Betriebskosten: Trotz staatlicher Unterstützung wachsen den Unternehmen die Energiekosten über den Kopf und haben die Belastungsgrenze oft schon überschritten. Darum heißt das Gebot der Stunde: Energie sparen. Bei genauer Betrachtung findet man dafür mehr Stellschrauben, als man zunächst denkt.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Energie zu sparen oder effizienter zu nutzen. Einen Überblick, was in Ihrem Betrieb möglich und sinnvoll ist, kann ein Energieberater verschaffen. Die Kosten dafür holt man über die Energie-Einsparung schnell wieder herein. Außerdem können kleine und mittlere Betriebe einen Zuschuss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erhalten. Anspruchsberechtigt sind Unternehmen in Deutschland mit maximal 249 Mitarbeitern und die
- einen Jahresumsatz von nicht mehr als 50 Millionen Euro oder
- eine Jahresbilanzsumme von nicht mehr als 43 Millionen Euro erreichen.
Übernommen werden achtzig Prozent der förderfähigen Beratungskosten, aber maximal
- 1.200 EUR bei Unternehmen mit höchstens 10.000 Euro Energiekosten und
- 6.000 Euro bei Unternehmen mit höheren Energiekosten.
Wo ist das größte Sparpotenzial?
Natürlich sollte man alle Möglichkeiten nutzen, um Energie einzusparen. Doch die Bereiche, in denen das größte Sparpotenzial zu erwarten ist, stehen dabei selbstverständlich im Vordergrund. Doch wo kann man das meiste einsparen? Die Deutsche Energie-Agentur hat sich dieser Frage gestellt und ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen:
| Maßnahmen im Bereich | Mögliche Einsparung bis zu |
|---|---|
| Beleuchtung |
70 Prozent |
| Druckluft |
50 Prozent |
| Wärmeversorgung |
30 Prozent |
| Kälte und Kühlung |
30 Prozent |
| Pumpen und Motoren |
30 Prozent |
| Lüftungsanlagen |
25 Prozent |
So geht Ihnen ein Licht auf
Für die Beleuchtung in Betrieben gilt offiziell die DIN EN 12464-1. Allerdings ist diese Norm bereits 20 Jahre alt und deshalb nicht auf aktuellem Stand. Bei der Erstellung der DIN spielte zudem die Energie-Effizienz so gut wie keine Rolle. Das Sparpotenzial in diesem Bereich wird allgemein unterschätzt. So ist man sich häufig nicht bewusst, dass Leuchtstoffröhren heute nicht mehr zu den energiesparenden Leuchtmitteln gezählt werden können.
Empfehlenswert ist in jedem Fall so weit wie möglich LED-Beleuchtung einzusetzen. Für die gleiche Lichtleistung spart eine LED-Röhre rund die Hälfte der Energie gegenüber einer herkömmlichen Röhre. Sie halten auch durchschnittlich 50.000 Stunden, während herkömmliche Leuchtstoffröhren maximal 30.000 Stunden eingesetzt werden können. Außerdem liefern die LEDs sofort die maximale Helligkeit und das Licht wird zielgerichtet abgegeben, sodass keine Helligkeit vergeudet wird. Die LED-Röhren flackern auch nicht und sind quecksilberfrei. Sie können über einen Wertstoffhof entsorgt werden.
Neben dem Wechsel der Leuchtmittel geht es bei Einsparungen in diesem Bereich aber auch darum, dass Licht wirklich nur brennt, wenn es notwendig ist. Außenbeleuchtung kann beispielsweise mit Reglern ausgestattet werden, die das Licht anschaltet, wenn die Dämmerung einsetzt und ausschaltet, wenn morgens eine bestimmte Helligkeit erreicht wird. Außerdem sollten die Mitarbeiter dazu angehalten werden, bei Verlassen des Arbeitsplatzes das Licht zu löschen. In Fluren, Treppenhäusern und Toiletten können Zeitschalter dafür sorgen, dass kein unnötiges Licht verbraucht wird.
