Der Bundesverband Metall (BVM) und der Verlag Charles Coleman hatten am 25. und 26. Oktober 2019 zum Metallkongress nach Würzburg eingeladen. Rund 300 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter auch die Besucher des Feinwerkmechanik-Kongresses
Im Vorfeld des Kongresses hatte sich die Bundesfachgruppe Feinwerkmechanik im Bundesverband Metall (BVM) getroffen, um ihre Jahrestagung durchzuführen.
Bundesfachgruppenleiter Clemens Kreyenberg begrüßte die Teilnehmer und stellte als neues „Gesicht“ den technischen Berater im Landesverband Metall Hessen Marcel Bender vor. Auch vom Hauptamt waren eine Reihe von Mitarbeitern dabei - unter anderem Markus Jäger, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall (BVM).
Die Berichte aus den Landesfachgruppen ergaben ein sehr unterschiedliches Bild. Als wichtige und interessante Beratungsthemen zeigten sich unter anderem der Arbeitsschutz, DIN EN ISO 9001, Maschinenrichtlinie, Maschinenbewertung, Gesundheitsmanagement und die Digitalisierung.
In der Diskussion wurde auch der Vorschlag gemacht, die Aktivitäten der Länder auf Bundesebene zu bündeln, um eine ausreichende Anzahl Interessierter anzusprechen.
Wichtige Informationen gab es von BVM-Berater Frank Kania aus dem Normenausschuss NA 152-03-02 AA zum Stand der Erarbeitung von ISO 22081 Geometrische Produktspezifikation (GPS) - Geometrische Tolerierung - Allgemeine geometrische und Maßspezifikationen.
Frank Kania soll bei der nächsten Sitzung eine „Roadmap“ für die ISO 22081 vorstellen, um die geplanten Inhalte an die Betriebe zu vermitteln und einen gemeinsamen Standpunkt zu finden.
Ausführlich wurde dann über die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte der Bundesfachgruppe diskutiert. Markus Jäger berichtete von der Beauftragung aus dem BVM-Präsidium, die Fachgruppenarbeit insgesamt neu aufzustellen. Die Bedingungen hätten sich geändert, es sei nicht mehr originäre Aufgabe zu informieren, sondern Normen mitzugestalten, Normeninhalte verständlich zu machen und in verbandseigenen Richtlinien zusammen zu fassen. Auch personell werde es neue Unterstützung geben. Es wurde auch diskutiert, ob nicht kleinere Arbeitsgruppen die sinnvollere Alternative sind, um inhaltliche Arbeit zu leisten.
Christine Waldschmidt aus Thüringen regte die Einrichtung eines Vergabeportals/Web-Shops für die Feinwerkmechanik-Betriebe des BVM an. Dazu soll ein Pflichtenheft erarbeitet werden.
Der technische Berater Lars Preißner aus Nordrhein-Westfalen schlug vor, Informationen über Fördertöpfe auf Landes- und Bundesebene zusammenzutragen.
Ausführlich wurde über die Messebeteiligung mit einem BVM-Gemeinschaftsstand auf der nächsten INTEC beraten. Die Attraktivität der Beteiligung sollte zum Beispiel durch Fördermittel gesteigert werden.
Auf der nächsten Sitzung im Frühjahr sollen die angesprochenen Themen weiter diskutiert werden. Auch wird dann die Bundesfachgruppenleitung neu gewählt.

Nützliche Vorträge
Peter Ebel, Unternehmer aus dem hessischen Taunussstein sowie Obermeister der Metallinnung Wiesbaden-Rheingau-Taunus eröffnete dann den Themenreigen des Kongresses. Mit seinem überaus authentischen Vortrag „Von der Belegschaft zur Mannschaft“ zeigte Ebel, wie das Thema Mitarbeitergewinnung- und Motivation in Zeiten des Fachkräftemangels in der betrieblichen Praxis funktionieren kann. Mit beeindruckenden Ergebnissen.
Die beiden Kongresstage warteten mit spannenden und höchst aktuellen Themen auf. Bei den Feinwerkmechanik-Gästen zeigte Dr. Joachim Schlosser von Elektrobit auf, wie Teams funktionieren und die Vielfalt der Eigenschaften im Team erkannt und genutzt werden kann. Spannend ging es weiter mit Technologiefragen, als Roland Zehentmaier von der Carl Zeiss Industrielle Messtechnik berichtete, wie mit der Computertomographie ein weiterentwickeltes Verfahren zur Anwendung in der Werkstoffprüfung zur Verfügung steht, das von der Detektion von Rissen und Einschlüssen bis hin zur Montagekontrolle auch bei gemischt eingesetzten Materialien in Bauteilen nutzbar ist.
