Dünnglas-Scharnier
Konzeptionelles Design eines Dünnglas-Türscharniers. Foto: Peters

Gebäudehülle 2018-10-02T00:00:00Z Glas: Multifunktional und interaktiv

Die Funktionalität von Gläsern geht längst weit über die bewährten Basiseigenschaften dieses transparenten Werkstoffes hinaus. Die Glasstec 2018 in Düsseldorf präsentiert vom 23. bis 26. Oktober 2018 marktreife Innovationen und kühne Visionen.

Wie schnell eine neue Technologie unser Leben zu verändern weiß, haben uns die Digitalisierung und damit verbunden der unvergleichbare Siegeszug der Smartphones und Tablets vorgemacht. Das Dünnglas spielte dank seiner Toucheigenschaften hierfür eine entscheidende Rolle – und legte die Basis für die weitere Entwicklung multifunktionaler und interaktiver Eigenschaften, wobei die Grenzen des Machbaren noch lange nicht ausgeschöpft sind. Der Werkstoff Glas wird künftig bei der regenerativen Energiegewinnung, im Gebäudemanagement, in der Medizin- und Biotechnik, im Entertainment und Gesundheitswesen sowie im Verkehrssektor eine aktive und vielseitige Rolle spielen. Wie das gehen kann und was heute schon geht, ist auf der Glasstec 2018 in Düsseldorf zu sehen.

Die Funktionen und Eigenschaften von Gläsern stehen vor einem fundamentalen Wandel, der aus dem passiven Werkstoff oder Produkt ein multifunktionales und interaktives Medium macht, das sowohl in der Architektur, im Automotivbereich als auch in vielen anderen Hightech-Sparten wiederum gravierende Veränderungen und Entwicklungen hervorbringen wird. Sehr deutlich wird dies an modernen Glasfassaden, bei denen es nicht mehr länger nur um optimale Wärme- und Schallschutzwerte geht, sondern deren Oberflächen durch entsprechende Applikationen und Beschichtungen manuell, automatisiert oder über Sensoren aktivierbar sind. Mit den schaltbaren und Licht aussendenden Gläsern sind die ersten Anwendungen bereits marktreif, die fortschreitende Digitalisierung schafft ein immer größeres Interesse für Medien- und Informationsscreens und die Energiewende forciert Gläser und Scheiben zu Energiewandlern und Energiespeichern. Die Integration von Sensoren bindet Gläser in Steuerzentralen und Gebäudeautomationssysteme ein – ebenso wie der Regensensor in der Frontscheibe eines Kraftfahrzeugs den Scheibenwischer in Bewegung versetzt, regeln Temperatur- und Feuchtesensoren in Glasfassaden das Raumklima, vermitteln Lichtsensoren zwischen Tages- und Kunstlicht oder warnen Witterungs- und Bewegungssensoren vor Schäden und Einbruch.

Multifunktionales Glas verändert den Alltag

Flexible Lichtleiter für Akzente im Innenraum
Automotive Multi Light: Flexible Lichtleiter für Akzente im Innenraum. Fotos: Schott

In naher Zukunft werden wir auf der Frontscheibe unserer selbstfahrenden Autos die Navigation steuern, uns die Fahrzeit mit Spielfilmen verkürzen, interaktiv Nachrichten abrufen oder E-Mails schreiben. Architektur und Technik werden dank multifunktionaler und interaktiver Gläser ebenso miteinander verschmelzen wie das Design von Konsumgütern mit deren Funktion – sei es bei Bus, Bahn oder Flugzeug, im Haushalt, dem Freizeitsektor oder in der Multimediabranche. Smartphones und Tablets werden gemeinsam mit interaktiven Gläsern als Steuerzentrale für verschiedenste Anwendungen und Produkte dienen – schon heute regeln die installierten Apps die mit der Gebäudeautomation vernetzten Komponenten vom Sonnenschutz über die Heizanlage bis hin zur Beleuchtung u.v.m.

Besseres Ressourcenmanagement und mehr Sicherheit

Ebenso wie multifunktionale Glasfassaden und Fensterscheiben die Architektur beeinflussen und gebäudetechnische Konzepte verändern, schicken sich Bodenbeläge aus Panzerglas-Panels an, die Verkehrssicherheit an kritischen Punkten auf bislang ungewohnte Weise zu erhöhen, indem die in das Glas eingebauten und von Solarzellen gespeisten LED bei Tag und Nacht die Fahrbahn markieren, bei Bedarf die Farbe wechseln oder an Gefahrenstellen blinken. Zudem könnte der mit den Panels erzeugte Solarstrom die Speicher umliegender Haushalte versorgen.

