Verzinkungsgerechtes Konstruieren ist ein wichtiges und ständiges Thema im Metallbau. Als Leiter der Zinq-Manufaktur erläutert Volker Hastler, worauf es ankommt und welche Entwicklungen zu beachten sind.

Was sind die wichtigsten konstruktiven Grundsätze, die beim verzinkungsgerechten Konstruieren im Jahr 2025 berücksichtigt werden müssen?
Beim verzinkungsgerechten Konstruieren geht es darum, Bauteile so zu gestalten, dass der Verzinkungsprozess effizient abläuft und die Schutzwirkung optimal ist. Entscheidend ist, dass Hohlräume entweder vermieden oder gut entlüftet werden, damit die Zinkschmelze ungehindert ein- und ausfließen kann. Die DIN EN ISO 14713 Teil 2 gibt hier klare Vorgaben für Entlüftungs- und Ablauföffnungen. Bohrungen in Hohlprofilen sorgen beispielsweise für einen Druckausgleich und verhindern mögliche Explosionen. Ebenso lassen sich Ablagerungen von Zinkresten so verhindern. Auch die sorgfältige Schweißnahtgestaltung spielt eine wichtige Rolle – offene Poren können Reinigungsflüssigkeit aufnehmen, die später austritt und Rostläufer verursacht. Nicht zuletzt sollten Konstruktionen mit gleitenden Verbindungen und großzügigen Radien ausgeführt werden, um Materialspannungen und Verzug während des Verzinkungsprozesses zu reduzieren.
Wie haben sich die Anforderungen an verzinkungsgerechtes Konstruieren in den letzten Jahren verändert?
Die wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen haben dem Korrosionsschutz zusätzliche Bedeutung verliehen. Feuerverzinkung verlängert die Lebensdauer von Bauteilen erheblich und reduziert Materialverluste durch Korrosion. Zugleich stellen Werkstoffe wie hochfeste Stähle besondere Anforderungen an die Planung. In der Industrie kommen vermehrt Simulationstechniken zur Verzinkungsoptimierung zum Einsatz, um thermische Belastungen zu berechnen und Verzug zu minimieren. Diese digitalen Zwillinge sind allerdings kostenintensiv und im Handwerk noch wenig verbreitet.
Was kann passieren, wenn die Feuerverzinkung im Konstruktionsprozess vernachlässigt wird – und wie kann eine vorausschauende Planung die Qualität sichern?
Der Klassiker sind fehlende Entlüftungsöffnungen, die zu Luft- oder Flüssigkeitseinschlüssen führen können. Oft wird argumentiert, der Endkunde wolle keine sichtbaren Bohrlöcher oder akzeptiere nur kleine Lochdurchmesser – obwohl die Größen in der Norm 14713
Teil 2 eindeutig festgelegt werden. Mit unseren Zinq-Alustopfen lassen sich Bohrungen übrigens schnell und einfach nach dem Feuerverzinken verschließen. Meine Empfehlung ist, grundsätzlich darauf zu achten, dass die Luft in den Bauteilen weiterhin zirkulieren kann – so wird die Bildung von Staunässe verhindert. Auch zu enge Spalten und Hohlräume, die nicht vollständig mit Zink benetzt werden, bleiben ungeschützt und sind damit unmittelbar korrosiven Einflüssen ausgesetzt. Unterschiedliche Materialstärken in einer Konstruktion können beim Erwärmen und Abkühlen zu Verzug oder sogar Rissen führen. Ein oft unterschätztes Problem sind Fremdstoffe auf dem Material – Kleberreste von Etiketten, Fett, Markierungen mit Farbstiften, Lacke oder Schweißtrennmittel beeinträchtigen die Qualität der Verzinkung erheblich.
Wie trägt eine enge Abstimmung zwischen Konstruktion und Verzinkung von Anfang an dazu bei, Qualität zu sichern und Kosten zu senken?
