Zur Weltleitmesse der Metallbearbeitung in Hannover trafen sich vom 16. bis 21. September rund 117.000 internationale Produktionsexperten aus 150 Ländern. Damit konnten die Veranstalter ein positives Fazit ziehen. Hier die Details. September rund 117.000 internationale Produktionsexperten aus 150 Ländern. Damit konnten die Veranstalter ein positives Fazit ziehen. Hier die Details.
„Mit diesem Ergebnis knüpft die EMO Hannover 2019 an das Boomjahr 2017 an. Angesichts der gedämpften Konjunkturerwartungen in den vergangenen Monaten ist der moderate Besucherrückgang als Erfolg zu werten. Uns freut ganz besonders, dass der Anteil ausländischer Besucher nochmals gestiegen ist“, sagt EMO-Generalkommissar Carl Martin Welcker. Die Stimmung in den Hallen war gut. Viele Aussteller berichten von einer überraschend hohen Besucherfrequenz auf ihren Ständen. „Die EMO Hannover hat sich einmal mehr als Fels in der Brandung erwiesen und gibt auch in unsicheren Zeiten Orientierung für die weitere Entwicklung in der Produktionstechnik“, urteilt Welcker. Hohe Internationalität und Qualität bei Besuchern und Ausstellern sowie eine ungeheure Dichte an Innovationen und Präsentationen von Produktneuheiten seien ihr Markenzeichen. Als Weltleitmesse der Metallbearbeitung ist die EMO Hannover „the place to be“.
Stimmungsbild heterogen
Aussteller mit einem breiten Abnehmerspektrum äußern sich zufrieden mit dem Verlauf der Messe. Dr. Wolfgang Heuring, CEO Motion Control der Firma Siemens, Erlangen, beispielsweise sagt: „Der Besucherzuspruch auf unserem Messestand in diesem Jahr war überwältigend. Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe.“ Andere Firmen mit einem höheren Anteil im Pkw-Geschäft beurteilen die Lage reservierter. „Wir haben durchaus gemerkt, dass die Firmen wegen der allgemeinen Unsicherheit zur künftigen Marktentwicklung momentan etwas zurückhaltender sind“, sagt Dr. Christian Lang, Geschäftsführer der Liebherr-Verzahntechnik in Kempten. Dennoch habe man mit den Kunden über konkrete Projekte gesprochen, die äußerst vielversprechend seien. Manch ein Aussteller erwartet den historisch größten Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie, den es zu bewältigen gilt. Andere konnten Verhandlungen mit den Fahrzeugherstellern auf der Messe zum Abschluss bringen.
Zu Beginn der EMO Hannover hatte die Nachricht von vielfach gestrichenen Reisekosten bei den Kunden aufgeschreckt. Es kamen jedoch mehr Führungskräfte zur Messe als vor zwei Jahren, fast 58 Prozent. Mehr als die Hälfte der Besucher hatte Investitionsabsichten. Bei den ausländischen Besuchern stieg dieser Anteil auf 62 Prozent. Ein Viertel davon hat direkt auf der Messe Aufträge vergeben oder beabsichtigt dies noch. Ein weiteres Fünftel will nach der Messe investieren. „Wir haben viele Gespräche über ganz konkrete Bedarfsfälle geführt. Viele Anwender überlegen bereits jetzt, worin sie investieren, um gut aufgestellt zu sein“, sagt Matthias Funk, CEO der Hedelius Vertriebsgesellschaft in Meppen.
