Die Bearbeitung von Zugmesslaschen wurde bei einem Zulieferer in Offenbach durch Einsatz von neuen Hochvorschubfräsern deutlich verbessert.
Die Firma Tecsis in Offenbach ist eine der führenden Hersteller von industrieller Messtechnik. Das Unternehmen hat sich in den Bereichen Kraftmessung, Druckmessung, Temperaturmessung und Schaltlösungen in über neunzig Jahren zu einem „Global Player“ in der Messtechnik entwickelt. Bis zum Jahr 1997 hat man unter der Marke VDO weltweite Marktzugänge und Servicestrukturen aufgebaut und firmiert seit 2001 unter dem Namen Tecsis. Neben dem Produktionsstandort in Deutschland (Offenbach) wird noch in zwei weiteren Werken in Ohio (USA) und in China produziert.
In seiner Unternehmensgeschichte hat sich das Unternehmen immer neue Bereiche der Mess- und Sensortechnik erschlossen. Ein hoher Umsatzanteil wird mit Produkten erzielt, die maximal zwei Jahre auf dem Markt sind. Der Spezialist für Regel- und Messtechnik erzielt heute mit rund 250 Mitarbeitern (davon über zwanzig Prozent in der Entwicklung und Konstruktion) einen Umsatz von etwa fünfzig Millionen Euro.
Speziell für den Kunden entwickelt

Der Unternehmensbereich „Kraftmesstechnik“ ist heute das größte und das am stärksten wachsende Produktfeld. Die Kraftmesstechnik spielt in der Kran- und Hebetechnik, etwa in der Bauindustrie oder der Hafenlogistik, eine entscheidende Rolle.
Aber auch im Maschinenbau, der Bühnentechnik, bei Ölplattformen und selbst in kerntechnischen Anlagen mit den höchsten Sicherheitsstandards sind Messkomponenten des Herstellers im Einsatz.
In der Vielzahl der Anwendungen handelt es sich um Lösungen, die speziell auf die Problemstellung des Kunden hin entwickelt wurden.
Im Fertigungsbereich Kraftmesstechnik spielen die Zugmesslaschen eine besondere Rolle. Ein typischer Anwendungsbereich der Zugmesslaschen ist der Kranbau.
Dort, wo schwere Lasten bewegt werden, ist die Anforderung an die Sicherheit besonders hoch. Bei der Kran- und Hebetechnik müssen die auftretenden Kräfte sicher beherrscht und gemessen werden, um Schäden für Personen und Anlagen zu verhindern. Hierzu ist sowohl eine entsprechende Messtechnik notwendig, mit der die Kräfte sicher und zuverlässig erfasst werden, als auch eine nachfolgende Steuerungstechnik, die die gemessenen Kräfte auswertet.
Großes technologisches Know-how
Das Unternehmen verfügt in diesem Bereich über ein hohes technologisches Wissen. Es werden sowohl Aufnehmer mit Dehnungsmessstreifen (DMS) als auch mit Dünnfilmtechnik angeboten.
Die Aufnehmer sind in vielen Geometrien vorhanden. Laschen, Bolzen und andere kundenspezifische Bauformen werden speziell auf jeden Anwendungsfall abgestimmt, damit sich die Aufnehmer direkt in den Kraftfluss der Anwendung integrieren lassen.
Durch den hohen Stellenwert der Kraftmesstechnik und der daraus resultierenden hohen Stückzahl der zu bearbeitenden Zugmesslaschen haben sich die Fertigungsverantwortlichen von Tecsis und die Zerspanungsspezialisten von Ingersoll besonders um die optimale Bearbeitung dieser Werkstücke bemüht.
Fruchtbare Zusammenarbeit
Beginn der intensiven Zusammenarbeit mit der Firma Ingersoll Werkzeuge bei der Tecsis war die Lieferung einer neuen Fräsmaschine von DMG zur Bearbeitung von Messfedern im Mai 2012. Das neue Deckel-Maho Fräszentrum war komplett mit Ingersoll Werkzeugen ausgerüstet. Aus dem gemeinsamen ersten Projekt entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit, die auf gegenseitiger Wertschätzung basiert.
„Ingersoll liefert einen super Service und speziell die Unterstützung von Bruno Koch ist hervorragend. Weiterhin sind die Tests meist erfolgreich und bei kurzfristigen Wünschen hilft auch der Innendienst in Haiger“, erklärt Vitali Frolow den Grund für die gute Zusammenarbeit.
Fräsbearbeitungen werden bei Tecsis mittlerweile fast komplett mit Ingersoll Werkzeugen durchgeführt. Aber auch beim Bohren, Gewindefräsen und Vollbohren werden Werkzeuge des Herstellers erfolgreich eingesetzt.
Anspruchsvolle Bearbeitungsaufgabe
Die Zugmesslaschen werden aus einem hochfesten Feinkornbaustahl mit hoher Streckgrenze hergestellt. Weiterhin ist der Rohling des Werkstücks im Brennschnittverfahren hergestellt, was das Umfangsfräsen des Werkstücks zusätzlich erschwert.
An der anspruchsvollen Aufgabe der Bearbeitung der Zugmesslaschen hatten sich in der Vergangenheit schon einige namhafte Hersteller von Zerspanungswerkzeugen versucht, ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.
Die ersten Testbearbeitungen mit Eckfräser beziehungsweise Walzenstirnfräser von Ingersoll brachten auch noch keine deutliche Verbesserung.
Die Entscheidung von Klaus Swientec (Tecsis, Meister Vorfertigung), Vitali Frolow (Tecsis, stellvertretender Leiter der Vorfertigung) und Bruno Koch (Ingersoll, Beratung und Verkauf) den neuen Gold-Quad-F-Hochvorschubfräser zur Umfangsbearbeitung der Zugmesslaschen einzusetzen, brachte dann den Durchbruch.
Effektive Bearbeitung von Zugmesslaschen

