oberkörpers, die siegreich mit ausgestreckten Armen einen Stern über ihrem Kopf trägt. Die goldene Farbe verleiht dem Signet den gewünschten wertigen Ausdruck und erzeugt beim Betrachter Aufmerksamkeit.

Warum haben Sie die Anfrage zur Gestaltung der neuen Trophäe angenommen?
Weil für mich die bisherige Trophäe, die als Auszeichnung verliehen wurde, aus gestalterischer Sicht der Initiative der Fachzeitschrift M&T und dem hohen Anspruch des Metallhandwerks an den Wettbewerb „Deutscher Metallbaupreis“ noch nicht vollständig gerecht wurde.
2014 und 2018 durfte ich den Metallbaupreis jeweils in sehr feierlichem Rahmen an verschiedenen Orten Deutschlands selbst entgegennehmen. Für diese Anerkennung meiner Arbeit bin ich sehr dankbar und vielleicht sogar ein wenig stolz.
Die beiden Siegertrophäen, die ich bei diesen sehr gut geplanten, anspruchsvollen und festlichen Veranstaltungen erhalten habe, stehen seitdem in einem Regal bei mir im Büro. Mit dieser Kleinplastik konnte ich mich jedoch als Metallgestalter mit Leib und Seele nie so richtig anfreunden.
Ich habe dies den Veranstaltern gegenüber offen zum Ausdruck gebracht und freue mich darum umso mehr, den Auftrag zur Neugestaltung der Trophäe bekommen zu haben.

„Das markanteste Merkmal an dem Preis und der gesamten Kampagne ist eine in Siegerpose dargestellte Figur."

Alfred Bullermann


Wie sind Sie bei der Gestaltung der neuen Trophäe vorgegangen?
Gemeinsam mit meiner damaligen Praktikantin Pernille Rosendahl-Jensen aus Schweden, haben wir anfangs eine grundlegend neue Trophäe entworfen. In dieser Idee tragen zwei geschmiedete, sich umschlingende Flammen, einen Stern, symbolisch auf den Gewinnungsprozesses des Materials Metall durch Feuer verweisend. Von der bisherigen Trophäe hatten wir in diesem Entwurf lediglich den Stern übernommen.
Weil durch diese Neugestaltung ein komplett neues Werbekonzept bis hin zu einer neuen Bildmarke nötig geworden wäre, musste ich mich im nächsten Schritt der Entwurfsphase noch einmal auf die wesentlichen Kernaussagen der bisherigen Trophäe konzentrieren und diese neu interpretieren. Ausgehend von dem bekannten Symbol der Siegerpose entstand der neue, nun von uns realisierte Preis. In einer, formal auf das Wesentliche reduzierten Stele wird das Logo des Wettbewerbes klar und deutlich ohne zusätzliche dekorative Elemente präsentiert. Erforderliche Texte und Daten werden einprägend in den Sockel der Stele platziert.

Welche Arbeitstechniken und Materialien kamen bei der Fertigung zum Einsatz?
Unser Anliegen war von Anfang an, einen Metallbaupreis aus Metall zu gestalten. Als Basis haben wir uns in der Endversion für verzunderten Stahl entschieden. Der Titel und das Verleihungsdatum der Trophäe sind in diesem Basisblock eingeprägt. Die darauf befindlichen Tafeln sind in der Oberfläche geschliffen und brüniert. Das bestehende Logo des Metallbaupreises ist grafisch überarbeitet, leicht erhaben aus polierten Messingblechen in die ausgelaserten Konturen der Frontplatte eingelassen.

Warum haben Sie sich jeweils für die von Ihnen verwendeten Materialien und Oberflächen für die einzelnen Bestand­teile der Trophäe entschieden?
Der verzunderte Basisstahlblock symbolisiert das nach dem Schmelzprozess erkaltete Material Stahl. Die darauf stehenden Tafeln weisen auf die industrielle Weiterverarbeitung durch Walzen hin. Die ausgelaserten Konturen sowie das exakt eingepasste, aus Messingblech eingesetzte Signet zeigen eine heute gängige Technik Bleche zu bearbeiten.
Die leicht erhaben aus den lediglich brünierten Tafeln hervorstehenden, polierten Messingsegmente treten wertig und deutlich aus der Gesamtgestaltung hervor. Wir haben bewusst auf eine Lackbeschichtung als Oberflächenschutz verzichtet und die Trophäe nur mit einem flüssigen Wachs behandelt, um dem Material seine metalltypische Haptik nicht zu nehmen.

Welche Geschichte erzählt die Trophäe?
Die Gesamtgestaltung der neuen Trophäe stellt in Materialauswahl und Fertigungstechnik die Tradition und die Moderne im Metallhandwerk symbolisch dar, vom rohen Ausgangsprodukt bis hin zur fertigen Metallarbeit. Die in der Gesamtform neue, klar und formal reduzierte Trophäe präsentiert das mittlerweile bekannte und etablierte Logo des Metallbaupreises auf eine neue Art.

Werden Sie wieder eins Ihrer Projekte für den Deutschen Metallbaupreis einreichen?
Ja sicher … auch wenn ich mir die Trophäe nun selber bauen könnte [lacht].

Sehen Sie das Video...

...zur Trophäe und zum Jubiläum des Deutschen Metallbaupreises auf dem M&T-Youtube-Kanal.

Außerdem spannend:
Video über das Siegerobjekt von Alfred Bullermann 2015
Video über das Siegerobjekt von Alfred Bullermann 2018

Bewerben Sie sich um den Deutschen Metallbaupreis und erhalten Sie als Gewinner eines der von Alfred Bullermann gestalteten Unikate www.metallbaupreis.de.