Fassade: Die Kunst an sich ist nicht nur ein Freiraum, sie braucht auch freie Räume; am besten welche, die ihrem jeweiligen Charakter gerecht werden. Wie das im Gaswerk in Augsburg möglich wird, beschreibt der Artikel.
Während Maler das Tageslicht lieben, schließen Studiofotografen es meist aus – und Musikerinnen und Musiker bevorzugen akustisch gutmütige Räumlichkeiten, denn ihr Tun ist nun mal mit der Emission von Schall verbunden. Möchte man die Kultur, und vor allem deren eigene, dynamische Entwicklung fördern, ist es also wichtig, dauerhaft Räume vorzuhalten, welche von Kulturschaffenden möglichst unkompliziert und niederschwellig genutzt werden können.
Zahlreiche Musiker im Raum Augsburg haben nun eine solche Heimat gefunden, nachdem sie vorübergehend im Kulturpark West untergekommen waren. Die Stadt übergab auf dem Gelände des alten Gaswerkes, das etwa 1915 errichtet wurde und nun als Industriedenkmal hauptsächlich kulturell genutzt wird, die sogenannte Musikbox, ein Gebäude mit 52 Band- und Übungsräumen, an die Musikakademie Augsburg, und damit an zahlreiche musikalische Akteure. Der Neubau schließt eine in der Vergangenheit entstandene Lücke der Blockrandbebauung und vervollständigt so den Innenhof der historischen Anlage.
Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Schallschutz
Das fünfgeschossige Gebäude für Proben und Veranstaltungen wurde von Zimmererarchitekten aus München als Holzbau der Gebäudeklasse 4 errichtet. Um die aus Betonfertigteilen bestehenden Treppenhauskerne herum wurde es mittels tragenden Brettsperrholzwänden, CLT-Decken (cross laminated timber = Brettsperrholz) und gedämmten Holzrahmenbauelementen als Außenwände konstruiert und gebaut. Insbesondere die Decken wurden den erhöhten Schallschutzanforderungen entsprechend dimensioniert. Den Brandschutz an der Fassade übernehmen fünf Zentimeter breite, horizontal über die Hüllfläche geführte Stahlblechstreifen. Die Grundrisse der einzelnen Etagen folgen dem Anspruch an die Wirtschaftlichkeit der Bauweise und dem gewählten Raster; die Erschließung wird durch innenliegende Flure gewährleistet. Daraus ergibt sich außerdem die Möglichkeit, die Abfolge der Fensterflächen auf der Fassade gleichförmig zu gestalten.
Der hohe Vorfertigungsgrad erlaubte eine kurze Bauzeit von lediglich neun Monaten und garantierte eine fristgerechte, schlüsselfertige Übergabe. Damit stehen den bayerisch-schwäbischen Musikerinnen und Musikern nun etwa 1.800 Quadratmeter zur Entfaltung ihrer Kreativität zur Verfügung.

Den Großteil der Fassadenflächen bilden dreifach dunkel lasierte Nut und Federbretter aus Fichtenholz, welche an die einst hier verfeuerte Kohle erinnern sollen. Von diesem anthrazitfarbenen Hintergrund heben sich zwei Elemente deutlich ab. Zum einen der Eingang, der durch einen hell gestalteten Rücksprung gebildet wird, und zum anderen die goldfarben schimmernde Loggia, welche seitlich wie oben trichterförmig begrenzt wird und an den Schalltrichter eines Lautsprechers erinnert. Sie dient als Raum für Begegnungen bei Veranstaltungen, lässt sich aber ebenso gut auch als Bühne für Auftritte nutzen. Ihre Wände und Decken wurden mit der dreischichtigen Aluminiumverbundplatte Alucobond in der Farbe Colorado Goldmetallic von 3A Composites/Singen bekleidet und ziehen die Aufmerksamkeit zwangsläufig in Richtung der prominenten Nutzfläche. Die Wirkung des Farb- wie des Materialkontrastes zur übrigen Fassade wird dadurch verstärkt, dass die metallischen Flächen vollkommen planeben ausgeführt werden konnten. Das war aufgrund des dreischichtigen Aufbau des Materials möglich, welcher neben der hohen Biegesteifigkeit eine äußerst präzise Bearbeitung zulässt.