Betätigen eines Rollladens
Über den reinen Komfort hinaus verbessert die automatisierte und vernetzte Rollladensteuerung die Sicherheit und sorgt für eine höhere Energieeffizienz. (Quelle: Heroal)

Gebäudehülle

03. May 2022 | Teilen auf:

Gebäudeautomation: Privat vernetzt

(Mai 2022) Mit dem Smart Home erreicht die Digitalisierung den privaten Wohnbereich. Automatisierte und vernetzte Haustüren, Fenster, Schiebetüren oder Sonnenschutzeinrichtungen können dem Metallhandwerk neue Geschäftsfelder mit hoher Wertschöpfung erschließen.

Dem digital vernetzten Wohnen wird ein rasantes Wachstum vorausgesagt. Dabei handelt es sich nicht nur um intelligente Einzelsysteme, wie man sie mit der temperaturgeführten Heizungssteuerung oder der nach der Intensität des Sonnenscheins geregelten Verschattung bereits kennt. Stattdessen geht es um die Verbindung dieser Einzelkomponenten sowie ihre Programmierung und Steuerung in einem gemeinsamen System, das auch aus der Ferne bedient werden kann.

Das Resultat dieser Entwicklung ist das Smart-Home, das auch als intelligentes Wohnen (oder neudeutsch Ambient Assisted Living), eHome, Smart-Living oder Digital-Lifestyle bezeichnet wird. Diese etwas bombastischen Namen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen ernst zu nehmenden Trend mit erheblichem Marktpotenzial handelt. Denn neben der sicher auch vorhandenen technischen Spielerei lassen sich mit der Vernetzung wichtige Effekte im Hinblick auf die Energieeinsparung, die Sicherheit und den allgemeinen Lebenskomfort erzielen.

Beachten Sie die Unterschiede zwischen gewerblich und privat

Digitale Vernetzung ist im Bereich der Bürogebäude und gewerblichen Immobilien bereits längere Zeit verbreitet. Dabeigibt es jedoch in der Regel einen speziellen Fachplaner für die Gebäudeautomation, der ein zentrales Netzwerk konzipiert, dessen Programmierung und späterer Betrieb von einem Facility Manager oder einem externen Serviceunternehmen übernommen werden. Das Metallhandwerk muss eventuell elektronische Komponenten in Fenster, Türen oder Fassaden einbauen, hat aber kaum mit dem Anschluss und der Einrichtung der Steuerung zu tun, weil dieser Teil von Elektronikspezialisten erledigt wird.

Intelligente Vernetzung kann sehr klein sein: Die Öffnungs- und Verschlussüberwachung wird im Fensterfalz eingebaut und ist ein typisches Nachrüstprodukt. (Quelle: Schüco International)

Eine etwas andere Entwicklung deutet sich für das Smart-Home im privaten Wohnbereich an. Die Hersteller von beispielsweise Fenster- und Türsystemen, Fassaden oder Sonnenschutzeinrichtungen bringen zunehmend Lösungen auf den Markt, die die Möglichkeit der digitalen Vernetzung bereits mitbringen. Die Kommunikation der Geräte untereinander ist dabei in der Regel so gestaltet, dass mindestens die verschiedenen Komponenten eines Herstellers gemeinsam gesteuert werden können, also zum Beispiel die Rollläden, die Haustür und die Fenster ein und desselben Anbieters. Im günstigsten Fall wird ein offener Funkstandard verwendet, der dann auch eine Verständigung mit weiteren haustechnischen Komponenten von anderen Herstellern ermöglicht. Dann lassen sich beispielsweise auch eine Lichtsteuerung, die Heizungssteuerung sowie eine übergreifende Sprachsteuerung mit Alexa (Amazon Echo), Siri (Apple) oder dem Google Assistant integrieren.

Werden Sie ein moderner Arbeitgeber

Im Unterschied zum gewerblichen Bereich muss es also kein zentral geplantes und installiertes Gebäudenetzwerk geben, sondern die verschiedenen Komponenten können nach und nach installiert und in das Netzwerk einbezogen werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass es im Privatbereich keinen Facility-Manager gibt. Die Steuerung muss deshalb nicht auf dessen Computer zusammenlaufen, sondern lässt sich mit einer oder mehreren einfach zu bedienenden Apps auf dem Smartphone oder Tablet des Nutzers organisieren.

Diese Vereinfachungen des privaten Smart-Home gegenüber der gewerblichen Gebäudeautomation erleichtern dem Metallhandwerk den Zugriff auf dieses Marktsegment. Denn es wird eben kein ausgewiesener Softwarespezialist benötigt, um die Technik zu beraten und nach ihrer Installation einzurichten. Allerdings müssen sich die dafür vorgesehenen Mitarbeiter mit den Systemen beschäftigen, eventuell Schulungen beim jeweiligen Hersteller besuchen und ganz generell einen gewissen Spaß an digitaler Technik haben. Gerade junge Kollegen werden für diese Themen offen sein und das Handwerk dadurch als modernen, attraktiven Arbeitgeber erleben.

Der schlüssellose Zugang mit über das Smartphone gesteuerter Zutrittskontrolle erlaubt die Vergabe individueller Zutrittsberechtigungen. Der verdeckt liegende Einbau im Türfalz für eine harmonische Optik ist ureigenstes Metallbauhandwerk. (Quelle: Schüco International)

Für den Anschluss der automatisierten Komponenten an das Stromnetz wird eine Elektrofachkraft für ausgewählte Tätigkeiten im eigenen Haus oder die Zusammenarbeit mit einem Elektrofachbetrieb benötigt – aber dies trifft nicht allein für das Smart-Home zu, sondern für alle elektrisch angetriebenen Fenster oder Sonnenschutzsysteme.

Fazit: Nutzen Sie die Marktchancen beim Smart-Home

Gebäudeautomation ist unter dem Begriff Smart-Home inzwischen im privaten Wohnbereich angekommen. Die Hersteller bieten verschiedene Lösungen für die digitale und vernetzte Steuerung von Fenstern, Türen, Fassaden, Rollläden oder Sonnenschutzsystemen an, die mit Apps auf dem Smartphone oder Tablet gesteuert werden.

Es muss kein zentrales Netzwerk geplant werden, stattdessen lassen sich die einzelnen Lösungen Zug um Zug einrichten und bei gleichem Kommunikationsstandard auch untereinander verbinden. Dadurch kann mit einer gewissen Schulung auch das Metallhandwerk diese modernen Lösungen anbieten und muss das Geschäft nicht anderen Gewerken überlassen. Das dürfte künftig wichtig werden, weil sich bestimmte Aufträge digitalaffiner und zumeist junger privater Kunden eventuell gar nicht mehr anders akquirieren lassen.

zuletzt editiert am 03.05.2022