Ein moderner, minimalistischer Sessel aus leuchtend rotem Gitterrost, der auf einem Kiesplatz vor einem kleinen Wasserbecken in einem Garten steht.
Laden zum Verweilen ein: Die neuen Möbelstücke im Bonner Museumsgarten. (Quelle: Anna Sänger)

Edelstahl-Gitterroste 2026-08-24T00:00:00Z Von Ausstellungswänden zu Möbelstücken

Die Edelstahl-Gitterroste hatten ihren Dienst getan. Über drei Jahrzehnte trugen sie Ausstellungstafeln im Haus der Geschichte in Bonn, rahmten Exponate, lenkten Blicke. Als das Museum sie nicht mehr brauchte, lag für viele die Antwort nahe: Entsorgung. Die Kölner Metalldesignerin Anna Sänger sah das anders. Sie erkannte in den ausgedienten Gitterrosten kein Material am Ende seines Lebens, vielmehr eines mit verbleibendem Potenzial. Metall rostet nicht weg, es wartet. Oft fehlt kein neues Material, entscheidend ist ein neuer Gedanke. Sänger hatte ihn. Und sie wusste von Anfang an, dass so ein Projekt nur funktioniert, wenn jeder Partner denselben Qualitätsanspruch trägt. Schüler, die mitbauen. Ein Programm, das internationalen Austausch ermöglicht. Ein Logistikpartner, der zuverlässig liefert. Und eine Beschichtung, die drei Jahrzehnte Nutzung unsichtbar macht – auf einem Werkstoff, der konstruktiv für Generationen gebaut ist.

Gemeinsam mit Schülern des Carl-Reuther-Berufskollegs Hennef entwickelte Anna Sänger 52 neue Möbelstücke: Hocker, Bänke, Loungechairs, Tische und Regale. Das „Erasmus+“-Programm schuf den Rahmen für internationalen Austausch und band die Jugendlichen in den Entstehungsprozess ein. Den Transport der fertigen Teile übernahm die Thomas Eisenhandel GmbH.

Aus Idee wird reales Projekt

Was dieses Projekt für die Schüler bedeutete, geht über eine Schulaufgabe hinaus. Sie erlebten, wie aus einer Entwurfsidee ein reales Objekt wird. Wie Handwerk und Planung ineinandergreifen. Wie ein Netzwerk aus Profis funktioniert, das ihnen auf Augenhöhe begegnet. Für junge Menschen, die eine Zukunft im Metallhandwerk erwägen, ist das etwas, das kein Unterricht leisten kann: die konkrete Erfahrung von Relevanz. „Für uns war das Projekt mehr als eine Beschichtungsaufgabe“, sagt Volker Hastler, Leiter der Zinq-Manufaktur in Gelsenkirchen. „Wir haben gesehen, was passiert, wenn junge Menschen früh Verantwortung übernehmen und ihre Arbeit in einem professionellen Umfeld wiederfinden. Diese Verbindung von Ausbildung und Praxis ist entscheidend dafür, wie wir morgen Fachkräfte gewinnen.“

Mitte April reisten die fertigen Möbel ins Zinq-Beschichtungswerk nach Veenoord in den Niederlanden. Und mit ihnen: Lehrer, Schüler und Designerin. Das Team um Werkleiter Martijn Levelink legte alle Bauteile in ihren Bearbeitungsstadien nebeneinander aus: Rohzustand, Strahlen, Grundierung, Pulverbeschichtung, frisch aus dem Ofen. Die Schüler sahen nicht nur, was aus ihrer Arbeit geworden war. Sie erlebten, was professionelle Oberflächenbehandlung bedeutet, welche Präzision nötig ist, welches Wissen dahintersteckt. Gitterstrukturen mit vielen Kanten und Übergängen verzeihen keine halbe Arbeit.

Eine junge Frau mit hellem Haar und braunem Ledermantel steht lächelnd in einer industriellen Fertigungshalle vor einem aufgehängten, leuchtend roten Metallgitter-Bauteil.
„Die Ausstellungsgitter hatten bereits ein langes Leben hinter sich und wurden nun Teil von etwas völlig Neuem. Das zeigt, welches Potenzial in einer zirkulären Nutzung von Metall steckt“, beschreibt Anna Sänger. (Quelle: ZINQ)

„Man kann sich kaum vorstellen, wie alt die Gitter wirklich sind“, sagt Anna Sänger. „Andere Materialien altern, mir kommt es so vor, als ob das Metall reift und nur darauf wartet, dass jemand versteht, was noch in ihm steckt. Das fasziniert mich an Metall. Während viele Werkstoffe mit der Zeit an Qualität verlieren, kann Stahl über Jahrzehnte, manchmal sogar über Generationen hinweg erhalten bleiben. Oft wird er eingeschmolzen und zu etwas Neuem verarbeitet. Noch spannender finde ich aber die direkte Wiederverwendung. Denn in jedem Bauteil stecken bereits Energie, Rohstoffe, Arbeit und Geschichte. Bei diesem Projekt mussten wir nicht bei null anfangen. Die Ausstellungsgitter hatten bereits ein langes Leben hinter sich und wurden nun Teil von etwas völlig Neuem. Das zeigt, welches Potenzial in einer zirkulären Nutzung von Metall steckt. Wir müssen nicht immer neue Materialien erzeugen, wenn hochwertige Werkstoffe bereits vorhanden sind.“

Möbel, die Geschichte tragen und weiter schreiben

Die fertigen Möbel kamen zurück nach Bonn. Zur Eröffnung des neuen Museumsgartens Anfang Juni waren sie dort erstmals öffentlich zu bestaunen. Die Farbe hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Zu knallig, zu laut, hieß es. Im Museumsgarten, umgeben von ruhigen Tönen, setzt das Reinrot (RAL3028) den Kontrast, den Sänger beabsichtigte. Ein Aufleuchten, ein Kunstgriff, der Aufmerksamkeit erzeugt, ohne sich aufzudrängen.

Re-Use bedeutet nicht weniger Anspruch, im Gegenteil. Wer altes Material neu denkt, muss jeden Schritt ernst nehmen, weil sich Fehler nicht durch Neuproduktion ausgleichen lassen. Zinq hat in diesem Projekt den gestalterischen Prozess mit seiner Beschichtungskompetenz maßgeblich unterstützt.

zuletzt editiert am 24. August 2026
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