An dieser Stelle informieren wir Sie über Neuigkeiten aus der Bundesfachgruppe Feinwerkmechanik und stellen die Mitglieder und ihre Betriebe in loser Folge vor. Hier ein Interview mit dem Landesfachgruppenleiter Feinwerkmechanik für Rheinland-Pfalz Helmut Steller. Weitere Infos finden Sie unter www.metallhandwerk.de/bundesfachgruppe-feinwerkmechanik.
Herr Steller, Sie sind seit 1985 selbstständig. 2015 feierten Sie das dreißigjährige Firmenjubiläum. Sind Sie stolz auf Ihr Lebenswerk?

Ja sicher. Kann man doch auch, oder? 1985 starteten wir mit zwei Mitarbeitern in einer gemieteten Halle etwa zehn Kilometer von Winnweiler entfernt. Wir fertigten anfänglich mit drei Drehautomaten und stellten immer wieder fest, dass die Kapazitäten sowohl seitens der Mitarbeiter als auch vom Maschinenpark nicht ausreichten. Wir wuchsen schnell, aber gesund. Bis ich feststellen musste, dass die baulichen Gegebenheiten der Werkstatt auch am Ende ihrer Kapazität angekommen waren. 1995 erwarben wir ein neues Betriebsgelände in Winnweiler. Beim Kauf achtete ich darauf, dass entsprechende Erweiterungsmöglichkeiten gegeben waren. Aus heutiger Sicht, die völlig richtige Entscheidung. Denn unser Maschinenpark wuchs ständig und die Fertigung musste entsprechend angepasst werden. Um es kurz zu fassen, 2009 wurde ein weiterer Hallenabschnitt von etwa 250 Quadratmeter fertiggestellt, der zu diesem Zeitpunkt für alle Fertigungsbereiche genügend Fläche bot. Der Dritte Bauabschnitt mit etwa 650 Quadratmeter wurde 2014 fertiggestellt. Eine komplette Neustrukturierung der Fertigung optimierte die interne Prozesskette. Das waren dreißig Jahre Firmenentwicklung in Kurzform.
Sehr beeindruckend! Wenn Sie in einem solch rasanten Tempo weiterwachsen, kommen Sie ja bald wieder an Kapazitätsgrenzen.
Darüber denken wir derzeit nicht nach. Zwischenzeitlich beschäftigen wir dreißig Mitarbeiter. Unsere Auslastung ist gut. Die Auftragslage gewährleistet eine dreischichtige Belegung unserer Maschinen. Die Firmenübergabe haben wir langfristig geplant. Mein Sohn Florian ist seit 2010 Geschäftsführer des Unternehmens und leistet eine hervorragende Arbeit. Mit seinem Engagement und seinen Ideen wurden viele Prozesse optimiert beziehungsweise automatisiert. Mit Blick auf die demographische Entwicklung in Deutschland und dem jetzt schon gravierenden Fachkräftemangel, ist die Prozessoptimierung die einzige Lösung langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Aber wie bereits erwähnt, diesbezüglich sind wir gut aufgestellt und haben keine Zukunftsängste.
Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Fachgruppenarbeit der Feinwerkmechaniker im Landesverband.

Eigentlich gibt es da nicht viel zu erzählen. Wenn man ehrlich ist, fand eine Fachgruppenarbeit im eigentlichen Sinn nicht statt. Wobei man die Fachgruppenarbeit zunächst näher bestimmen sollte. Wenn man nämlich von Netzwerkarbeit beziehungsweise Bildung von Netzwerken spricht und dies als Fachgruppenarbeit bezeichnet, dann sind wir schon lange sehr aktiv. Eigentlich ist seit Betriebsgründung das „Netzwerk“ eines meiner Hauptanliegen. Größere Aufträge realisieren wir schon lange in Kooperation mit Partnerbetrieben. Auch die Einzelteilfertigung vergeben wir an Netzwerkpartner, die diese Produktion in ihren betrieblichen Abläufen besser darstellen können. Allerdings ist die Feinwerkmechanik mit ihren vier Bereichen Maschinenbau, Feinmechanik, Werkzeugbau und Zerspanungstechnik so vielschichtig, dass es schwierig wird mit fachlichen Themen ein breites Interesse erzeugen. Die Unternehmen sind einfach zu speziell um zielgerichtete Informationsveranstaltungen auf Landesebene zu organisieren.
