Die Bedingungen des salzigen Meeresklimas sind eine Herausforderung in Sachen Korrosionsschutz. Fotos: Zinkpower
Die Bedingungen des salzigen Meeresklimas sind eine Herausforderung in Sachen Korrosionsschutz. Fotos: Zinkpower

Oberflächentechnik

30. July 2021 | Teilen auf:

Feuerverzinkter Stahlbau: Hält extremen Bedingungen stand

(Juli 2021) Wind Nord-Ost, Windstärke 8, horizontaler Regen und eine Sicht soweit der Arm reicht. So können in den Wintermonaten durchaus die Wetterbedingungen auf Nordstrandischmoor, einer Hallig im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer sein. Stand zu halten ist eine Herausforderung: für Mensch und Tier, genauso wie für die Hallig selbst und für Stahl.

Daher stellt sich die Frage: Sind Schichtdicken beim Feuerverzinken beeinflussbar?

Die Antwort ist ein klares „Jein“. „Die Auswahl der Stahlsorte, wie auch der Materialstärke aller zu verzinkenden Teile trägt entscheidend zum Schichtaufbau bei“ so Marco Rohr, Produktionsleiter Feuerverzinkung bei Zinkpower in Neumünster. Klimatisch bedingte, stärkere und auch häufigere Stürme beeinflussen zunehmend das Leben auf den Halligen. Der Anstieg des Meeresspiegels könnte sie sogar ganz verschwinden lassen. Als Teil des Biosphärenreservats Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wird den Halligen besonderer Schutz und Unterstützung gewährleistet. Eines der geförderten Projekte ist die Erhöhung der Nordenwarft auf Nordstrandischmoor sowie der Bau einer neuen Maschinen- und Lagerhalle mit Fluchtraum. Damit erhalten die Bewohner der Warft, Familie Kruse, auch einen sicheren Zufluchtsort bei schwersten Sturmfluten.

In exponierter Lage, das Plateau der Warft liegt 6,75 Meter über NN, ist die Halle Extremen ausgesetzt: Bei Sturm wirken extreme Windlasten mit bis zu 1,26 kN/m² auf die Stahlkonstruktion ein. Dazu kommt eine hoch korrosive Atmosphäre (C5), die Stahl selbst im Innenraum von Kalthallen in kürzester Zeit korrodieren lässt. Werden im Einflussbereich des „ländlichen Raums“ – C4 – teilweise Stahltragwerke von Hallen nur durch eine Nasslackbeschichtung geschützt, erfordern die Begebenheiten auf Nordstandischmoor einen deutlich leistungsfähigeren Korrosionsschutz. Im bewitterten Außenbereich wäre eine Duplex-Beschichtung unabdingbar, um den notwendigen Korrosionsschutz zu erreichen. Im Innenbereich, indem sich das stählerne Tragwerk nach Fertigstellung der Halle befindet, reicht jedoch eine Feuerverzinkung mit durchschnittlicher Schichtdicke von 115 bis 125 ym aus, um den Stahl für viele Jahrzehnte zu schützen. Feuerverzinkt wurden die 15,3 Tonnen Stahl.

Benötigte Schichtdicke durch Materialauswahl

Für den Transport des Stahls in Richtung Nordenwarft werden die Weichen gestellt.

Feuerverzinken bewirkt eine chemische Reaktion zwischen Stahl und Zink, das sich im Prozess der Verzinkung zu einer Zink-Eisen-Schicht legiert. Abhängig ist die Schichtdicke von mehreren Faktoren. Stahlsorte und Materialstärke haben einen wesentlichen Einfluss auf die chemische Reaktion und damit auf die Bildung der Zink-Eisen-Schicht. Die Verzinker der Zinkpower-Gruppe stehen Kunden bei Bedarf schon in der Planungsphase zur Seite. Neben dem Wissen über das Verhalten unterschiedlicher Stahlsorten im Verzinkungsprozess, geben Sie auch Rat bei Fragen zur feuerverzinkungsgerechten Konstruktion.

Die Maschinen- und Lagerhalle der Nordenwarft soll nach ihrer Fertigstellung auch als sicherer Zufluchtsort bei schweren Sturmfluten dienen.

Wie kommen nun 15 Tonnen feuerverzinkter Stahl zur Hallig?

Wind, Wetter, die Gezeiten aber auch die autarke Lage stellt Halligbewohner regelmäßig vor Herausforderungen und wecken enorme Kreativität. So auch bei der Lösung der Logistikfrage, denn eine Brücke von Nordstrandischmoor zum Festland oder eine direkte Schiffverbindungen gibt es nicht. Getreut der Devise „Nich lang snacken, eenfach maken“ wurden unter Anleitung von Nommen Kruse (Nordenwarft) kurzerhand die einzelnen Stahlteile auf Wagons einer Lore geladen und fest verzurrt. Handelsübliche Paletten dienten zur Verbreiterung der Auflagefläche oder um einen Höhenausgleich zu schaffen. Stahl, welcher zu lang für die einzelnen Wagons war, wurde selbsttragend auf Räderpaaren verzerrt. Kreativ gelöst, sicher befestigt ging es los: drei Kilometer auf dem Damm durchs Wattenmeer. Schwer arbeiten musste die kleine Diesellock, mit dem klangvollen Namen „Diema“, bis zum sicheren Ufer auf Nordstrandischmoor, das sie nach fast einstündiger Fahrt in Schrittgeschwindigkeit erreichte.

Info-Box

Wissenswertes zum Projekt

Nordstrandischmoor liegt drei Kilometer vor der Schleswig-Holsteinischen Küste. Die kleine Hallig wird in der Region auch Lüttmoor genannt. Auf vier Warften leben 23 Bewohner, vier Kinder besuchen die kleinste Schule Deutschlands und im „Halligkrog“ wird für das leibliche Wohl gesorgt. Zweimal täglich fallen weite Flächen des Wattenmeers trocken. Tagesbesucher kommen dann per Pedes durch das Wattenmeer auf die Hallig. Einzige Verbindung zum norddeutschen Festland ist der Loredamm am Beltringharder Koog, nördlich von Husum.

Video zum Projekt: https://www.zinkpower.com/stahlbau-nordfriesisch.html; Informationen zur Nordenwarft und Urlaub auf der Hallig: www.norderwarft.de