Eine ruhige Hafenansicht mit einem Schiff im Vordergrund und modernen Gebäuden im Hintergrund.
Das Projekt Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel von Staab-Architekten hat einen der fünf Preise gewonnen. (Quelle: Marcus Ebener)

Deutscher Fassadenpreis 2024-11-15T15:35:38.341Z Fünf ausgezeichnete Projekte

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Fassadenpreises 2024 für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) stehen fest: Staab-Architekten gewannen in der Kategorie „Das besondere Detail“, TRU-Architekten setzten sich in der Kategorie „Modulares Bauen“ durch. In der Kategorie „Bauen im Bestand“ gab es zwei Gewinner: Knoche-Architekten mit Michael-Schmid-Architekten sowie Soll-Sasse-Architekten. Als herausragend in der Kategorie „Junge Architekten“ wurden Pasztori-Simons-Architekten gekürt. Die Preisverleihung fand Ende Oktober im „Next Facade and Design Studio by Wicona + Partners“ in Frankfurt a.M. statt. Der auslobende Fachverband für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) vergab die renommierten Auszeichnungen bereits zum 15. Mal.

Der diesjährige Deutsche Fassadenpreis für VHF ehrte Projekte, die technisch überzeugen und mit kreativen Ansätzen neue Maßstäbe setzen und die gebaute Umwelt nachhaltig prägen wollen. Im Mittelpunkt standen dabei vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF), die in allen prämierten Projekten eindrucksvoll zur Geltung kommen und die architektonische Wirkung sowie die Nachhaltigkeit der Gebäude unterstützen.

Preisträger in der Kategorie „Das besondere Detail“

Die Fassade des Erweiterungsbaus des Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel entwickelt ihre Spannung aus dem Gegensatz des durchgehenden, monolithisch wirkenden Sockelgeschosses und den aufgehenden Kuben der Türme. Die Glas-Alufassade der Kuben reflektieren die Farben des Himmels und lassen sie so optisch zurücktreten. Die Materialauswahl in der Bewitterungsebene berücksichtigt die hohen Anforderungen in Meeresnähe. Prallscheiben vor der Außenverschattung, eloxierte Blechbekleidungen in den Obergeschoßen, im Sockel vorkorodierte Stahlbleche. Die Jury wertete den Beitrag von Staab-Architekten insgesamt als eine beispielhafte Anwendung von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden.

Preisträger der Kategorie „Bauen im Bestand“

Beim Umbau der ehemaligen Hauptpost in Augsburg spielten Knoche-Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Michael-Schmid-Architekten mit Kontrasten: Dem bestehenden steinernen Baukörper wird ein leichter metallischer Dachaufbau entgegengesetzt, welcher sich geometrisch auf Höhe der ehemaligen Traufe klar vom Bestand absetzt und in seiner Charakteristik deutlich die Trennung zwischen Alt und Neu markiert. Im Kontext des Bauens im Bestand, so die Jury, setze der innovative Einsatz des Materials in Verbindung mit seiner Wiederverwertbarkeit und damit Wandelbarkeit einen starken Standpunkt für eine zukunftsweisende und nachhaltige Architektur.

Soll-Sasse-Architekten entschieden sich bei der Sanierung der Stadthalle Göttingen, die bestehenden Keramikkacheln der Fassadenbekleidung wiederzuverwenden und durch Kacheln in zwei neuen Farben sowie neuer Relief-Geometrie zu ergänzen. Die Jury überzeugte der souveräne und gleichzeitig sensible Umgang mit dem Thema Wiederverwertung von Baumaterialien. Dabei wurde die Fassadenkonstruktion in eine klassische hinterlüftete Fassade umgestaltet. Das Projekt zeige in vorbildlicher Weise, wie bei Projekten der Nachkriegsmoderne die Identität des Gebäudes erhalten und gleichzeitig neu zum Strahlen gebracht werden könne, so die Jury.

Preisträger in der Kategorie „Modulares Bauen“

Beim Neubau des Gefahrenabwehrzentrums Gießen durch TRU-Architekten stellte die Jury die Eleganz und schlüssige Situierung der Fassade als besonders gelungen heraus. Die einfache Methode, das Faltblech zu drehen, sorgt für Spannung und ein interessantes Lichtspiel. Die horizontale Schichtung offenbart die Nutzungen nach außen durch die unterschiedlichen Raumhöhen und die Höhe der Bänder. Das Projekt sei durch seine Schlichtheit und Ästhetik ein Gewinn für die Stadt Gießen und ein hervorragendes Beispiel für den erfolgreichen Umgang mit Baukultur, würdigte die Jury das Projekt.

Preisträger in der Kategorie „Junge Architekten“

Beim Neubau des Studio D in Berlin entschieden sich Pasztori-Simons-Architekten für eine Stahlrahmenkonstruktion, die den darunterliegenden S-Bahntunnel wie eine Brücke überspannt. Die Gebäudehülle ist mit einem feinen Schindelwerk aus sechs Zentimeter breiten Schuppen versehen. Statt aber die Vorderseite der Schindeln zu nutzen wurde die Rückseite nach vorne gedreht und mit einem transparenten, eigens für das Projekt entwickelten UV-Schutz behandelt. Die Jury überzeugte die Herangehensweise, einen einfachen Baukörper in ein Stück Architektur zu überführen. Statt der Verwendung teurer Materialien wurde eine herkömmliche Fassadenverkleidung durch Kreativität in ein besonderes Detail verwandelt, so die Jury.

Die fünf preisgekrönten Projekte illustrieren ebenso wie die Vielzahl der hochkarätigen Einreichungen die Gestaltungskraft der VHF und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Das Preisgeld von 10.000 Euro wird auf die fünf siegreichen Architekturbüros aufgeteilt.

zuletzt editiert am 27. November 2024
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