Dielektrisches Spiegelglas
Dielektrisches Spiegelglas. Foto: Frank Weber, Guardian Glass Europe

Somit vermag multifunktionales Glas in der Architektur, im Städte- und im Straßenbau das Ressourcenmanagement von Gebäuden, Kommunen und im Verkehrssektor nachhaltig zu verbessern, singuläre „passive“ Produkteigenschaften durch adaptive und interaktive Funktionalitäten zu erweitern und zugleich gestalterisch zu wirken. Hinzu kommen das „Upscaling“ – also der Trend zu immer größeren Scheiben – und andere technologische Entwicklungen im konstruktiven Glasbau und der Fügetechnik, speziell durch Kleben. In Kombination mit den Touch-Eigenschaften erlangt der moderne Werkstoff Glas durch seine vielseitigen und flexibel nutzbaren Funktionalitäten eine hohe Bedeutung, um künftigen Herausforderungen und Ansprüchen an eine gedeihliche Zukunft gerecht zu werden. Zu beachten ist in dem Zusammenhang die Dauerhaftigkeit, das Reparatur- und Selbstheilungsvermögen (insbesondere bei großformatigen Gläsern) sowie die Zerlegbarkeit der einzelnen Schichten und Elemente im Sinne der Wiederverwertung nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip.

Visionen werden Realität

Lichtleiter
Lichtleiter erobern das Interior Design – man kann sie in Möbel, Fußböden oder Aquarien einarbeiten oder sie wie in diesem Beispiel als beleuchteter Raumtrenner einsetzen. Foto: Schott

Welches Material außer Glas ist schon in der Lage, seine spezifischen und ureigensten Eigenschaften wie die Transparenz zu ändern, vor chemischen und mechanischen Einwirkungen zu schützen und als Trägermaterial für verschiedene funktionale Schichten zu fungieren ohne seine Optik, Haptik und Grundfunktionen einzubüßen? In naher Zukunft werden Fensterscheiben das TV-Gerät ersetzen, die Leuchten durch blendfreies Kunstlicht ergänzen und wärmebrückengefährdete Rollladenkästen überflüssig machen. Was sich vielleicht für manchen noch wie eine ferne Vision anhört, findet längst in den Entwicklungslaboren der Universitäten und Hersteller statt – die entsprechenden Prototypen sind auf der Sonderschau „glass technology live“ in Halle 11 auf der Weltleitmesse Glasstec in Düsseldorf vom 23. bis 26. Oktober zu sehen.

Messe-Steckbrief

Vom 23. bis 26. Oktober findet in Düsseldorf mit der Glasstec 2018 die Weltleitmesse rund um den Werkstoff Glas statt.

In 2016 zählte die Messe 40.105 Besucher aus 121 Ländern, denen wiederum 1.237 Aussteller aus 52 Ländern ihre neuesten Produkte, Maschinen, Entwicklungen und Visionen präsentierten. Was die Messe für die Aussteller besonders interessant macht, ist die hohe Anzahl an Entscheidungsträgern unter den Fachbesuchern, von denen drei Viertel aus dem gehobenen bis Top-Management stammen und die mit konkreten Investitionsabsichten zur Glasstec kommen oder auf der Suche nach neuen Lieferanten sind. Für die Fachbesucher zählen die qualifizierten Kontakte, die geballte Demonstration an Innovationskraft und der visionäre Ausblick auf künftige Entwicklungen und Geschäftsfelder.

Dafür steht die Sonderschau „glass technology live“ in Halle 11, welche zum ersten Mal von einem universitären Netzwerk organisiert wird. Dazu gehören die TU Darmstadt, die TU Delft, die TU Dresden und die TU Dortmund. In den Schwerpunktthemen Interaktive Fassaden/Display Glas, Energie und Performance, Konstruktives Glas (massives Glas/Dünnglas) werden hier innovative Lösungen nebst zukunftsgerichteten Technologien vorgestellt. In Halle 10 verbinden die unter der Dachmarke „glasstec conference“ zusammengefassten Konferenzen die Theorie mit der Praxis.

(Quelle: Glasstec, Claudia Siegele)

zuletzt editiert am 26. April 2021
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