Zwei Geschäftspartner in professioneller Kleidung führen ein konstruktives Gespräch an einem runden Stehtisch, auf dem eine Broschüre liegt. Im Hintergrund befindet sich ein großes, abstraktes Firmenlogo in Blau und Rot.
„Wir setzen in der Öffentlichkeitsarbeit verstärkt auf klare politische Botschaften, um die Sichtbarkeit und Bedeutung des Metallhandwerks nachhaltig zu stärken“, erläutert Diether Hils (rechts) im Gespräch mit John Siehoff von M&T-Metallhandwerk. (Quelle: M&T / Yvonne Schneider)

Bundesverband Metall 2026-09-14T13:17:50.118Z Interview mir Diether Hils: Wandel gestalten. Zukunft sichern

Vor eineinhalb Jahren hat Diether Hils die Aufgabe als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall übernommen. Seitdem wurden Verantwortlichkeiten neu geordnet, das Team verstärkt und der Bundesobermeistertag zum Bundesverbandstag weiterentwickelt. Im Interview spricht Diether Hils mit John Siehoff von M&T-Metallhandwerk über den Wandel im Verband und seine wichtigsten Ziele.

Ein professionelles Portrait eines freundlichen Mannes mittleren Alters mit Vollbart und Brille, der vor einem dunklen Hintergrund in die Kamera lächelt und einen dunklen Anzug mit hellem Hemd trägt.

BVM-Hauptgeschäftsführer

Diether Hils

ist seit April 2025 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall. Der Diplom-Ingenieur bringt fast 40 Jahre Berufs- und Führungserfahrung in Industrie, Handwerksorganisationen und beruflicher Bildung mit. Nach leitenden Funktionen im Technologie- und Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Paderborn und der Handwerkskammer Südwestfalen ist er seit 2009 im Bundesverband Metall.

Herr Hils, Sie sind nun seit rund eineinhalb Jahren Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall. Mit welchem Anspruch sind Sie angetreten?

Mein Anspruch ist es, den Bundesverband Metall gemeinsam mit dem Präsidium, den Landesverbänden, Innungen und unseren Partnern zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und den vielfältigen Herausforderungen des Metallhandwerks gerecht zu werden. Dabei möchten wir digitale Formate gezielt nutzen, um insbesondere den unternehmerischen Nachwuchs stärker einzubinden und für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern. Gleichzeitig sollen aktuelles Wissen, Innovationen und praxisrelevante Informationen auf digitalem Weg schneller und direkter bei unseren Mitgliedsbetrieben ankommen.
Darüber hinaus wollen wir die Positionen des Metallhandwerks mit sogenannten „SpeakerCards“ auf allen Ebenen klarer und sichtbarer kommunizieren. Dafür benötigen wir im Bundesverband Metall abgestimmte, fundiert recherchierte und überzeugend formulierte Positionen, die von den Innungen auf regionaler Ebene über die Landesverbände bis hin zur Bundesebene über den Bundesverband Metall gemeinsam mit dem ZDH einheitlich vertreten werden. Denn nur mit einer geschlossenen Stimme können wir die Interessen des Metallhandwerks wirkungsvoll vertreten und politisch erfolgreich durchsetzen.

Sie haben den Verband organisatorisch neu aufgestellt. Welche konkreten Veränderungen wurden bereits umgesetzt, und welche Wirkung zeigen sie heute?

Wir haben Zuständigkeiten geschärft, Fachbereiche klarer strukturiert und Führungsverantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Die Bereiche Technik, Berufsbildung, Wirtschaft und Recht sowie Öffentlichkeitsarbeit arbeiten heute deutlich enger zusammen und sind besser miteinander verzahnt. Dadurch können Entscheidungen schneller vorbereitet, Themen konsequenter vorangetrieben und unsere Leistungen verständlicher kommuniziert werden. So ist der Verband sowohl nach innen als auch nach außen noch ansprechbarer und leistungsfähiger geworden.

Ein wichtiger Bestandteil des Neustarts war die personelle Verstärkung des Teams. Nach welchen Kriterien haben Sie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewählt, und welche Kompetenzen waren Ihnen dabei besonders wichtig?

Zunächst möchte ich betonen, dass der Bundesverband Metall über ein sehr gut aufgestelltes und engagiertes Team verfügt. Im Zuge strukturell notwendiger Veränderungen haben sich auch personelle Anpassungen ergeben. Bei der Besetzung der Positionen standen für mich insbesondere fachliche Kompetenz, Praxisnähe und die Bereitschaft im Vordergrund, Verantwortung zu übernehmen.
Ein Verband braucht Menschen, die ihr Fachgebiet sicher beherrschen, gleichzeitig zuhören, vernetzt denken und bereichsübergreifend zusammenarbeiten. Ebenso wichtig ist mir ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen unserer Mitgliedsbetriebe. Unser Wissen und unsere Dienstleistungen müssen so aufbereitet sein, dass sie unsere Mitgliedsunternehmen schnell, praxisnah und mit einem direkten Mehrwert erreichen.

Der Bundesobermeistertag wurde zum Bundesverbandstag weiterentwickelt. Welche Idee steckt hinter diesem neuen Format, und welchen Mehrwert bietet es den Mitgliedern und Ehrenamtsträgern?

Der neue Name steht für eine inhaltliche Öffnung. Gleichzeitig wurde der Bundesverbandstag als handwerkspolitisches Forum des Metallhandwerks für alle Mitglieder geöffnet. Er bringt Ehrenamt, Betriebe, Landesverbände, Politik, Wissenschaft und Partner zusammen. Neben verbandspolitischen Themen stehen wirtschaftliche Entwicklungen, Zukunftsfragen und der persönliche Austausch im Mittelpunkt.
Die Premiere in Berlin war ein voller Erfolg und hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll dieser breitere Dialog für das Metallhandwerk ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich aus diesem offenen Austausch wichtige Impulse für die zukünftige Verbandsarbeit ableiten lassen.

Wenn Sie auf die kommenden zwei bis drei Jahre blicken: Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Normung, Berufsbildung und Öffentlichkeitsarbeit?

Bei deutschen und europäischen Normungsverfahren setzen wir uns dafür ein, dass bürokratische Anforderungen für kleine und mittlere Unternehmen fair, praxistauglich und umsetzbar bleiben. In der Berufsbildung haben wir bereits neue Meisterprüfungsverordnungen auf den Weg gebracht. Nun konzentrieren wir uns auf die Neuordnung der Ausbildungsberufe im Metallhandwerk, um diese zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.
Mit attraktiven Berufsbildern und einer aktiven Nachwuchsgewinnung wollen wir junge Menschen für das Metallhandwerk begeistern. Gleichzeitig setzen wir in der Öffentlichkeitsarbeit verstärkt auf digitale Formate, die Einbindung junger Mitglieder und klare politische Botschaften, um die Sichtbarkeit und Bedeutung des Metallhandwerks nachhaltig zu stärken.

Der Metallkongress in Würzburg wirft seine Schatten voraus. Welche Themen werden dort aus Ihrer Sicht die Branche besonders bewegen, und worauf dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Den Metallkongress veranstalten wir gemeinsam mit dem Rudolf Müller Verlag bereits seit fast zwei Jahrzehnten. Er bringt die führenden Köpfe, Entscheiderinnen und Entscheider sowie Expertinnen und Experten der Branche zusammen. Im Mittelpunkt stehen die drängendsten Fragen aus der Praxis des Metallhandwerks. Dabei werden neueste Erkenntnisse vorgestellt und aktuelle Entwicklungen sowie die Trends von morgen diskutiert.
Im Fokus stehen Themen, die maßgeblich über die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe entscheiden – darunter Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Fachkräftesicherung, Sichtbarkeit am Markt sowie verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen sich erneut auf praxisnahe Impulse, innovative Lösungen in der Fachausstellung und einen intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen freuen. Genau diese Verbindung aus Fachwissen, Praxis und persönlichem Networking macht den Metallkongress seit Jahren zu einer so wertvollen Veranstaltung.

Das Metallhandwerk steht vor großen Herausforderungen – von Fachkräftemangel über Digitalisierung bis zur wirtschaftlichen Unsicherheit. Welche Rolle muss der Bundesverband künftig spielen, damit die Betriebe auch in zehn Jahren erfolgreich am Markt bestehen können?

Wie bereits eingangs ausgeführt, ist es wichtig, dass wir im Metallhandwerk unseren Standpunkt auf regionaler, Landes- und Bundesebene wirtschaftspolitisch abgestimmt und gemeinsam vertreten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe am Standort Deutschland nachhaltig zu sichern.
Gleichzeitig ist es unabdingbar, das Image sowohl des Metallbauerhandwerks als auch des Feinwerkmechanikerhandwerks weiter zu stärken und die wirtschaftliche Bedeutung unserer Branche in Politik und Gesellschaft noch deutlicher sichtbar zu machen.
Darüber hinaus müssen wir technologische Entwicklungen – beispielsweise im Bereich der Künstlichen Intelligenz – aktiv durch einen gezielten Wissenstransfer begleiten. Ebenso gilt es, europäische und internationale Normungsprozesse, die unter anderem im Zuge des Green Deals auf uns zukommen, konstruktiv mitzugestalten. Dabei müssen wir darauf hinwirken, dass diese mittelstandsgerecht ausgestaltet werden und der bürokratische Aufwand, insbesondere durch Dokumentationspflichten, so gering wie möglich bleibt.
Letztlich ist jedoch – neben allen zuvor genannten Aufgaben – die Gewinnung von Nachwuchskräften unsere wichtigste Herausforderung. Ohne Nachwuchs gibt es keine Zukunft für das Metallhandwerk. Als Verbandsorganisation müssen wir unsere Mitgliedsunternehmen noch stärker dafür gewinnen, sich aktiv an unserer Nachwuchskampagne „Let‘s play Metal“ zu beteiligen. Nur gemeinsam wird es uns gelingen, junge Menschen nachhaltig für das Metallhandwerk zu begeistern.

Wenn wir dieses Interview in drei Jahren noch einmal führen: Woran würden Sie persönlich messen, dass die Entwicklung des Bundesverbandes Metall erfolgreich war?

Erfolg lässt sich für mich nicht an einzelnen Projekten oder Schlagzeilen messen, sondern daran, welchen konkreten Nutzen unsere Arbeit für die Mitgliedsunternehmen stiftet. Wenn wir in drei Jahren auf einen Bundesverband blicken, dessen Mitgliedsbetriebe mit unserer Arbeit zufrieden sind und uns als verlässlichen und kompetenten Ansprechpartner schätzen und dessen Positionen in Politik und Öffentlichkeit Gehör finden, dann haben wir viel erreicht.
Ebenso wichtig ist für mich eine wirtschaftlich erfolgreiche Metallbranche mit wettbewerbsfähigen Betrieben sowie ein finanziell solide aufgestellter Bundesverband, der seine Aufgaben auch langfristig leistungsfähig erfüllen kann. Wenn es uns darüber hinaus gelingt, junge Unternehmerinnen und Unternehmer stärker für die Verbandsarbeit zu gewinnen und das Metallhandwerk insgesamt sichtbarer und attraktiver zu machen, dann ist das für mich ein klarer Beleg dafür, dass wir den Bundesverband Metall erfolgreich weiterentwickelt haben.

zuletzt editiert am 14. September 2026
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