Schon die ersten Tests zeigten deutlich, dass der eingeschlagene Weg der richtige war. Nach einigen Optimierungen konnte man imponierende aber auch stabile und prozesssichere Schnittwerte festlegen.
Die Bearbeitung wird nun mit einer Schnittgeschwindigkeit von 300 Meter pro Minute und einem Tischvorschub von 16.400 Millimeter pro Minute durchgeführt (Zahnvorschub 1,81 Millimeter). Diese, auf Dauer erzielten Schnittwerte bedeuten eine Reduzierung der Bearbeitungszeit von vorher 25 Minuten auf jetzt sieben Minuten. Weiterhin hat sich die Standmenge mit dem neuen Hochvorschubfräser glatt verdoppelt.
Störungen und Beschädigungen durch Plattenbrüche treten mit dem neuen Werkzeug nicht mehr auf, so dass eine prozesssichere Bearbeitung der Messlaschen gewährleistet ist.
Basierend auf den sehr guten Ergebnissen bei der Bearbeitung der Zugmesslaschen wurde die Gold-Quad-F-Serie als Standardwerkzeug für die Bearbeitung dieser Produktfamilie der Kraftmesskomponenten festgelegt.
Leistungsstrake Hochvorschubfräser

Die Gold-Quad-F-Serie ist eine leistungsstarke und wirtschaftliche Linie von Hochvorschubfräsern mit radial angeordneten Wendeschneidplatten.
Die Werkzeuge sind vielseitig einsetzbar, und zwar zum Plan- und Konturfräsen im Maschinenbau, Werkzeug- und Formenbau sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie.
Der flache Anstellwinkel der Schneidplatten erlaubt hohe Vorschübe bis drei Millimeter pro Zahn und eine Schnitttiefe von zwei beziehungsweise drei Millimeter je nach Wendeschneidplattenabmessung.
Die Werkzeuge werden im Durchmesserbereich von 32 bis 160 Millimeter als Aufsteck- und Einschraubfräser angeboten.
Die eingesetzte Wendeschneidplatte hat vier effektive Schneiden. Es stehen zwei Abmessungen und fünf verschiedene Wendeschneidplattengeometrien für die unterschiedlichen Materialien und Bearbeitungsbedingungen zur Verfügung.
Drei neutrale Geometrien und zwei besonders weichschneidende positive Geometrien stellen für jede Bearbeitung die optimale Schneidengeometrie zur Verfügung. Sowohl für die Bearbeitung von Stahl- und Gusswerkstoffen wie auch von rost- und säurebeständigen Stählen sowie für die Zerspanung von Inconel- und Titanlegierungen sind diese Hochvorschubwerkzeuge eine prozesssichere und wirtschaftliche Alternative.