Herwig Bretis von Art Engeneering beschrieb, wie er mit Hilfe der Microsoft HoloLens, einer Mixed-Reality-Brille, komplexe Bauteile aus vielen Einzelteilen zusammensetzen kann. Foto: Hahner Technik
Herwig Bretis von Art Engeneering beschrieb, wie er mit Hilfe der Microsoft HoloLens, einer Mixed-Reality-Brille, komplexe Bauteile aus vielen Einzelteilen zusammensetzen kann. Foto: Hahner Technik

Branchen-News

02. December 2021 | Teilen auf:

Willkommen in der Welt des Stahls

(Dezember 2021) Die Veranstaltung bei Hahner Technik war geprägt von Vorträgen direkt aus der Praxis, Diskussionen zwischen den Teilnehmern aus Stahl- und Metallbau, Statik, Planung und Architektur. Das Stahlbau-Unternehmen mit rund 170 Mitarbeitern gruppenweit bot außerdem in einer Werksführung interessante Einblicke in aktuelle Projekte und Herausforderungen in Werkstatt und Montage.

„Uns erwarten spannende zwei Tage“, begrüßte Geschäftsführer Bernhard Hahner seine rund 40 Gäste zur ersten Ausgabe der Stahlbau-Infotage am Standort von Hahner Technik in Petersberg-Böckels. Karsten Zimmer, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Metall (BVM), beantwortete im Podiumsgespräch die Fragen aus dem Publikum und der beiden Hahner-Mitarbeiter aus Vertrieb und Projektleitung Ramona Schmidt und Mario Röhrig. Hierbei ging es um den Umgang mit Normen, Ausführungsklassen, bauaufsichtlichen Anforderungen im Stahlbau und Vertragsgestaltungen mit Auftraggebern und Statikern. 

„Jeder Stahl hat das Recht auf Zink“

Über die Nachhaltigkeit und die Brandschutz-Eigenschaften von feuerverzinkten Bauteilen berichtete Volker Hastler, Leitung Zinq-Manufaktur in seinem Vortrag. Unter dem Stichwort „Urban Mining“ zeigt er den Weg zur Wiederverwendbarkeit auch von feuerverzinkten Bauteilen auf. Diese können entzinkt werden und finden, neu mit Zink beschichtet, ihre Bestimmung. Zur Nachhaltigkeit trägt außerdem maßgeblich bei, dass nach neuesten Kenntnissen durch die Zinkschicht von Bauteilen CO2 gebunden wird. Sebastian Mels vom Chemieunternehmen Sika erläuterte unter anderem am Beispiel der Stadt-Bibliothek in Bad Vilbel, wie Stahlbauer den Brand- mit dem Korrosionsschutz vereinbaren können. Eine wichtige Rolle für den Erhalt der Bauteile spielt die Wartung und richtige Pflege. 

Besondere Kunstobjekte, die teilweise in Zusammenarbeit mit Hahner Technik verwirklicht wurden, stellte Herwig Bretis von Art Engeneering vor. Er beschrieb außerdem, wie er mit Hilfe der Microsoft HoloLens, einer Mixed-Reality-Brille, komplexe Bauteile aus vielen Einzelteilen zusammensetzen kann. Die Brille konnten die Teilnehmer während der Abendveranstaltung in der Stahlbau-Halle an einem der aktuellen Projekte von Hahner Technik selber testen. Den Teilnehmern wird vermutlich ein Objekt in Erinnerung bleiben, das durch Innenhochdruck-Umformung entstand und so sehr ungewöhnliche, runde Formen entwickeln kann. 

Alle Vorträge wurden von einer Zeichnerin übersichtlich zusammengefasst. Dieses Bild zeigt den Vortrag über Brandschutz mit verzinkten Bauteilen. Foto: Hahner Technik

Materialschlüssige Verbindungen im Stahlbau

Der Vortrag von Bernhard Hahner stellte seine Unternehmensgruppe Hahner Technik vor, zu der weiterhin der Stahlbau sowie unter anderem auch der Metallbau-Betrieb Wolf Metallbau und der Feinwerkmechanikbetrieb Texmer gehören. Kürzlich dazu gekommen ist Alpaka Innovation, eine Ideenschmiede für die Realisierung von Ideen und Innovationen aus der Gruppe, um daraus marktreife Produkte zu entwickeln. Er berichtete über aktuelle und vergangene Projekte und die Lösungen, die er mit seinem Team entwickelt hat. 

„Über Digitalisierung können wir uns Zeit einkaufen, die wir dafür verwenden können, kreativ zu sein“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Julian Lienhardt (Partner Structure Lightweight Design) in seinem Vortrag zu parametrischen Konstruktionen. Er berichtete über die Entwicklung von Profil-Knoten und materialschlüssige Verbindungen im Stahlbau, bei denen möglichst wenig Material verbraucht wird. Als Beispiel nannte er den Bau, die Herausforderungen und Lösungen des Saurierpark Mitoseum in Bautzen, das gemeinsam mit Hahner Technik entstanden ist. Er gab für einen Blick in die Zukunft von parametrischen Konstruktionen Einblicke in seine Forschung und Entwicklung. Vom Atelier Leichtbaukunst und als Initiator des Netzwerks Textile Architektur sprach Dr.-Ing. Lars Meeß-Olsohn über die Möglichkeiten, Schraubfundamente und Textil im Bau einzusetzen. Er stellte etliche, bereits umgesetzte Projekte vor und gab Einblicke in die Planung der Bauprozesse. 

In der Werksführung boten sich interessante Einblicke in aktuelle Projekte und Herausforderungen in Werkstatt und Montage des Stahlbau-Unternehmens. Foto: Hahner Technik

Die Bauten von heute sind die Minen von Morgen

Nachhaltiges Bauen als neues Normal stellte Dr. Christine Lemaitre vor. Sie ist geschäftsführender Vorstand der DGNB. Sie rief dazu auf, die Gebäude, die heute geplant werden, besonders unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu betrachten, aber dennoch mit Ruhe, Systematik und Planung vorzugehen. Die DGNB bezieht in die Lebenszyklusbetrachtung die Gesamtheit eines Gebäudes ein und betrachtet die Ganzheitlichkeit der Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles bei der Bewertung. Die Gesellschaft entwickelt derzeit ein System, das die Möglichkeit des Rückbaus von Gebäuden bewertet. Die Kosten für den Rückbau werden künftig in die Betrachtung des Lebenszyklus einbezogen. „Sie alle waren ein super aufmerksames Auditorum“, verabschiedete Bernhard Hahner begeistert seine Gäste. Diese erste Veranstaltung werteten die Teilnehmer und Organisatoren als erfolgreichen Auftakt, in Kontakt zu bleiben und das Netzwerk zu nutzen um über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. 

zuletzt editiert am 02.12.2021