Keine Energie verheizen
Wenn über die Energie-Einsparung gesprochen wird, stehen Heizkosten meist im Vordergrund. Doch eine optimale Heizbilanz kann in vielen Fällen nur durch eine komplette Überarbeitung und dem Austausch von Komponenten der Heizanlage erreicht werden, was mit beträchtlichen Kosten verbunden ist.
In jedem Fall ist ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage empfehlenswert. Die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen (EnSimiMaV)“ schreibt den Abgleich bei Betrieben mit mehr als 1.000 Quadratmeter beheizter Grundfläche vor. Er muss dann bis zum 30. September 2023 durchgeführt werden. Der Abgleich lohnt sich aber auch bei kleineren Betrieben und sollte so früh wie möglich durchgeführt werden.
Beim hydraulischen Abgleich wird – vereinfacht dargestellt – der Heizwasserdurchlauf so optimiert, dass alle Heizkörper die gleiche Leistung aufweisen. Fachleute gehen davon aus, dass allein durch den Abgleich eine Energieersparnis von bis zu 15 Prozent erreicht werden kann. Häufig ergibt sich aus den Ergebnissen des Abgleichs auch, dass die Vorlauftemperatur gesenkt werden kann, was zu zusätzlichen Einsparungen führt. Auch ohne hydraulischen Abgleich sollte man aber die Vorlauftemperatur von einem Fachmann einstellen lassen.
Während im Betrieb die Maschinen meist regelmäßig geprüft und gewartet werden, wird die Heizanlage oft sträflich vernachlässigt, was durch einen hohen Energieverbrauch bestraft wird. Die Anlage sollte jährlich kontrolliert und gewartet werden. Zur Wartung gehört auch die komplette Reinigung. Die Dämmung offener Heizungsrohre ist zwar schon seit 2013 Pflicht – aber es finden sich immer noch Betriebe, in denen Rohrleitungen nicht vollständig oder optimal gedämmt sind. Das führt zu unnötigem Heizkraftverlust und kostet damit viel Geld.
Eiskalt sparen
Kühlsysteme und Klimaanlagen können in den meisten Fällen optimiert werden. Dabei sollte man einen Experten zurate ziehen. Gerade in diesem Bereich kann es zu finanziell sehr anspruchsvollen Ergebnissen kommen, die zunächst auf ihre Amortisierung-Zeit geprüft werden müssen.
Ein interessanter Aspekt in diesem Bereich ist die Absorptionstechnik, die einfach umsetzbar und doch sehr effektiv ist. Dabei wird im Betrieb anfallende – kostenlose – Wärme für den Antrieb der Kältetechnik eingesetzt. Vor allem im Rahmen der Kraft-Wärme-Kopplung und bei Blockheizkraftwerken hat man damit gute Ergebnisse erzielt. Auch da sollte man sich von Fachleuten beraten lassen.
Antrieb(e) zum Sparen
Veraltete, elektronische Antriebe sind wahre Stromfresser. Mit neuen Elektromotoren und Pumpen kann man bis zu 40 Prozent an Energie einsparen. In den meisten Betrieben werden veraltete Systeme eingesetzt, die oft auch viel zu groß dimensioniert sind. Sie werden mit ungeregelten Drehzahlen betrieben, was unnötigen Strom kostet. Die richtige Geschwindigkeit wird dann per Übersetzung herbeigeführt.
Moderne Elektromotoren arbeiten bei geringerem Stromverbrauch mit der optimalen Geschwindigkeit. Sie lassen sich elektronisch regeln. Auf ein Getriebe kann deshalb verzichtet werden. Bei Volllast kann man mit einem neuen Motor rund 30 Prozent Energie sparen. Wird der Motor mit der halben Drehzahl betrieben, spart man etwas über 40 Prozent und im Leerlauf beläuft sich die Ersparnis auf rund 80 Prozent.