Dabei geht es vor allem um Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen in flexible Fertigung, Produktionsmaschinen, Werkzeuge und Automatisierung. „Wir wollen uns in erster Linie informieren und dann im Nachgang zur EMO investieren“, sagt etwa Kiyokazu Sugiyama von Nissan Motor Co. Ltd. aus dem japanischen Yokohama, der sich drei Tage auf der Messe ausführlich umschaute. Und Gebhard Debor, Fertigungsleiter bei Linde Hydraulics in Aschaffenburg, ergänzt: „Sollte etwas dabei sein, was passt, könnten wir konkret verhandeln.“
Asiaten auf der EMO Hannover stark vertreten
Als Weltleitmesse zeichnet sich die EMO Hannover durch ihre hohe Internationalität aus. Mehr als die Hälfte der Besucher kam aus dem Ausland, davon wiederum jeweils die Hälfte aus Europa und aus Übersee. Besonders bemerkenswert ist der hohe Anstieg der Gäste aus Übersee um ein Fünftel im Vergleich zu 2017 und speziell der hohe Anteil asiatischer Gäste, die fast ein Drittel der ausländischen Besucher stellen. China, Japan, Taiwan und Indien führen die Liste an. „Die Internationalität der EMO-Besucher, vor allem auch aus dem asiatischen Raum, sorgten für eine geschäftige und internationale Atmosphäre bei uns am Stand“, bemerkt Dr. Stefan Brand, Geschäftsführer der Vollmer Werke in Biberach. Diese Entwicklung hängt nicht zuletzt auch mit der gestiegenen Anzahl asiatischer Aussteller zusammen, die ihre Kunden auf die Weltleitmesse nach Hannover mobilisieren konnten. Auch Italien, Polen, Schweden, Russland und die Türkei waren sehr gut vertreten.

Digitalisierung und Automatisierung nehmen Fahrt auf
„Die EMO setzt auch in diesem Jahr wieder klare Impulse für Innovationen“, ist sich Lothar Horn, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Paul Horn in Tübingen, sicher. Sie erfüllt damit erneut die Erwartungen, als die Innovationsplattform für Produktionstechnik die Trends für die kommenden Jahre zu bestimmen. Das EMO-Motto „Smart technologies driving tomorrow’s production!“ hat die Fokusthemen der Industrie bereits im Vorfeld aufgenommen. „Die vielen Kundengespräche auf der EMO Hannover 2019 zeigten, dass die Orientierung an der ganzheitlichen Prozesskette inklusive digitaler Services den relevanten Mehrwert für die Kunden schafft“, sagt etwa Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender der DMG Mori, Bielefeld. Diese Einschätzung zieht sich quer durch alle Ausstellerbereiche. „Auffallend war die positive Besucherresonanz auf unsere cloudbasierten Simulationstools und das Monitoring System als Industrie 4.0-Anwendung“, hat Marie-Sophie Maier-Wember, Geschäftsführerin bei der Haas Schleifmaschinen in Trossingen, beobachtet. Überhaupt waren die Schlagworte IoT-Plattformen, Apps, digitaler Zwilling, Künstliche Intelligenz (KI), Edge- und Cloudcomputing allgegenwärtig.
Dies zeigt deutlich, wie viel seit der letzten Messe vor zwei Jahren passiert ist. Speziell in Halle 9 trafen Forschung und Praxis aufeinander. Die Mischung aus Wissenschaft und Industrie zog zahlreiche Besucher aus aller Welt an. „Wir haben viele neue Kontakte geknüpft und in sehr vielen Gesprächen Ideen gesammelt, die sich hoffentlich in Forschungsprojekte umsetzen lassen“, blickt Prof. Berend Denkena, Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) und Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) Hannover auf die vergangenen sechs Tage zurück. „Eines ist auf jeden Fall klar geworden: Digitalisierung und Automatisierung zeigen uns den Weg in die Zukunft, das zeichnet sich hier auf der EMO Hannover ab.“
Auch erste KI-Anwendungen waren auf der Weltleitmesse zu finden, in der Start-up-Area ebenso wie bei Vorreiterunternehmen. Nicht nur das Interesse an KI beziehungsweise maschinellem Lernen war groß. Dass die Besucher der Weltleitmesse Visionen für die Zukunft suchen, zeigte sich auch in den Rahmenveranstaltungen und Foren. Die Themen neben KI: additive Verfahren, Industrielles Internet der Dinge (IIoT), 5G und nicht zuletzt OPC UA beziehungsweise „umati“, die neue Standardschnittstelle zwischen Werkzeugmaschinen und übergeordneten IT-Systemen. Allen voran der große „umati“-Showcase, der mit 110 Maschinen von siebzig internationalen Firmen und Partnern erstmals bewiesen hat, dass die universelle Schnittstelle für die Kommunikation der Maschine mit IT-Systemen über alle Produkte hinweg funktioniert. Dr. Alexander Broos, Leiter des „umati“-Projekts, resümiert: „Die Resonanz auf ‚umati‘ bei unseren Partnern und bei den Kunden ist bombastisch. Mit dem EMO-Auftritt ist die Markteinführung gelungen. Wir nehmen den Auftrag mit nach Hause, die OPC UA Companion Specification, die als nächstes kommen muss, schnellstmöglich zu liefern.“
EMO Hannover 2019 öffnet Fenster zur Zukunft
„Entgegen aller Erwartungen beschließen wir die EMO Hannover 2019 mit einem positiven Fazit. Sie ist attraktiv für die gesamte internationale Community der Produktionstechnik und hat signalisiert, dass nach wie vor Investitionsbedarf im Markt besteht. Ungeachtet aller politischen Verwerfungen zeigt die Messe, dass die Industrie aktiv an den kommenden Herausforderungen arbeitet und ihren Beitrag als Problemlöser leisten will“, urteilt EMO-Generalkommissar Carl Martin Welcker abschließend.