Und auf Bundesebene?
Ja, der Bundesfachgruppe Feinwerkmechanik geht es ähnlich. Ihre Aufgabe ist es, mit den Landesfachgruppen als tragende Basis, die Interessen auf Bundesebene zu bündeln. Dabei werden technische Weiterentwicklungen und Neuerungen vorgestellt und diskutiert. Zwei Hauptveranstaltungen sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Zum einen die Zuliefermesse „Z“ beziehungsweise die Intec in Leipzig und der Feinwerkmechanik-Kongress. Der Messestand der Feinwerkmechaniker auf der Messe hat sich gut etabliert. Die Teilnahme am alljährlichen hochinteressanten Kongress könnte noch besser sein. Da fehlt aus meiner Sicht ein wenig „Basisarbeit“.
Was meinen Sie mit Basisarbeit?
Die Landesfachgruppenleiter sind ja ehrenamtlich tätige Unternehmer. Sie können nur Anregungen für eine gute Facharbeit einbringen. Die Umsetzung muss schon in den hauptamtlich besetzten Strukturen erfolgen. Und genau da sehe ich einige Defizite, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Sehr positiv sehe ich aber die Zusammenarbeit der beiden Landesverbände Rheinland-Pfalz und Thüringen. Wir haben ja jetzt selbst Fachberater, die uns in unserer Tätigkeit unterstützen und auf die wir zurückgreifen können. Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen und weiter ausbauen.
Wie soll die Fachgruppenarbeit auf Landesebene künftig gestaltet werden?
Fachgruppenarbeit ist aus meiner Sicht das Einbringen von speziellen Fachkompetenzen und das Weiterdenken über den Tellerrand hinaus. Ich sehe da neben reinen Fachfragen auch Unterstützung bei Fragen und Herausforderungen der Existenzgründung von jungen Kollegen. Erfahrungsaustausch bei Finanzierungsfragen und auch bei Nachfolgeregelungen, die auch in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband organisiert werden können. Weitere Punkte könnten sein: Die Öffentlichkeitsarbeit für die Interessen der Betriebe, der Aufbau einer Kommunikationsplattform, überregionale und eventuell auch internationale Vernetzung sowie die Organisation, Koordination und Auftritte bei nationalen und internationalen Messen, Kongressen und Tagungen, aber auch die Initiierung und Moderation von Kooperations- beziehungsweise Netzwerkprojekten.
Das hört sich gut an, aber wer soll das machen?
Wenn wir den Netzwerkgedanken zu Ende denken, sehe ich einen hauptamtlichen Netzwerkkoordinator, der sich in den kommenden Jahren dieser Aufgabe annimmt und unsere Betriebe auf dem Weg der Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung begleitet.
Abschließend noch eine kritische Anmerkung zu den Zulassungsbedingungen der Meisterprüfung. Aktuell darf ein Lehrling direkt nach seiner Ausbildung die Meisterschule besuchen, ohne jegliche Erfahrungen als Geselle gesammelt zu haben. Eine berufliche Selbstständigkeit ist nach der Meisterschule direkt möglich. Wünschenswert und meiner Meinung nach unabdinglich, für eine berufliche Selbstständigkeit, ist eine praktische Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren.
(Quelle: FVM Rheinland-Pfalz/Ernst)
Firmensteckbrief
- Steller Präzisionsteile, Winnweiler
- Gründung: 1985
- Geschäftsführer: Helmut Steller, Florian Steller
- Produktionsfläche: 1.300 Quadrameter
- Betriebsgelände: 2.200 Quadratmeter
- Mitarbeiter: dreißig
- Zertifizierungen: DIN EN ISO 9001
- Philosophie: höchste Kundenzufriedenheit und alles aus einer Hand
- Produkte: Dreh- und Frästeile für den Maschinenbau