Andererseits ist eine Umrüstung oft mit hohen Kosten verbunden. Ob sich eine Umrüstung oder Neuanschaffung rechnet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor jeder Anschaffung sollte deshalb den Investitionskosten die zu erwartende Energieersparnis gegenübergestellt und so die Amortisierung ermittelt werden. In diesem Zusammenhang sollte man aber auch darüber nachdenken, ob es keine technischen Alternativen gibt, mit denen man die Energiekosten bei geringeren Investitionen senken kann.
Die Entwicklung neuer leistungsfähiger Motoren mit geringem Energieverbrauch hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Dabei hat auch das allgemeine gesellschaftliche Umdenken bezüglich der Elektromobilität eine wesentliche Rolle gespielt. Auch da wird man für eine optimale Lösung um einen externen Fachmann als Berater nicht herumkommen. Eine wichtige Orientierungshilfe ist die Energieeffizienz-Kennzeichnung.
Die Energieeffizienz stellt das Verhältnis zwischen der mechanischen Ausgangsleistung und der elektrischen Eingangsleistung dar. Die Energieeffizienz wird in Klassen eingeteilt:
| Energieeffizienzklasse | Hinweise |
|---|---|
| IE1 |
Niedrigste Effizienzklasse, die aber in Europa kaum noch eine Rolle spielt, da bereits seit Juni 2011 auf dem europäischen Binnenmarkt Motoren mit dieser Effizienzklasse nicht mehr vertrieben werden dürfen. |
| IE2 |
Diese Effizienzklasse war bis 2015 Marktstandard. Da die Anforderungen weiter gesteigert wurden, sind viele Motoren aus dieser Klassifizierung gefallen und müssen nun die Anforderungen IE3 erfüllen. |
| IE3 |
IE3 ist inzwischen der Standard auf dem Markt und in den Anwendungen. Als Alternative können aber auch IE2-Motoren mit Frequenzumrichter eingesetzt werden. |
| IE4 |
IE4 Motoren stellen die zukunftsorientierte, derzeit modernste Lösung dar. Für diese äußerst effektiven Motoren gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen, die die Verwendung vorschreiben. |
| IE5 |
IE5 ist eine Klasse, die für die Zukunft eingerichtet wurde. Derzeit gibt es nur sehr wenige Motoren, die diesen Standard erreichen. |
Damit der Energie nicht die Luft ausgeht
Auch in den meisten Lüftungsanlagen wird unnötig Energie verbraucht. Fachleute gehen davon aus, dass man in diesem Sektor zwischen 20 und 25 Prozent Energie einsparen kann. Häufig sind die Anlagen jedoch in die Jahre gekommen und wurden oder werden nicht ausreichend gewartet.
Eine effektiv eingerichtete Lüftungsanlage spart nicht nur Energie – meist können auch eine ganze Reihe von Kritikpunkten beseitigt werden. Wie hoch die Einsparung ist, hängt vom Alter der Lüftungsanlage und der Bauart des Rohrverteilernetzes ab. Auch Zusatzleistungen wie Heizen oder Klimatisierung spielen eine wichtige Rolle.
Die Überarbeitung einer Lüftungsanlage gehört in die Hände eines Fachmanns. Bei einer ersten Prüfung, die Sie selbst durchführen können, sollten Sie die folgenden Punkte besonders beachten:
- Sind regelbare Lüfter oder Sensoren vorhanden und so eingestellt, dass die Lüftung bedarfsgerecht erfolgt?
- Ist die Strömungsgeschwindigkeit optimal eingestellt oder kann sie verringert werden, um Druckunterschiede zu vermeiden?
- Kann die Anlage insgesamt so gestaltet werden, dass weniger Komponenten notwendig sind, was den Wartungsaufwand reduziert. Ist die Nutzung der Räume seit Einbau der Anlage verändert worden?
- Sind die Filter in einwandfreiem Zustand, werden diese regelmäßig gereinigt?
- Gibt es angeschlossene Einrichtungen, auf die verzichtet werden kann (zum Beispiel Tropfenabscheider, Kühler etc.)?
