Strahlanlage Twister
Mit der patentierten Schleuderstrahlanlage lassen sich sehr gleichmäßige Oberflächen erreichen. Grafik: BMF

Feinwerktechnik 2017-03-27T00:00:00Z Feinwerkmechanikpreis 2016: Sehr gleichmäßig Strahlen

Bei der dritten Auflage des Feinwerkmechanikpreises im vorigen Jahr gab es eine ganze Reihe von sehr interessanten Bewerbungen. Dazu gehört auch die druckluftlose Stahlanlage „Twister“, die die Firma BMF aus dem sächsischen Grüna eingereicht hatte. Hier die Details.

Der Strahlprozess wird in unterschiedlichen Fertigungsphasen eingesetzt. Angewendet wird er zum Beispiel in der Oberflächenbearbeitung als vorgelagerte Prozessstufe vor Oberflächenveredelungen (Eloxieren, Beschichten, etc.),beim Säubern oder Entgraten hochwertiger technischer Teile oder auch beim Erzeugen von definierten Oberflächenbeschaffenheiten mit dem Fokus auf Optik oder Haptik. Das Strahlen von Teilen, die mit der Neuentwicklung „Twister“ bearbeitet werden können, erfolgt bisher üblicherweise mit kleinen bis mittelgroßen Handstrahlanlagen. Diese erfordern einen hohen manuellen und energetischen Aufwand. Das bei diesem Prozess verwendete Strahlmittel kann zum überwiegenden Teil nicht wiederverwendet werden. Die Strahlqualität und die notwendige Strahlzeit sind unter anderem abhängig von den handwerklichen Fertigkeiten und Fähigkeiten des verfügbaren Personals.
Generell wird bei der manuellen Bearbeitung eine nicht reproduzierbare Oberflächenbeschaffenheit erreicht. Vorhandene automatisierte oder teilautomatisierte Strahlanlagen sind für viele potentielle Anwender aufgrund der hohen Anschaffungskosten, des Flächenbedarfs, des Installations- und Wartungsaufwandes sowie der Kosten für Energie und Strahlmittel unattraktiv.

Deutliche Einsparungen möglich

Diese Bedingungen flossen in die Entwicklung der Schleuderradstrahlanlage, „Twister“ ein. Die neu entwickelte Anlage wendet die Schleuderradtechnologie für eine, für kleine und mittelständische Betriebe geeignete Dimension und Stückzahl der Teile an. Das völlig neuartige Prinzip der Strahlmittelhandhabung und der Werkstückbewegung während des Strahlprozesses bilden die Grundlage des Wirkprinzips der Gesamtanlage und sind Basis einer erfolgten Anmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt. Das Prinzip der Werkstückaufnahme und -bewegung führt zu mindestens 75 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem konventionellen Handstrahlen. Zur Erzielung einer gleichmäßigen Oberflächenstruktur der zu bearbeitenden Teile bei geringem energetischem Aufwand wirkt beim „Twister“ ein auf der Antriebswelle angeordnetes Schleuderrad mit spezieller Schaufelgeometrie. Dadurch wird das Strahlmittel mit Hilfe eines Luftstromes mit hoher Geschwindigkeit definiert gegen die auf einer zentral angetriebenen Satelliten-Werkstückaufnahme aufgespannten Teile geschleudert.
Die Werkstücke werden über einen Drehteller rotierend auf einer kegelförmigen Umlaufbahn um das ebenfalls rotierende Schleuderrad bewegt. Die Überlagerung von Dreh- und Schwenkbewegungen führt zu einer sehr gleichmäßigen Oberfläche. Ein ebenfalls neu entwickeltes Werkstückschnellwechselsystem ermöglicht einen zeitsparenden Austausch der Teile. Die Anlage verfügt über zehn Werkstückträger, jeder Werkstückträger kann bis zu zwölf Werkstücke aufnehmen. Dadurch können mit jedem Strahlzyklus bis zu 120 Teile gleichzeitig bearbeitet werden.
Das Strahlmittel ist länger und effektiver als in bekannten Anlagen einsetzbar.
„Twister“ arbeitet im Vakuum. Dadurch wird ein wesentlich saubererer Strahlvorgang realisiert und die Staubbelastung für das Personal und die Umgebung stark reduziert.

Schonender Prozess
Mit dem „Twister“ können erstmalig Glasperlen in Verbindung mit einem Schleuderrad verarbeitet werden. Ein kompletter Wechsel des Strahlgutes ist durch die schonende Bearbeitung wesentlich später erforderlich.
Der „Twister“ wird über ein Touch Panel bedient, das sehr einfach zu handhaben ist. Über das Touch Panel werden folgende Parameter eingestellt beziehungsweise angezeigt:

  • Softwarestand,
  • Strahlzeit 1,
  • Prozesszeit,
  • Start Taste,
  • Drehzahl 1,
  • Drehzahl 2,
  • Strahlzeit 2,
  • Nachlaufzeit Absaugung,
  • Drehteller an/aus,
  • Absaugung an/aus.

Die gleichzeitige Bearbeitung vieler Teile bei einer sehr geringen Stromaufnahme ermöglicht Kosteneinsparungen von bis zu neunzig Prozent.

Bewerben Sie sich jetzt!

Am 1. Januar 2017 ist die Ausschreibung zum Feinwerkmechanikpreis 2017 gestartet. Bereits zum vierten Mal vergibt die Zeitschrift M&T in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Metall als ideellem Träger den Preis für besondere Leistungen in der Feinwerkmechanik. Gesucht werden herausragende Produkte, Ideen und Problemlösungen aus diesem Bereich des Metallhandwerks.
Die Bewerber können sich mit diesen Projekten bewerben:

  • technisch innovative Produkte,
  • Umsetzung innovativer Technologien,
  • Lösung von Kundenproblemen/eigener technischer Probleme,
  • Arbeiten für außergewöhnliche Kunden,
  • Organisationsstruktur im Betrieb (technischer Betriebsablauf/technische Organisation),
  • Berufsausbildung.

Jeder Betrieb darf sich mit maximal zwei Arbeiten bewerben. Die Bewerbungsunterlagen finden Sie unter feinwerkmechanikpreis.de . Einsendeschluss ist der 31. Mai 2017.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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