Glasgeländer spielen eine zentrale Rolle in der modernen Architektur, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Als Vertriebsleiter Glasbeschlag bei der Bohle AG erläutert Sebastian Till im Interview, worauf es technisch ankommt und wo die Entwicklung hingeht.
Welche Rolle spielen Glasgeländer in der modernen Architektur im Innen- und im Außenbereich?
Glasgeländer spielen eine zentrale Rolle. Sie verbinden Ästhetik mit Funktionalität und sorgen für eine offene, lichtdurchflutete Gestaltung. Sie ermöglichen eine visuelle Weite, lassen Räume größer wirken und sorgen für eine nahtlose Integration in verschiedene Architekturstile.
Wie vereinen Glasgeländer Sicherheit und Ästhetik, und welche Vorteile bieten sie gegenüber anderen Materialien?
Glasgeländer vereinen Sicherheit und Ästhetik durch ihre transparente, leichte Optik und gleichzeitig hohe Stabilität. Zudem tragen sie zur Sicherheit bei, ohne die Sicht zu versperren. Sie bestehen meist aus Sicherheitsglas, das extrem belastbar ist und im Falle eines Bruchs keine scharfen Kanten bildet. So gewährleisten sie einen zuverlässigen Schutz, ohne die Sicht oder das Raumgefühl zu beeinträchtigen.
Im Außenbereich sind Glasgeländer durch ihre Witterungsbeständigkeit und Pflegeleichtigkeit eine langlebige Alternative zu herkömmlichen Materialien wie Metall oder Holz. Zusätzlich ergeben sich individuelle Gestaltungsmöglichkeiten durch den Einsatz unterschiedlichster Gläser, wie zum Beispiel Klarglas, Milchglas, getöntes oder bedrucktes Glas, die zahlreiche Designoptionen bieten.
Welche technischen Anforderungen und Normen müssen Glasgeländer erfüllen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten?
In Deutschland gibt es Last-Anforderungen an Glasgeländer, die je nach Anwendungsbereich variieren. Im Privatbereich ist in der Regel eine Holmlast von 0,5 kN/m ausreichend. Im öffentlichen Bereich liegt die Anforderung zwischen 1,0 und 2,0 kN/m, je nach zu erwartendem Verkehrsaufkommen. In öffentlichen Bauten mit erhöhter Personenanzahl, wie Einkaufszentren oder Stadien, gilt 2,0 kN/m als erforderliche Holmlast.
Mit unseren Systemen der „VetroMount“-Serie können wir diese Anforderungen komplett abdecken und haben selbstverständlich alle erforderlichen Prüfungen und Prüfnachweise, also Zulassungen.

Wie beeinflussen verschiedene Glasarten und Befestigungssysteme die Stabilität und Optik eines Glasgeländers?
Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass nur Verbund-Sicherheitsgläser (VSG) mit entsprechend den Zulassungen und normativen Anforderungen gegebenen Sicherheitsanforderungen verbaut werden dürfen. Hierbei ist VSG aus ESG oder TVG in den erforderlichen Dicken das marktübliche Glaserzeugnis.
Den gestalterischen Kundenwünschen kann mit zugelassenen Farbfolien, Foliendrucken oder keramischen Drucken in der Zwischenlage des VSG viel Spielraum gegeben werden.
Die Befestigungsmittel sind je nach Untergrundbeschaffenheit und Befestigungsart zu wählen, haben aber auf das Erscheinungsbild des Geländers in der Regel keinen Einfluss, da diese in unserem System nicht sichtbar sind. Vorteilhaft bei unserem System ist, dass wir unsere Zulassungen alle mit einem simplen Befestigungssystem (Betonschrauben) getestet und zugelassen haben. Somit darf, sofern es erforderlich ist, immer ein passendes gleich- oder höherwertiges Befestigungssystem verwendet werden.
Gibt es spezielle Beschichtungen oder Behandlungen, die Glasgeländer widerstandsfähiger gegen Witterung und Abnutzung machen?
Die Ganzglasgeländerprofile unseres „VetroMount“-Systems bestehen aus Aluminium mit einer 200 µm starken Eloxalschicht und sind somit auch vor extremen Witterungseinflüssen in Küstennähe ausreichend korrosionsbeständig. Auch Pulverbeschichtungen können vor Witterung und Korrosion zusätzlichen Schutz bieten.
Die VSG-Gläser sollten an der Oberkante stets mit einem Kantenschutz oder Handlauf versehen werden, um dauerhafte Nässeeinwirkung durch stehendes Wasser auf die Folienschicht aus PVB zu vermeiden und so einer Delamination des VSG vorzubeugen. Zudem schützt dies die empfindlichere Glaskante vor stoßartigen Einwirkungen.
Auch die Glasflächen können mit geeigneten Beschichtungen vor langfristiger Glaskorrosion geschützt werden, zum Beispiel mit unserer Glasbeschichtung „BriteGuard Pro“.

Wie entwickelt sich das Design von Glasgeländern weiter, und welche Trends sehen Sie aktuell in der Branche?
Der Trend geht hin zu fast unsichtbaren Glasgeländern mit dezenten oder vollständig in Boden und Wände integrierten Befestigungen. Diese Designs betonen die Transparenz und schaffen eine nahtlose Optik, die besonders in modernen Gebäuden gefragt ist. Glas wird zunehmend mit matten, strukturierten oder bedruckten Oberflächen versehen, um gestalterische Akzente zu setzen. Zudem gewinnt der Einsatz von Photovoltaik-Anlagen in Glasgeländern zunehmend an Bedeutung.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Montage und Wartung von Glasgeländern, und wie können diese effizient gelöst werden?
Eine der größten Herausforderungen bei der Montage von Glasgeländern ist es, die häufig am Bauobjekt bestehenden Abweichungen und Toleranzen auszugleichen. Unser System bietet mit der patentierten Lagerungsart der Gläser eine werkzeuglose und stufenlose Neigungseinstellung der Gläser, bequem von einer Seite, ohne auf der Absturzseite arbeiten zu müssen. Auch für weitere Problemstellungen wie Profil- und Oberflächenentwässerung haben wir einfach umsetzbare Lösungen entwickelt.
Wie wird sich der Markt für Glasgeländer in den kommenden Jahren entwickeln, und welche Innovationen erwarten Sie?
Der Markt für Glasgeländer wird sich in den kommenden Jahren durch technologische Innovationen weiterentwickeln. Dazu zählen SmartGlass, Switch-Glass, LED-Beleuchtungskonzepte sowie nachhaltige und umweltfreundliche Systeme mit recyceltem Glas. Individuell bedruckte oder gravierte Glasoberflächen werden stärker nachgefragt, um personalisierte Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten.
Vita
Sebastian Till
Sebastian Till begann 2010 als dualer Bachelor-Student bei der Bohle AG und übernahm anschließend von 2015 bis 2019 die Position des Produktmanagers am Hauptsitz in Haan. Von 2019 bis 2023 leitete er als Geschäftsführer die Bohle-Niederlassung in Südafrika, bevor er 2023 die Verantwortung für das Niederlassungsmanagement am Hauptsitz übernahm. Seit September 2024 ist er als Vertriebsleiter Glasbeschlag bei der Bohle AG tätig und trägt somit auch die Vertriebsverantwortung für den gesamten Geländerbereich.