Schiebetor mit Lochblech
Das Lochblech am Zaun verhindert ein Durchgreifen durch die Stäbe und so einen Unfall beziehungsweise eine Verletzung beim Fahren des Tores. (Quelle: Markus Hein)

Metallkonstruktionen

23. August 2022 | Teilen auf:

Hofschiebetore: Freitragend und ohne Stolpern

(August 2022) Nach wie vor werden Hofschiebetore häufig von Metallbaubetrieben hergestellt. Der Trend geht dabei zu freitragenden Konstruktionen. Sie verzichten auf ein Bodenprofil und bieten so eine unterbrechungsfreie Durchfahrt.

Der Standard für die Hofzufahrt ist das Schiebetor. Platzprobleme, wie sie in Innenräumen vorkommen, gibt es selten und der Raum vor und hinter dem Tor bleibt frei – ein Vorteil gegenüber Drehflügeltoren. Zudem lassen Schiebetore auch große Durchfahrten zu: 16 Meter sind kein Problem, als gegenläufige Anlage sind mehr als 32 Meter lichte Breite möglich. Das reicht auch für große Industrieanlagen. Als Grundstücksabschluss sind Schiebetore nicht nur für Industrieareale üblich, auch bei kleineren Betrieben und als Zufahrt auf Privatgrundstücke dominieren sie. Ob privat oder gewerblich, im Regelfall übernimmt das Tor auch eine Sicherheitsfunktion (Zugangsschutz). Neben den notwendigen Schließteilen bietet sich dafür eine Zackenleiste auf dem Tor als Übersteigschutz an. Außerdem gehört in den meisten Fällen ein elektrischer Antrieb dazu, vor allem bei großen Toren. Bei der Planung geht es also nicht nur um die passende Größe, sondern auch um die Ausstattung.

Konstruktiv sind freitragende von auf einer Bodenschiene geführten Schiebetoranlagen zu unterscheiden. Freitragende Versionen sind mittlerweile populärer, da sie weniger Fundamentarbeiten verursachen, die Führungsschiene nicht montiert werden muss und das Tor auch bei Eis, Schnee oder viel Schmutz auf dem Boden störungsfrei läuft. Zudem wird die Durchfahrt nicht durch die Schiene behindert.

Planen Sie höhere Antriebskräfte

Schiebetor in eienr Zaunanlage
Hier ist der Antrieb hinter den Pfosten gesetzt. Dadurch bleibt die gesamte Pfostenlichte für die Durchfahrt erhalten. (Quelle: Frank de Blijen)

Für Planung und Bau des Schiebetores gilt es zunächst, die technischen Daten genau zu definieren. Dazu zählen Tragkraft, Profilabmessungen der Torkonstruktion, der Freiraum hinter der Öffnung und die auf die Torgröße abgestimmten Beschläge. Exakte Montage ist ebenso Voraussetzung für ein lange funktionsfähiges Tor. „Werden beispielsweise Rollenbockabstände oder Auflaufböcke nicht korrekt umgesetzt, entstehen extreme Kräfte, für die das System nicht ausgelegt ist. Dann drohen schnell Folgeschäden“, warnt Markus Hein, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Fachgebiet aus Wörrstadt.

Im einfachsten Fall wird ein Schiebetor manuell bedient, doch häufiger sind sie mit einem Antrieb ausgestattet. Dieser sitzt entweder nicht sichtbar im Führungspfosten oder ist vor oder hinter diesem platziert. Die pfostenintegrierte Variante ist zugleich ein optimaler Witterungsschutz. Achtung, liegt der Antrieb zwischen den Pfosten, ist die Pfostenlichte größer als die Durchfahrtsbreite – ein wichtiges Planungsdetail, gerade bei engen Durchfahrten. Bei der Wahl des Antriebes kommt es auch auf dessen Kraft an: Freitragende Tore benötigen mehr Antriebskraft als bodengeführte. Markus Hein rät, die Leistung der freitragenden Tore mindestens 25 Prozent höher auszulegen als bei vergleichbaren Anlagen, die bodengeführt sind.

Sorgen Sie für Komfort

Grafik zu Schließkräften
Bei der Gefährdungsbeurteilung ist besonders auf die maximal zulässigen Betriebskräfte zu achten. Dies regelt die Norm DIN EN 12453. Die Grafik zeigt die maximal zulässigen Kräfte und zulässigen Zeiten im dynamischen und statischen Bereich. (Quelle: Markus Hein)

Die Steuerung des Antriebs erfolgt am komfortabelsten per Fernbedienung via Handsender. Damit lässt sich das Tor bequem aus dem Fahrzeug öffnen. Müssen viele Personen Zugang erhalten, bieten sich andere Lösungen an, gegebenenfalls zusätzlich: Öffnen und Schließen des Tores über Codeschloss, Schlüsseltaster oder Transponder-Schlüssel. Eine Induktionsschleife mit Detektor kommt in erster Linie als Option für die Ausfahrt infrage. Mit einer Zeitschaltuhr lässt sich die Öffenbarkeit über den Tag regeln, beispielsweise auf die Geschäftszeiten angepasst. Mittlerweile sind auch smarte Module verfügbar, die die Steuerung des Tores über Handy oder Tablett zulassen.

Für Sicherheit beim Betrieb sorgen Lichtschranken oder (mit höherem Schutzniveau) Lichtgitter, die den Torraum auch über die Höhe überwachen und bei einer Unterbrechung des Lichts den Torlauf stoppen. Eine Warnleuchte auf dem Führungspfosten erhöht die Sicherheit.

Prüfen Sie Partnerschaften für die Elektroinstallation

Poträtfoto von Markus Hein
„Dimensionieren Sie die Antriebskraft für ein freitragendes Tor rund 25 Prozent höher als bei einem vergleichbaren bodengeführten Tor“, sagt Markus Hein, ö.b.u.v. Sachverständiger für Toranlagen, Automatiktüren, Schrankenanlagen, Feuerschutzabschlüsse, Polleranlagen. (Quelle: Markus Hein)

Für die Installation der Antriebe gibt es die Wahl zwischen „Plug and Play“, also einer vorinstallierten Elektroleitung und der Selbstmontage. Um die Kabel einfach in der Toranlage unterbringen zu können, sind große Torportale von Vorteil – das ist zugleich eine optisch elegante Lösung.

Übernimmt der Metallbaubetrieb die Elektroarbeiten (inklusive Inbetriebnahme), wird er zum Lieferanten einer Maschine und es gilt die Maschinenrichtlinie. Zudem ist der Betrieb dadurch verantwortlich für Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Antriebe und der Sensorik. „Der Metallbauer hat eine Gefährdungsbeurteilung aller Gefahrenstellen aufzustellen. Mit Kraftbegrenzern – antriebsintegriert oder über Kontaktleisten – und Lichtschranken sind diese Gefahren dann zu sichern“, erklärt Markus Hein. Ebenso ist auf weitere Gefahrenstellen zu achten, wie Nebenschließkanten im Zaunfeld. Geeignete Sicherungen sind Lichtgitter oder ein Eingreifschutz zum Beispiel mit einem Lochblech.

Elementar bei jeder Montage ist die normkonforme Dokumentation. „Es ist unbedingt an die CE-Kennzeichnung zu denken, um auf der sicheren Seite zu sein“, weiß Markus Hein. Ein fehlendes Kennzeichen kann zur Stilllegung des Tores führen. Hein: „Solche Fehler sind schon bekannt geworden, weil ein Rechtsstreit aufgrund eines nicht passenden Farbtons angestrengt wurde. Da Sachverständige dann oft die gesamte Anlage zu prüfen haben, können schon durch kleine Auslöser weitreichende Folgen entstehen.“

Die Kooperation mit einem Elektrofachbetrieb ist eine überlegenswerte Alternative, um die sach- und fachgerechte Installation sicherzustellen. Wer die Euro-Tornormen einhalten will, kann auch auf einen Industriepartner setzen, der dann CE-Kennzeichen und die Dokumentations-Vorlage liefert.

Übergeben Sie auch die Verantwortung

Mit der Übernahme und der Inbetriebnahme des Tores übernimmt der Betreiber auch die Verantwortung für die Anlage. Doch Sie müssen Ihren Auftraggeber nicht allein lassen: Mit einem Wartungsvertrag bieten Sie ihm Service nach dem Einbau und Sicherheit für den Betrieb – und sorgen zugleich für dauerhafte Grundauslastung Ihres Unternehmens.

Fazit:

Wählen Sie Schiebetore

Als Grundstückszufahrt bewähren sich Schiebetore. Der Trend geht zu freitragenden Konstruktionen: Auch diese Torart gibt es für breite Öffnungen und sie verzichten auf eine Schiene im Boden. Wer das Tor nicht in der eigenen Werkstatt fertigen will, kann auf ein umfangreiches Angebot der Industrie zurückgreifen.

Wo Sie mehr erfahren

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema „Tore“ ist in den Bänden 1 bis 5 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de.

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik im Kapitel 2.27.1.1 Hofschiebetore. Im Fachregelwerk ist auch die Arbeitsstättenrichtlinie ASR A 1.7 und die Unfallverhütungs-Vorschrift DGUV 208 im Volltext erhalten. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder Mo.-Fr. von 7:30 bis 17:00 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Viele Definitionen von Begriffen des Metallbaus finden Sie unter www.mt-metallhandwerk.de/Lexikon.

Norm: Voraussichtlich im Herbst 2022 erscheint die aktualisierte Tornorm DIN EN 12453 Nutzungssicherheit kraftbetätigter Tore, Anforderungen und Prüfverfahren. Denken Sie schon jetzt an die Weiterbildung zur neuen Norm!

Achten Sie auf die Breite

Platzprobleme für Schiebetore sind als Hofabschluss selten. Doch auch dabei kann es vorkommen, dass zum Öffnen des Tores der Platz neben der Durchfahrt nicht ausreicht. Für diese Fälle gibt es teleskopierte Lösungen. Damit sind rund vierzig Prozent Platzersparnis möglich.

Zudem ist auf die Angaben zur Durchfahrtsbreite zu achten: Die Pfostenlichte ist bei einigen Toren größer als die reale Durchfahrtsbreite, weil Anbauteile wie Sicherheitskontaktleisten oder Einlaufgabeln die tatsächliche Durchfahrtsbreite in manchen Fällen reduzieren. Das kann bis zu dreißig Zentimetern ausmachen.

zuletzt editiert am 23.08.2022