Lesersaal
Universität Wuppertal: Der neue Lesesaal wurde auf das Bestandsgebäude aufgestockt. Foto: Hans-Jürgen Landes

Gebäudehülle 2014-01-15T00:00:00Z Fassade: Krone für die Wuppertaler Universität

Inmitten der Universitätsarchitektur der 1970er Jahre bereichert ein zylindrischer Gebäudekörper den Standort der Universität Wuppertal um einen modernen Lesesaal. Nach Plänen des Dortmunder Architekturbüros Schamp & Schmalöer ist ein Erweiterungsbau entstanden, der rund 200 zusätzliche Lese- und Arbeitsplätze für Studierende schafft.

Besonders auffällig ist die Struktur der Fassade. Im unteren Bereich bietet die umlaufende Verglasung einen Weitblick auf Wuppertal und den Campus. Fortgesetzt wird sie im oberen Bereich mit Falzschindeln aus vorbewittertem Titanzink, die schuppenartig verlegt die typischen Schieferfassaden des Bergischen Lands gestalterisch aufgreifen.

Da der neue Lesesaal auf das bestehende Bibliotheksgebäude aufgesetzt werden sollte, musste die Statik besonders beachtet werden. Die Aufstockung darf die vorhandenen Fundamente nicht überlasten. Für diese bautechnisch anspruchsvolle Aufgabe entschieden sich die Architekten für eine Stahlbauweise, die größtmögliche Stabilität bei minimalem Gewicht bietet. Der im Durchmesser rund 26 Meter große Rundbau wurde auf eine lastverteilende Stahlträgerebene gebaut, die die Vertikallast aufnimmt und auf das darunterliegende Bestandsstützenraster von sieben mal sieben Metern verteilt. Eine weitere Herausforderung stellte die Umsetzung der Gebäudeerweiterung dar – das Projekt musste im laufenden Betrieb realisiert werden.

Aufgestockt auf das bestehende Bibliotheksgebäude, eine Architektur der 1970er Jahre, präsentiert sich die Rotunde als eigenständige starke Gebäudeform. Der Zylinder steht hierbei als Sinnbild für ein System der Ordnung – er entwickelt sich als dritte Dimension aus dem Kreis.

Neben der zylindrischen Grundform fällt bei dem Erweiterungsbau vor allem die Struktur der Fassade ins Auge. Der Rundbau teilt sich hier in zwei Abschnitte: Der untere Teil des Gebäudes eröffnet mit einer umlaufenden Verglasung den Blick auf Wuppertal und den Campus. Der senkrecht verlaufende Sonnenschutz mit Aluminiumlamellen dient hier als gestalterisch stark prägendes Element. Der obere Fassadenbereich wurde mit Schindeln aus Titanzink in der Oberflächenqualität „Pigmento blau“ von VM ZINC gestaltet. Dieser Farbton wurde gewählt, um ein harmonisches Gesamtbild mit dem Gebäudebestand zu erzeugen. Denn die angrenzenden Sichtbetonbauten werden sukzessive saniert und erhalten dadurch einen hellen Grauton. Das Material wurde von Boehme Systems zu Classic-Schindeln in den Maßen 700 mal 400 Millimeter verarbeitet und mit einem umlaufenen Falz ausgestattet. Die schuppenartige Anordnung der Schindeln lehnt sich an die typischen Schieferfassaden des Bergischen Lands an und nimmt diese in moderner Form auf. Durch die spezielle Biegetechnik erhält diese ein u-förmiges Profil und erhöht so die Stabilität gegen abhebende Kräfte. Selbst bei hohem Winddruck verhindert die vollständig geschlossene Fläche auf diese Weise einen Wassereintrag. Der Aufbau der vorgehängten hinterlüfteten Fassade besteht zudem aus zwei Lagen vertikal verlegten, vorgerundeten Trapezblechen, zwischen denen eine 160 Millimeter dicke Mineralwolle-Dämmung angebracht wurde. Zur thermischen Entkopplung sind Aluminium-Kantbleche eingesetzt.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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