Die Niessing Schmuck-Manufaktur aus Vreden im westlichen Münsterland bearbeitet ihre edlen Metalle unter anderem mit einer Drahterodiermaschine. Lesen Sie mir über diese interessante Anwendung.
Durch das Wasser glitzern die Funken wie Brillanten. Fast könnte man meinen, der fertige Spannring sitzt bereits mit seinem Diamanten in der neuen Drahterodiermaschine Agie-Charmilles CUT E 350 von GF Machining Solutions. Die Niessing Manufaktur aus Vreden im westlichen Münsterland gestaltet seit 1873 hochwertige Trauringe und Schmuckstücke mit klarer Formensprache. Hier trifft High-Tech auf Tradition. Komplexe Konturen – wie die des Niessing Spannrings – entstehen auf der neuen Drahterodiermaschine wirtschaftlich und präzise.
Fertigung wird sukzessive modernisiert
„Pur, klar, zeitlos” – so bezeichnet die Niessing Manufaktur ihren preisgekrönten Design Klassiker. Er ist als Kunstwerk anerkannt und urheberrechtlich geschützt. „Der Spannring ist die Design Ikone von Niessing“, erklärt PR-Managerin Sonja Junge, „und es gibt unzählige Variationen davon.“ Die Herstellung meistert die Manufaktur mit jahrzehntelanger handwerklicher Erfahrung und einer hohen Fertigungstiefe. In der eigenen Schmiede gießt Niessing um die achtzig verschiedene Legierungen in zwölf Farben – vom weichen 750er Gold bis zum zähharten 950er Platin mit Anteilen von Kupfer, Palladium und Wolfram. Auf allergieauslösende Metalle wird gänzlich verzichtet.

Niessing modernisiert sukzessive seine Fertigung. Die neue Drahterodiermaschine Agie-Charmilles CUT E 350 ersetzt eine Agiecut aus den 1990er Jahren. Mit ihren kompakten Maßen benötigt die Neue nicht nur weniger Platz, sie spart dank des Econowatt-Moduls – einem flexiblen Stand-by-Modus – auch spürbar Energie. Der integrierte Kollisionsschutz schützt vor Schäden am Werkstück und der Maschine. Mit Taper Expert können hochgenaue Koniken bis dreißig Grad erodiert werden. Der Übergang gelang flüssig: „Vom passgenauen Angebot über den Kauf bis zur Inbetriebnahme klappte alles unkompliziert“, bestätigt Produktionsleiter Jens Klein Günnewyck.
Hightech macht Tradition wirtschaftlich

Ganz neue Möglichkeiten für komplexe Design-Geometrien eröffnet die moderne Erodiermaschine. Die markante scharfkantige Kontur des Spannrings „High-End“ wird aus einem Stück gefertigt. Mit der Agie-Charmilles CUT E 350 gelingt das funkenerosive Heraustrennen des Rings – gerade bei diesen außergewöhnlichen Metallen – wirtschaftlich und extrem materialsparend. Denn bei der Bearbeitung von Gold und Platin will Niessing den Materialverlust so gering wie möglich halten: Spezielle Filterpatronen fangen den kostbaren Abtrag auf.
Die hohe Spannung im Ring hält den Brillanten sicher und dauerhaft. „Es ist die einzige Fassart, bei der man den Stein von nahezu allen Seiten sieht“, schwärmt Sonja Junge. In den gewalzten Rohling setzt Abteilungsleiter Walbert Depenbrock zunächst die Anfangsbohrung und spannt ihn auf den Maschinentisch. Ein Wasserstrahl fädelt den Draht problemlos ein. „Auch das Wiedereinfädeln nach einem Drahtbruch ist für die CUT E 350 Routine“, bemerkt Depenbrock. Auf Wunsch erkennt die Maschine zertifizierte Drähte von GF Machining Solutions per RFID-Chip, sodass das manuelle Eingeben der Daten entfällt. Die präzise Bearbeitung ermöglicht die ausgereifte Agie-Charmilles Funkenerosionstechnik in Verbindung mit dem neuen, effizienten IPG Generator. „Bei den sehr scharfen Ecken passt das sehr gut“, freut sich Klein Günnewyck.
Der erodierte Rohling geht danach zu den Goldschmieden, die ihn versäubern, schleifen, polieren und den Ring mit handwerklichem Können zu einem ganz persönlichen Wertobjekt fertigstellen.
Agie-Charmilles erleichtert Prozess und Handling

Jeder Spannring ist ein Unikat – Niessing fertigt ausschließlich kundenspezifische Einzelstücke. Bei Losgröße 1 definiert die Zeichnung die speziellen Abmaße und Eigenschaften des Rings. Die Kontur erhält die Drahterodiermaschine direkt als NC-Programm vom CAM-System. Die Maschine verfügt außerdem über rConnect, eine neue Digitalisierungsplattform von GF Machining Solutions. Sie lässt sich zur Diagnose mittels Fernwartung nutzen und versendet z.B. im Falle einer Störung eine Mitteilung an einen Niessing Mitarbeiter.
Walbert Depenbrock zoomt in der 3D-Ansicht auf ein Detail. Auf der 19 Zoll Touch-Steuerung AC CUT HMI sieht er alle Informationen auf einen Blick: „Das ist sehr übersichtlich – so kann ich den Prozess gut überwachen.“ Die Einarbeitung in Maschine und Steuerung ging schnell, nach einer Woche Schulung bei GF in Schorndorf war Depenbrock fit. „Alles lief reibungslos; wir haben die alte Maschine gar nicht mehr eingeschaltet“ bestätigt auch Produktionsleiter Klein Günnewyck.
Neue Technik erlaubt neue Formen

„An die optimalen Parameter – wie Draht- und Materialstärke, Drahtgeschwindigkeit oder Vorschub – tasten wir uns noch heran“, sagt der Produktionsleiter. Dabei hilft die hohe Materialkompetenz und Erfahrung der Mitarbeiter mit Gold und Platin. „Bei uns arbeiten Mensch und Maschinen Hand in Hand.“ Die neue GF Drahterodiermaschine macht es den Facharbeitern leicht, komplizierte Formen herzustellen. Und sie schafft Potentiale: Das Niessing Design profitiert von den technologischen Möglichkeiten – für eine ganz neue und innovative Ästhetik.


