1407_Fassadensanierung
Übergang vom ersten Obergeschoss zur Modernisierungsfassade: Durch das gleiche Raster und identische Profilansichten entsteht eine harmonische Optik. Foto: Schüco

Gebäudehülle 2014-07-02T00:00:00Z Fassadensanierung: Bestandsgebäude im Hightech-Gewand

Ein kombiniertes Büro- und Geschäftshaus, erbaut vor rund 120 Jahren und zwischenzeitlich mehrfach saniert, liefert ein Beispiel für die ästhetischen und montagetechnischen Vorteile einer Modernisierungsfassade. Kreative Fassadengestaltung, präzise Projektplanung sowie die Fertigung und Montage durch ein versiertes Metallbauunternehmen ermöglichten eine schonende Umrüstung auf nachhaltige Energiestandards.

Das Gebäude blickt auf eine wechselhafte Historie zurück, die seit der Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts durch fast vollständige Zerstörung (1944) sowie mehrere Umbauten, Einbauten und Aufstockungen geprägt ist. In seinem Zustand vor der jüngsten Fassadensanierung wurde das siebengeschossige Eckhaus als Bürogebäude mit Geschäftsnutzung im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss genutzt - ein Konzept, das auch für die Zukunft vorgesehen war.
Das Objekt sollte durch Sanierungsmaßnahmen den aktuellen und zeitgemäßen Standards in Bezug auf Energieeinsparung/Wärmeschutz und Gestaltung angepasst werden.

Das beauftragte Architekturbüro Hertrampf+Brokate Planungsgesellschaft stand vor der schwierigen Aufgabe, die Fassadensanierung so zu planen, dass der laufende Gebäudebetrieb nur in geringstmöglichem Maße beeinträchtigt werden sollte. Durch die Umbau- und Sanierungsarbeiten sollten weder Veränderungen in Bezug auf die Arbeitsplätze noch deren Nutzung bewirkt werden. Sanierungsmaßnahmen konzentrierten sich daher vor allem auf die Fassade mit dem Ziel, die Lichtöffnungen auszutauschen und eine deutliche Verbesserung der Wärmedämm-Qualitäten zu erreichen.

Das Konzept der Architekten sah vor, den energetischen und gestalterischen Umbau auf die gesamte straßenseitige Fassade einschließlich des angrenzenden Treppenhauses und des Eingangsbereichs zu konzentrieren. Für die hofseitige Fassade wurde eine energetische, nicht jedoch eine gestalterische Optimierung vorgesehen.

Das komplexe Anforderungsprofil dieser Fassadensanierung „im laufenden Betrieb“ war nur in Verbindung mit einer speziellen Systemkonstruktion denkbar, die derartige bauliche und organisatorische Rahmenbedingungen konzeptionell berücksichtigt. Schüco hatte vor knapp zwei Jahren eine erste „Modernisierungsfassade“ vorgestellt, die eine Fassadensanierung „step-by-step“ und mit zumutbaren Beeinträchtigungen beim Gebäudebetrieb möglich macht. Das System Schüco ERC 50 weist eine Reihe von Vorteilen auf, die in Hannover praktisch unter Beweis gestellt werden konnten.

Ein ganz wesentlicher Faktor für die „geräuscharme“ Fassadensanierung ist neben der Systemtechnik der für die Planung, Vorfertigung und Montage verantwortliche Metallbauer. Die Fassadenspezialisten von Metallbau Burckhardt wurden daher von den Architekten und den Bauherren bereits bei Auftragsvergabe in die Planungen eingebunden. Der Metallbauer konnte durch Vorkonfektionierung der Bauteile - Unterkonstruktion und Fensterelemente - in der Werkstatt gewährleisten, dass ein zügiger geschossweiser Austausch der Elemente möglich wurde.

Zunächst wurden die Unterkonstruktion für die Schüco ERC 50 Fassade und die Steinfassade sowie die senkrechten Lisenen gefertigt und montiert. Im Anschluss erfolgte die Fertigung der neuen Fensterelemente, die auf der hochwertigen Technik und schlanken Profiloptik des Systems AWS 75.SI basieren. Fertigung und Einbau der neuen Fensterelemente erfolgten geschossweise, und erst nach deren Montage wurden die alten Fensterelemente ausgebaut. In einem letzten Schritt erfolgte die Montage der Steinfassade und das Setzen der neuen, breiteren Fensterbänke. Alle genannten Schritte konnten im laufenden Bürobetrieb durchgeführt werden, wobei man Bohr- und Dübelarbeiten aus Gründen des Lärmschutzes außerhalb der Geschäftszeiten beziehungsweise zu strikt festgelegten Pausenzeiten vornahm. Der Schmutz und Staubanfall im Zuge der Sanierungsarbeiten war insgesamt so gering, dass kaum Staubwände gestellt werden mussten.

An den tragenden Bauteilen wurden keine Änderungen ausgeführt. Aus diesem Grund musste auch keine statische Berechnung aufgestellt werden. Die Grundrisse behielt man ebenfalls bei, das heißt, es wurden keinerlei Arbeiten am grundlegenden Gefüge des Bauwerks ausgeführt. Mit der vorteilhaften Konsequenz, dass aufgrund unveränderter Brandabschnitte und identischer Rettungswegsituation im Gebäude auch kein gesondertes Brandschutzkonzept erforderlich war, wie es sonst bei Gebäudesanierungen in aller Regel notwendig wird. Die neue Fassade kann sich mit einem hervorragenden Ucw-Wert von 1,4 W/m²K durchaus mit energieeffizient geplanten Neubauten messen, ohne dass sich dabei die Außenhülle des Gebäudes in ihren Maßen gravierend verändert hat. Daher konnte im Rahmen des Bauantrags auch auf erneute Berechnungen von Grundflächenzahl (GRZ) und Geschossflächenzahl (GFZ) verzichtet werden.

zuletzt editiert am 26. April 2021
Newsletter