Die nächste EMO findet in Mailand vom 4. bis 9. Oktober 2021 statt.
Ausstellerstimmen
Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender der DMG Mori, Bielefeld, Deutschland:
„Die vielen Kundengespräche auf der EMO 2019 in Hannover zeigten, dass die Orientierung an der ganzheitlichen Prozesskette inklusive digitaler Services den relevanten Mehrwert für Kunden schafft. Genau diese Ausrichtung verstärkt DMG Mori mit 29 Automationslösungen sowie dreißig digitalen Innovationen. Dabei bietet DMG Mori mit der Vernetzung aller Anlagen durch Connectivity eine Grundvoraussetzung. Ich freue mich über den Erfolg des offenen Standards „umati“, denn das ermöglicht unseren Kunden eine noch einfachere Vernetzung.“
Gerhard Glanz, CEO, Röhm, Sontheim, Deutschland:
„Für uns als weltweit agierenden Hersteller von Lösungen zum hochpräzisen Spannen und Greifen ist keine Messe in unserer Branche so international wie die EMO Hannover. Hier treffen wir an einem Ort unsere Bestandskunden und knüpfen neue Kontakte. Und mehr noch, die EMO verbindet beides: Wir bahnen Geschäfte an und tauschen uns zu den aktuellen Trends in der spanenden Bearbeitung aus.“
Elke Aurand, General Manager, Dormer Pramet Germany, Pramet Tools, Sumperk, Tschechische Republik:
„Die EMO 2019 in Hannover war für uns die ideale Bühne, um unser Know-how und unsere Produktpalette in der ganzen Bandbreite ihrer Anwendungsmöglichkeiten zu präsentieren, dazu zählen beispielsweise Railway, Schwerzerspanung und allgemeiner Maschinenbau. In diesem Jahr lag unser Fokus vor allem darauf, unser Wissen mit bestehenden und auch neuen Kunden zu teilen und mit ihnen über ihre Anwendungsszenarien und Herausforderungen zu sprechen. Die EMO 2019 bot uns somit beste Gelegenheit, viele Menschen aus der ganzen Welt zu erreichen und zu zeigen, dass wir an ihrer Seite sind.“
Günter Hofmann, Mitglied der Geschäftsleitung, Jongen Werkzeugtechnik, Willich, Deutschland:
„Die EMO 2019 in Hannover bot uns die Möglichkeit, Kunden und Interessenten nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt zu treffen. Die Qualität der Besucher war wie in der Vergangenheit sehr gut. Man trifft hier Fachpublikum, das weiß, wovon es redet. Trotz der tendenziell etwas gedrückten Stimmung am Markt war die Stimmung auf der EMO 2019 gut, sowohl bei anderen Ausstellern als auch bei den Besuchern. Wie stellten hier vier neue Produkte vor, weil die EMO 2019 mit ihrem umfassenden Programm und den vielen internationalen Besuchern die perfekte Plattform bot, Innovationen zu zeigen.“