Porträt von Rainer Trauernicht, Geschäftsführer von TS-Aluminium
"Infolge der Pandemie haben wir unser Netzwerk um zusätzliche Lieferantenverträge ergänzt, vorausschauend geplant und eingekauft – das wirkt sich jetzt positiv auf unsere Lagerbestände und Lieferfähigkeit aus", erläutert Rainer Trauernicht. (Quelle: TS-Aluminium-Profilsysteme)

Interviews mit Branchenpartnern

7. December 2022 | Teilen auf:

"Wir planen weitsichtig und mit verschiedenen Szenarien"

Aluminium: Pandemie, Energie- und Materialbeschaffung sind derzeit wichtige Themen im Metallhandwerk. Welche Erfahrungen die Hersteller machen und welche Unterstützung sein Unternehmen für Metallbauer anbietet, erläutert TS-Aluminium-Geschäftsführer Rainer Trauernicht im M&T-Interview.

Herr Trauernicht, welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine auf Ihr Geschäft in Bezug auf Rohstoffe, Energie- und Gaspreise?

Russland und die Ukraine produzieren wichtige Metalle für die Industrie – etwa sechs Prozent der Aluminium-Produktion entfällt allein auf Russland und macht es zum zweitgrößten Produzenten weltweit. Durch den Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland ist der Rohstoff zu einem knappen Gut geworden und die Abhängigkeit der deutschen Industrie ist deutlich zu spüren. Schon während der Corona-Pandemie standen wir vor Herausforderungen wie Materialengpässen, Lieferschwierigkeiten und massiven Preiserhöhungen. Dies wird durch den Krieg nun nochmals befeuert, hinzu kommen extrem steigende Energiekosten – unterm Strich ist es keine leichte Zeit, doch durch unser erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 und die Modernisierung unserer Fertigung sind wir gut aufgestellt und vorbereitet.

Wie reagieren Sie darauf?

Krisen wie die Pandemie und der Krieg verdeutlichen, wie wichtig langfristige Planung und vertrauensvolle Beziehungen zu Lieferanten sind, denn nur so kann ein Unternehmen lieferfähig bleiben und Versorgungssicherheit gewährleisten. Bei TS-Aluminium haben wir ein europaweites Lieferanten-Netzwerk, durch das wir auch in Krisenzeiten flexibel reagieren können. Infolge der Pandemie haben wir unser Netzwerk um zusätzliche Lieferantenverträge ergänzt, vorausschauend geplant und eingekauft – das wirkt sich jetzt positiv auf unsere Lagerbestände und Lieferfähigkeit aus. Ressourcen und Produktionskapazitäten setzen wir gezielt ein und optimieren stetig Prozesse, beispielsweise durch die Anschaffung energieeffizienter Produktionsanlagen. Wir planen weitsichtig und mit verschiedenen Szenarien, um bestmöglich auf alles vorbereitet zu sein.

Welchen Herausforderungen stehen metallverarbeitende Betriebe derzeit gegenüber?

Die Branche ist nach wie vor von Materialengpässen und Lieferschwierigkeiten betroffen. Die massiv steigenden Rohstoffpreise haben die Situation zusätzlich verschärft – so erreichte gerade der Preis für Aluminium 2021 ein Rekordhoch. Diese Faktoren erschweren das Geschäft ungemein, weil der Metallbau direkt von den Rohstoff-Lieferanten abhängt. Hat ein Betrieb dann auch noch viele Produktionsschritte ausgelagert, nimmt der zeitliche Verzug immer weiter zu. Die größte Herausforderung sind jedoch aktuell die gestiegenen Energiepreise als direkte Folge des Krieges: Sie sind für mittelständische Unternehmen mitunter existenzbedrohend, da sich nicht überall Energie einsparen lässt, beispielsweise wenn Bauteile mit Wärme behandelt und komplexen, energieintensiven Verfahren unterzogen werden müssen. So sind viele Betriebe dazu gezwungen, die Preiserhöhungen an Auftraggeber weiterzugeben und ihre Preise für Produkte und Dienstleistungen zu erhöhen. Auf Verbraucher-Seite führen die gestiegenen Energiekosten zu einem Kaufkraftverlust, der sich dann wiederum im Umsatz des Mittelstandes niederschlägt.

Welche Maßnahmen können Metallbauer ergreifen, um diesen zu begegnen?

Durch die hohe Import-Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl ergreifen viele Betriebe Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs oder zur Nutzung erneuerbarer Energien – generell besteht die Notwendigkeit, die eigene Energieeffizienz zu steigern. Hier gibt es keine Pauschal-Lösung für alle Betriebe, vielmehr gilt es, individuelle Einsparpotenziale auszuloten und mithilfe geeigneter Energiesparmaßnahmen umzusetzen. Ein Ansatzpunkt ist es, bereits vorhandene Energie nochmal zu nutzen: Wärmerückgewinnung ist so eine energieeffiziente Maßnahme, die wir auch bei TS-Aluminium nutzen. Eine weitere Möglichkeit ist es, Energie selber und vor Ort zu produzieren, zum Beispiel durch Photovoltaik-Anlagen. Doch auch vorausschauendes Planen und die Auslastung der Produktionsanlagen sind elementar und sparen Energie.

In diesem Jahr haben Sie Ihre neue Pulverbeschichtungsanlage in Betrieb genommen. Welche Vorteile bringt das für Ihre Kunden?

Mit der neuen Anlage sind der Farbgestaltung unserer Systeme keine Grenzen gesetzt: Neben zwölf Trendfarben bieten wir auch alle anderen Farbtöne an und können unterschiedlichste Kundenwünsche umsetzen. So kommen die Profile gleich im Wunschfarbton auf die Baustelle. Durch die Anlage setzen wir einen weiteren Fertigungsschritt „inhouse“ um – damit sind wir schneller und können flexibler auf künftige Marktanforderungen reagieren.

Wie wird der Metallhandwerker bei der Entwicklung Ihrer Produkte einbezogen?

Bei TS-Aluminium stehen Fertigungs- und Montagefertigkeit im Mittelpunkt: Deshalb bieten wir unsere Systeme auch in Lagerlängen an. So kann der Verarbeiter die Profile einfach und ohne den Einsatz von Spezialwerkzeug selbst zuschneiden. Das ist vor allem für Metallbauer interessant, die ihre Fertigung auslasten und eigene Ideen einbringen möchten. Andererseits gibt es die Systeme auch als auf Maß zugeschnittene, konfektionierte Bausätze. Hier liegen die Vorteile in der vereinfachten Montage und es sind keine zusätzlichen mechanischen Arbeiten notwendig. Bei der Produktentwicklung denken wir zunächst an den Verarbeiter: Wie lässt sich das Produkt möglichst so umsetzen, dass es sich einfach montieren lässt und zugleich maximale Gestaltungsfreiheit bietet? Weil uns guter Service und Support am Herzen liegt, bieten wir auch regelmäßig unterstützende Schulungen zur Montage an.

Was ist Ihr Lieblingsprodukt und warum?

Das ist unser neues Lamellendach: Mit ihm bieten wir eine raffinierte Beschattungslösung, die sich durch die modulare Bauweise optimal mit einem Glasdach kombinieren lässt und große Schneelasten trägt. Es entspricht aktuellen Trends und setzt höchst ästhetisch architektonische Akzente. Das Dachsystem überzeugt aber nicht nur in Sachen Optik, sondern auch verarbeitungstechnisch: Metallbauer erhalten das Profil zum selber zuschneiden oder als fertig konfektioniertes Dach. Auf den gestiegenen Individualitäts-Bedarf reagieren wir mit passendem Zubehör und vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten: LED-Spots, Heizsysteme, Schiebe- und Glaselemente für eine wetterunabhängige Nutzung. Auch kombinierbare Sonnenschutzlösungen wie Markisen mit ZIP-Führung oder Unterbauelemente wie Glasschiebetüren sind einsetzbar – das Lamellendach ist ein echter Allrounder.

Rainer Trauernicht

Nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechaniker studierte Rainer Trauernicht Maschinenbau und stieg 1998 bei TS-Aluminium-Profilsysteme GmbH & Co. KG ein. Zunächst in der Niederlassung in Burgstädt beschäftigt, wechselte er 2001 nach Großefehn. 2006 übernahm er dann die Geschäftsführung von seinem Vater Rudolf Trauernicht, der TS-Aluminium 1977 gegründet hat.

TS-Aluminium ist ein führender Anbieter hochwertiger Aluminium-Profilsystemen „Made in Germany“. Das Familienunternehmen entwickelt, produziert und liefert seit mehr als 40 Jahren maßgeschneiderte Systemlösungen für Wintergärten, Sommergärten und Terrassendächer in Premium-Qualität.

zuletzt editiert am 12.12.2022