160215 Pavillon
Der Vanke Pavillon in Mailand ist architektonisch ein herausragendes Beispiel für innovative Fassadengestaltung. Foto: Hufton+Crow/Studio Libeskind

Gebäudehülle 2016-02-15T00:00:00Z Faszinierende Form

In Mailand war im Rahmen der Expo 2015 ein Ausstellungspavillon entstanden, der vor allem durch seine Fassadengestaltung beeindruckt. Das Planungskonzept nach dem Entwurf von Stararchitekt Daniel Libeskind präsentiert sich als fließende, organische Form, deren Ursprung ein freihändiges Design ist. Als einheitliches Fassadenmaterial für den gesamten Baukörper kommen zinnoberrote, schillernde Feinsteinzeugplatten von Casalgrande Padana zum Einsatz. Die Platten wurden mit Hilfe eines intelligenten Befestigungssystems an dem geschwungenen, parametrischen Baukörper angebracht.

Mit einem eigenen Pavillon war in Mailand das chinesische Immobilienunternehmen Vanke vertreten. Der Innenraum des Ausstellungspavillons stellte einen traditionellen chinesischen Gemeinschaftsspeisesaal, den „Shitang“, mit seinen Gebräuchen und Gebrauchsgegenständen dar – und knüpfte damit an das Thema der Weltausstellung an.
Prägend war die Fassadenbekleidung des Pavillons. Hierbei kamen speziell entworfene Feinsteinzeugplatten im Format sechzig mal sechzig Zentimeter zum Einsatz. Ihre Befestigung erfolgte mit dem Hinterschnittsystem von Keil. Die Montagepunkte waren dabei nicht sichtbar, sodass die besondere Optik der Platten nicht gestört wurde.
Insgesamt 4.200 Platten wurden für die schuppenartige Außenhülle eingesetzt. Die einzelnen Elemente berührten sich dabei nicht und sorgen damit zudem für ein eigenes Schattenspiel.

Außergewöhnlicher Fassadenaufbau


Die geschwungene, fließende Form des Baukörpers verlangte einen ausgefeilten Fassadenaufbau sowie die durchdachte Montage der einzelnen Elemente. Die tragende Stahlstruktur des Pavillons bestand aus kalandrierten Portalen und Trägern, die der komplexen Geometrie ihre Form geben. Horizontal wurden hier Profilbleche mit Betonverguss montiert und mit einer sekundären Trägerlage versehen. Es folgte eine geschichtete Verschalung aus mineralisierten Holzfaserplatten und Graphit-Polystyrolplatten, die mit einem Putz überzogen wurde, der vor Luft und Wasser schützte. Vervollständigt wurde die Fassade jedoch erst mit der Keramikverkleidung. Hierzu wurde eine Reihe aus Stahlquadraten eingesetzt, die in der Struktur des Pavillons verankert wurden und mit runden kalandrierten Stahlstangen verschweißt wurden. Letztere umgaben die architektonische Form und verliefen parallel untereinander. Sie bildeten die Basis für die anschließende Montage der Fassadenplatten.

Anforderungen bei der Montage der Fassadenplatten


Die Fassadenverkleidung musste der geschwungenen Form des Baukörpers folgen und ein einheitliches, organisches Bild erzeugen. Aus diesem Grund wurden die Feinsteinzeugplatten rückseitig mit Metallplatten und einem System versehen, das ein Einstellen während der Montage ermöglichte. Dadurch war ein Anpassen an die asymmetrische Form noch vor Ort möglich. Ein weiterer Aspekt bei der Befestigung der Platten war Sicherheit: Unvorhergesehene Brüche einzelner Platten oder Belastungen durch Windstöße und andere Witterungseinflüsse durften die Konstruktion nicht gefährden. Um den harmonischen Gesamteindruck des fließenden Baukörpers nicht zu stören, musste die Befestigung zudem verdeckt erfolgen.

Ankersystem für die verdeckte Befestigung


Diesen Anforderungen wurde die Hinterschnitttechnik von Keil im besonderen Maße gerecht: Das intelligente System ermöglichte beim Vanke Pavillon in Mailand eine nicht sichtbare und zugleich sehr sichere Befestigung der Fassadenverkleidung. Die Befestigungspunkte lagen dabei auf der Rückseite der Platten. Ein spezieller Bohrer erzeugte in einem Arbeitsgang sowohl die zylindrische Bohrung als auch den konischen Hinterschnitt. Dies stellte die Basis für die Befestigung des aus Ankerhülse und Sechskantschraube zusammengesetzten Hinterschnittankers dar. Durch das Eindrehen der Schraube setzte sich die Ankerhülse formschlüssig und spreizdruckfrei in das hinterschnittene Bohrloch. Die unterschiedlichen Durchmesser des Bohrlochs und des Hinterschnitts sorgten dabei für sicheren Halt – ohne dass dabei die Platte belastet wurde. Spannungsrisse konnten so vermieden werden. Über die Agraffe – die sich zwischen Ankerhülse und Schraube befand – konnte die Platte sauber an der Unterkonstruktion montiert werden.

Zugelassenes System


Neben den in Mailand eingesetzten Fassadenplatten werden mit der Hinterschnitttechnik von Keil auch andere Werkstoffe – wie Naturwerksteine, Mineralguss oder Glasfaserbeton – befestigt. Das System verfügt über umfangreiche bauaufsichtliche Zulassungen – auch auf europäischer Ebene. Damit entfällt für Hersteller von Fassadenmaterialien die Notwendigkeit, eine eigene Zulassung zu erwirken. Für Planer bedeutet dies größtmögliche Gestaltungsvielfalt bei der Auswahl des Fassadenmaterials, das zugleich unter definierten Anwendungsbedingungen mit klaren Leistungsparametern befestigt wird. So ist die Technik auf Erdbebensicherheit bis Stufe 9,4 auf der nach oben offenen Richterskala getestet. Charakteristische Werte zur Windsogbelastung liegen ebenfalls vor. International hat sich die Befestigung bereits unter extremen Witterungseinflüssen – in der Kälte Novosibirsks und der Hitze Kuweits – bewährt.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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