Bei der festlichen Abendveranstaltung wurde dann auch der Feinwerkmechanikpreis 2019 verliehen. Den Preis erhielt die Firma Kreyenberg aus Norderstedt für die Entwicklung und Umsetzung eines Bearbeitungskonzeptes für eine Baugruppe einer Espressomühle.
Arbeiten Sie mit kollaborativen Robotern
Der zweite Tag startete mit einer Präsentation, die das Interesse der Feinwerkmechaniker vom Start weg in Bann zog. Wameq Kazemi, Vertriebs- und Applikationsingenieur bei der Robotik Freise Automation in Quickborn zeigte anhand von anschaulichen Fallbeispielen aus der betrieblichen Umgebung auf, wo die Chancen zum Einsatz von CoBots genannten Klein-Robotern liegen. Diese schnell lernende Technik kann effizient bei Standardprozessen wie der Automatisierung von Be- und Entladeprozesse, in der Schweißtechnik oder der Konfektionierung eingesetzt werden. Kazemi präsentierte beeindruckende Chancen der Koexistenz, Kooperation und Kollaboration von Mensch und Maschine, die durchaus auch bei kleinen Losgrößen wirtschaftlich genutzt werden können und von daher für viele Feinwerkmechaniker interessant sein können.
Wie ein ausgeklügeltes digitales Werkzeug bei der Vorbereitung zur Zertifizierung helfen kann, zeigte Markus Rund von Quiub. Die von ihm entwickelte Plattform bildet alle QM-relevanten Aspekte bis hin zum Risikomanagement digital ab. Großer Vorteil sei, dass die internen Audits im Gegensatz zur einschlägig stattfindenden eintägigen Terminveranstaltung effizient als laufender Prozess (Spot-Audit) integriert werden, alle relevanten Akteure zur Mitarbeit und Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements eingebunden sind und per Rollenzuweisung aktiv daran mitarbeiten. Der externe Auditor kann sich durch Zugang zum System viel zeitraubende Dokumentenprüfung sparen. Das System Quiub habe die ersten formalen Hürden bereits genommen und soll in Kürze marktfähig sein.
Tun Sie das Richtige
Dr. Stefan Zipse, Rechtsanwalt aus Köln mit den Schwerpunkten Vertriebsrecht, europäisches und deutsches Kartellrecht, Wettbewerbsrecht, internationale Vertriebsvereinbarungen setzte den kommunikativen Schlusspunkt zum Feinwerkmechanik-Kongress 2019 mit ausgewählten Rechtsfragen für Feinwerkmechaniker. Aktuelle Empfehlungen zu Liefervertragsfragen mit Blick auf den Brexit und die damit ungeklärten Fragen rund um die CE-Kennzeichnung griffen die Zuhörer interessiert auf, um ihre Unternehmen für den Fall der Fälle zu rüsten. Einen weiteren Nutzwert fanden die Feinwerkmechaniker in den Informationen zu aktuellsten Neuerungen im Datenschutz. Insbesondere die Praxisinformation zu den Risiken der Verknüpfung von Firmen-Homepages mit Social-Media-Kanälen war für viele Anlass, genau nachzufragen, um für ihre Unternehmen das Richtige zu tun.
Feinwerkmechanikpreis 2019: Neues effizientes Bearbeitungskonzept
Sieger des Feinwerkmechanikpreises 2019 ist die Firma Kreyenberg aus Norderstedt mit der Entwicklung und Umsetzung eines Bearbeitungskonzeptes für eine Baugruppe einer Espressomühle.
Mit der ausgezeichneten Fertigungslösung ist es vorbildlich gelungen, durch einen innovativen Technologieeinsatz, den Kundenanforderungen zu entsprechen und die Gehäuseteile in deutlich verbesserter Qualität zu fertigen. Durch den konsequenten Einsatz von Automatisierungslösungen konnten auch die steigenden Mengenanforderungen wirtschaftlich erfüllt werden. Mit der neuen Technologie wurde die fehlerbehaftete und unflexible Gussherstellung durch eine effektive, Ressourcen schonende und Ausschuss senkende Komplettzerspanung ersetzt.
Auf
www.feinwerkmechanikpreis.de
finden Sie alle Siegerobjekte des Feinwerkmechanikpreises 2014 bis 2019.
Karlheinz Efkemann, Jörg Dombrowski