Eine enge Abstimmung spart allen Beteiligten Zeit und Geld. Entlüftungsöffnungen können strategisch sinnvoll platziert werden, statt sie später aufwendig nacharbeiten zu müssen. Aufwendige Korrekturen durch Schleifen oder Ausbesserung entfallen, und die Zinkschicht wird gleichmäßiger, was sowohl die Langlebigkeit erhöht als auch die Optik verbessert. Wir bei Zinq bieten diese Beratung im Vorfeld gezielt an – und geben in der Zinq-Manufaktur auch gern Wissen zu diesem und anderen wichtigen Themen an das metallverarbeitende Handwerk weiter.

Gibt es spezifische Herausforderungen bei neuen Werkstoffen oder hybriden Bauweisen in Kombination mit dem Feuerverzinken?
Bei hochfesten Stählen besteht die Gefahr der Wasserstoffversprödung – hier sollte unbedingt der Verzinkungsbetrieb im Vorfeld informiert werden. Verbundwerkstoffe wie Stahl-Aluminium-Kombinationen erfordern alternative Verbindungtechniken, etwa Bolzen oder Kleben. Für besondere Anforderungen, ich denke dabei beispielsweise auch an den Maschinenbau, bieten wir mit unserer Dünnschichtverzinkung Micro-Zinq eine echte Alternative. Dank der innovativen Zink-Aluminium-Legierung aus 95 Prozent Zink und 5 Prozent Aluminium spart Micro-Zinq nicht nur bis zu 80 Prozent Zink ein, sondern ist beispielsweise auch für hochfeste Stähle oder dünnwandige Bauteile bestens geeignet, da deren Verzug minimiert wird.
Wie wirkt sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung auf das verzinkungsgerechte Konstruieren aus?
Die Konstruktionsprinzipien bleiben zwar gleich, aber die Bedeutung der Feuerverzinkung im Kontext der Nachhaltigkeit wächst enorm. Ein verzinktes Bauteil hält über Jahrzehnte und spart so wertvolle Ressourcen. Feuerverzinkter Stahl kann zudem beliebig oft recycelt werden – und das ohne Qualitätsverlust. Mit unserem Rücknahmesystem „ReZINQ“ bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, altverzinkte Bauteile bei uns kostenlos abzugeben, um den Zinküberzug am Ende der Nutzung in einer „chemischen Zinkmine“ vom Stahl zu trennen – bevor Zink und Stahl separat in geschlossenen Kreisläufen wiederverwertet werden. Zirkularität ist dann auch ein gutes Stichwort. Wir haben mit unserem zirkulären Geschäftsmodell „Planet ZINQ“ die Herausforderung in puncto Innovation und Nachhaltigkeit angenommen. Das Ziel: null Abfall, null CO2-Emissionen und null Umweltverschmutzung, und mit diesem Triple-Zero-Geschäftsmodell treiben wir die nachhaltige Entwicklung in unserer Branche weiter voran.
Welche Empfehlungen würden Sie jungen Metallbauern geben, die sich mit verzinkungsgerechtem Konstruieren beschäftigen möchten?
Mein Rat: Erst die Grundlagen des Korrosionsschutzes verstehen und dann praktische Erfahrungen sammeln – ein Besuch in einer Verzinkerei vermittelt wertvolle Einblicke in die Prozesse. Moderne CAD-Tools und Simulationsprogramme erleichtern zwar die Planung, aber der fachliche Austausch mit erfahrenen Verzinkern ist durch nichts zu ersetzen. Mit den After-Work-Treffen unserer Zinq-Manufaktur laden wir unsere Kunden gezielt zum Austausch und zu einer Werksbesichtigung ein – davon profitieren alle. Besonders im Metallhandwerk bieten aber auch Innungen und Verbände hervorragende Netzwerkmöglichkeiten – all das kann ich jungen Fachkräften nur wärmstens empfehlen. Zudem bin ich überzeugt: Wer früh lernt, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit in seine Konstruktionen einzubeziehen, wird in Zukunft einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben.