150219 Industriebau Brücke
In Ulm baute Seeberger ein neues Hochregallager und Verwaltungsgebäude. Highlight ist die Verbindungsbrücke zwischen Alt- und Neubauten. Foto Freyler

Gebäudehülle 2015-02-19T00:00:00Z Industriebau: Maßgeschneiderte Fassadenkonstruktion

Die Firma Seeberger ist bekannt für ihre Trockenfrüchte und Nüsse sowie Kaffeespezialitäten. Am Hauptsitz in Ulm entstanden jetzt ein neues Hochregallager mit einer Kapazität von etwa 23.000 Palettenplätzen, zusätzliche Büroflächen und ein Labor. Highlight ist die imposante Verbindungsbrücke zwischen Alt- und Neubau über eine öffentliche Straße hinweg. Geplant und realisiert wurde der Gebäudekomplex von „kab architekten“, die filigranen Glas-Alu-Fassaden sind in Zusammenarbeit mit Freyler Metallbau entstanden.

Neben dem riesigen Hochregallager wurde ein dreigeschossiger Trakt mit Büros und Laboren realisiert, der sich in späteren Bauabschnitten einfach erweitern lässt und dann einen L-förmigen Grundriss erhält. „Aufgrund unterschiedlicher Nutzungen der einzelnen Etagen besitzt der Verwaltungsbau drei unterschiedliche Geschosshöhen. Damit dies nach außen hin nicht sichtbar ist, haben wir für die Eingangsfront eine Pfosten-Riegel-Fassade gewählt“, berichtet Helge Clauß, verantwortlich für den architektonischen Entwurf bei KAB Architekten. „So konnten wir einen ruhigen, flächigen Ausdruck erzeugen und optisch die Geschosshöhen gleichmäßig darstellen.“

Zur Umsetzung der Fassade wurde Freyler Metallbau beauftragt, die die technische Konstruktion gemeinsam mit den Architekten durchplanten und die präzise vorgefertigten Teile auf der Baustelle termingerecht montierten. Die Pfosten-Riegel-Fassade ist komplett durchgezogen, läuft vor der Attika entlang und endet direkt am Himmel – nach oben hin ist kein Rohbauabschluss sichtbar. Zwischen den Fensterbändern verlaufen horizontal jeweils schwarze Glaspaneelen.

Das neue Baugrundstück ist von dem des Bestandsbaus durch eine Straße getrennt. Dieses logistische Problem lösten die Planer clever mit einer hundert Meter langen und vier Meter breiten, straßenquerenden Brückenkonstruktion, die beide Gebäudekomplexe miteinander verbindet. Im Inneren befinden sich zwei Fahrspuren sowie ein Gehweg.

Optisch erscheint die Brücke elegant und filigran, das Glas ist in voller Höhe bis auf die Attikahöhe durchgezogen. „Die Tragkonstruktion aus Stahl mit ihrem Zickzack-Profil sollte durch das Glas hinweg zu sehen sein, und zwar in ihrer Gesamtheit, nicht angeschnitten“, erklärt Helge Clauß den architektonischen Entwurf. „Zudem wollten wir die Horizontalen betonen, um die Bewegung der automatischen Transportfahrzeuge und der Personen zu unterstreichen. Daher haben wir uns für liegende Glasformate entschieden und die Vertikalprofile leicht zurückgenommen.“ Auch die farblich anpassbare LED-Beleuchtung hinter der Fassade am oberen Rand betont diese Horizontalbewegung.

 „Herausforderung waren die große Durchbiegung sowie Schwankungen und Verformungen im laufenden Betrieb, die auf die Brücken-Konstruktion einwirken“, berichtet Wolfgang Adelhelm, verantwortlich für den konstruktiven Entwurf/AVA. „Dabei bewegt sich der lange Steg in drei Dimensionen: Durch thermisches Dehnen und Zusammenziehen in der Länge, durch die Windlasten, die zu einem seitlichen Versatz führen und durch den Transport hoher Lasten der Flurförderzeuge, der eine Bewegung nach oben und unten verursacht.“ Genau dies mussten die Fassadenanschlüsse aufnehmen können, denn die Brücke steht nur auf acht eingespannten Stützen und wirkt dadurch wie frei schwebend.

Für die technische Detailplanung und Umsetzung dieser Konstruktion haben die Architekten ebenfalls mit den Metallbauspezialisten von Freyler zusammengearbeitet. Gemeinsam wurde überlegt, wie sich die elegant filigrane Optik und gleichzeitig hohe Tragfähigkeit der Brücke vereinen lassen. “Um Bewegungs-Toleranzen auszugleichen, haben wir die Fassade von oben abgehängt“, erklärt Stefan Gauss, der verantwortliche Projektleiter von Freyler. „Die Pfosten-Riegel-Konstruktion hängt jetzt an Kragarmen, was die notwendige Flexibilität gewährleistet.“ Das Glas wurde zudem als Sicherheits- und Sonnenschutzglas ausgeführt.

Die Bauphase der Brückenkonstruktion vor Ort dauerte nur etwa zwei Monate. Der Stahlbau war in drei Teilen vorgefertigt, wurde auf der Baustelle zusammengeführt und dann in einer spektakulären Aktion eingehoben. Anschließend montierte Freyler die komplett vorgefertigte Pfosten-Riegel-Fassade.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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