Hermann Seibert GmbH
Wir sind in unserem Maschinenpark sehr breit aufgestellt und können daher auch Reparaturen oder Instandsetzungen schnell und direkt erledigen.

Feinwerktechnik 2017-10-19T00:00:00Z Interview: „Die Lieferzeiten sind nicht mehr kalkulierbar“

Ingrid Seibert-Hess führt einen feinwerkmechanischen Betrieb im rheinland-pfälzischen Lambrecht und ist Landesinnungsmeisterin. Wir fragten die Unternehmerin unter anderem nach den besonderen Herausforderungen für sie als Firmenchefin und für ihren Betrieb.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Zusammenhang mit Wirtschaft 4.0? Wie stellt sich Ihr Betrieb darauf ein?
Die Idee der vernetzten digitalisierten Wirtschaftswelt ist eine Herausforderung für alle Teilnehmer. Die Entwicklung, immer schneller, immer direkter, immer mehr und genauere Informationen, aber auch Waren im System fließen zu lassen, hat eine kuriose Situation entstehen lassen. In der Industrie stellen hierarchische Strukturen meines Erachtens ein enormes Hindernis für 4.0 dar, da keine Entscheiderebene übergangen werden darf. Im Handwerk - in dem auch bei zwanzig oder dreißig Mitarbeitern im Grunde genommen noch von einem Kleinbetrieb gesprochen werden kann - eingestellt auf hohe Flexibilität bei kurzen Entscheidungswegen, ist der direkte Draht sozusagen naturgegeben. Das Herunterbrechen der Stückzahlen auf „Eins“ wird in der Industrie noch länger die Strukturen beschäftigen, während wir Kleinbetriebe dies seit Jahrzehnten beherrschen. Die Vernetzung mussten und wollten wir von Beginn an mitmachen, um auf dem Stand der Entwicklung zu sein. Dem nicht nur finanziell hohen Aufwand für die Dokumentation von Abläufen setzen wir in unserem Betrieb seit Jahren eine konsequente Qualitätsprüfung entgegen, sodass wir gut auch auf kommende Herausforderungen eingestellt sind.

Sie leiten einen Familienbetrieb, der sich dem Sondermaschinenbau verschrieben hat. Welches sind Ihre Spezialitäten?
Unser Bestreben sind extreme Flexibilität und der Anspruch, jeden Kunden individuell bei seinen Problemen zu unterstützen. Wir sind in unserem Maschinenpark sehr breit aufgestellt und können daher auch Reparaturen oder Instandsetzungen schnell und direkt erledigen. Da wir mit verschiedenen Konstruktionsbüros sowie einem Elektroanlagenbauer zusammenarbeiten, bieten wir für die verschiedensten Branchen auch neu entwickelte Komplettanlagen inklusive Steuerung an.

Wie ist die momentane konjunkturelle Situation?
Das Jahr 2017 zeichnet sich dadurch aus, dass wir eine hohe Stabilität des Auftragseingangs ohne eine konjunkturelle Delle verzeichnen können.

Mit welchen Problemen hat sich ein mittelständischer Metallhandwerksbetrieb gegenwärtig vor allem auseinanderzusetzen?
Derzeit besteht unser Hauptproblem in einem enormen Termindruck, während der Preisdruck deutlich nachgelassen hat. Geradezu ein Glücksspiel ist inzwischen der Einkauf bei einem Teil unserer Lieferanten, vor allem bei großen Firmen für Kaufteile, soweit es die Lieferzeiten betrifft. Diese sind für uns zum Teil nicht mehr kalkulierbar mit entsprechenden Auswirkungen auf unsere Liefertermine.

Wie machen Sie Ihren Betrieb zukunftsfest?
Ich strebe ein möglichst breit aufgestelltes Kundenportfolio und einen möglichst vielseitig und hoch qualifizierten Mitarbeiterstamm an. Jungen und geeigneten Mitarbeitern wird durch finanziell unterstützte Weiterbildung im Meister- und Technikerbereich eine Chance gegeben, leitende Funktionen zu übernehmen. Daneben sind gute Kontakte zu den Kunden und Partnerfirmen entscheidend.

Firmenprofil der Firma Hermann Seibert
In dem seit 1950 als Familienbetrieb geführten und gewachsenen Unternehmen werden derzeit 14, zumeist im Unternehmen ausgebildete Mechaniker beziehungsweise Zerspaner, zwei Auszubildende sowie zwei Mitarbeiterinnen in der Verwaltung beschäftigt.
Für die Wartung von Kundenanlagen werden ausschließlich Feinwerktechnikmechaniker eingesetzt.
Der Betrieb verfügt über eine hohe Fertigungstiefe. Neben der Zerspanung – überwiegend CNC-Drehen und CNC-Fräsen – umfasst das Leistungsspektrum das Rund- und Flachschleifen, das Läppen, das Nuten ziehen, Härten und Brünieren. Darüber hinaus steht eine Senkerodiermaschine zur Verfügung, um zum Beispiel Sackbohrungen mit vielfältigsten Konturen herzustellen. Komplettiert wird das Fertigungsspektrum durch die Möglichkeit, selbst gefertigte Teile im Haus bis zu einer Wuchtgüte von G 2,5 dynamisch auszuwuchten, was aber auch als Dienstleistung für Fremdteile angeboten wird.
Für alle genannten Fertigungsbereiche steht speziell geschultes Personal zur Verfügung.
Weitere Serviceleistungen wie Instandsetzung von Lagersitzen durch thermisches Aufspritzen von Keramik, Gleitlagermaterial oder korrosionsbeständigem Material gehören ebenso zum Leistungsspektrum wie das Reparaturschweißen.
Konstruktion, Fertigung und Inbetriebnahme ganzer Anlagen werden in Zusammenarbeit mit renommierten Konstruktionsbüros im Haus realisiert.
Die Überwachung aller Produktionsschritte sowie die Kontrolle der Produktionsqualität erfolgen durch den Meister sowie den Qualitätsbeauftragten.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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