1512 Schweissrauch
Brennerintegrierte Absaugungen schützen besonders effektiv vor den entstehenden Schweißrauchen. Foto: Dinse

Gebäudehülle 2015-11-27T00:00:00Z Interview: Schutz vor dem Rauch

Beim Schweißen entstehen gas- und partikelförmige Stoffe (Schweißrauche), die ab einer bestimmten Konzentration zu einer Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten führen können. In der schweißtechnischen Praxis werden sie als Schadstoffe bezeichnet. Durch die ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung der schweißtechnischen Verfahren, sowie die Verwendung neuer Werkstoffe müssen bisherige Schutzmaßnahmen an den Arbeitsplätzen angepasst werden. Seit vielen Jahren widmet sich Dr.-Ing. Vilia Spiegel-Ciobanu von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) der Erforschung dieses Themas.

Beim Schweißen entstehen gas- und partikelförmige Stoffe (Schweißrauche), die ab einer bestimmten Konzentration zu einer Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten führen können. In der schweißtechnischen Praxis werden sie als Schadstoffe bezeichnet. Durch die ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung der schweißtechnischen Verfahren, sowie die Verwendung neuer Werkstoffe müssen bisherige Schutzmaßnahmen an den Arbeitsplätzen angepasst werden. Seit vielen Jahren widmet sich Dr.-Ing. Vilia Spiegel-Ciobanu von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) der Erforschung dieses Themas.
Haupttext mit Zwischenüberschriften:

Was steht im Mittelpunkt Ihrer Forschung?


Bei der Präventionsstrategie steht der Schutz der Beschäftigten vor Schadstoffen beim Schweißen an erster Stelle. Hierzu initiiere und begleite ich wichtige Forschungsprojekte, beispielsweise zur Schadstoffentwicklung und Toxikologie. Die Forschungsergebnisse liefern unter anderem Antworten auf Fragen nach dem Entstehen von Schadstoffen, der hierbei wirkenden Einflussfaktoren und deren stoffspezifische Wirkung. Ich beschäftige mich ebenfalls mit der verfahrens- und werkstoffspezifischen Gesamtwirkung der Schweißrauche. Ich gehe unter anderem der Frage nach, welche Schadstoffpartikel beim Schweißen verschiedener Materialen entstehen, welche Eigenschaften diese Partikel besitzen und wie sie auf den Menschen wirken. Das Ziel meiner Forschung ist es, die Gefährdungen für die Beschäftigten transparent zu machen, zu beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen für eine sichere Prävention zu definieren. Erkrankungen, Vergiftungen oder jede weitere Art von gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Schädigungen beim Menschen durch Schweißrauche und Gase sollen dadurch gar nicht erst entstehen.

Von welchen Faktoren hängt die Exposition des Schweißers gegenüber Schweißrauchen ab?
Neben Verfahren sind die Zusatzwerkstoffe wesentlich beteiligt an der Quantität und Qualität der entstehenden Schweißrauche, also die wesentlichen Einflussfaktoren. Über neunzig Prozent bis 95 Prozent der Schweißrauche entstehen aus dem Zusatzwerkstoff. Nur etwa fünf Prozent der Schweißrauche resultiert aus dem Grundwerkstoff. Die eingesetzten Verfahrens- und Werkstoffkombinationen beeinflussen maßgeblich die Höhe der jeweiligen gas- und partikelförmigen Stoffe – also die Emissionsraten. Je nach verwendetem Werkstoff variieren außerdem die Zusammensetzung der Schweißrauche und dementsprechend auch deren Wirkung auf die Beschäftigten. Weiterhin spielen auch die vorhandenen Arbeitsplatzbedingungen eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel die Lüftungsverhältnisse, Raumgrößen sowie die Kopf- und Körperposition des Schweißers. Diese sind bestimmende Faktoren für die Schadstoffkonzentration im Atembereich.

1512 Schweissrauch Spiegel Ciobanu
„Der beste Weg ist natürlich, den entstehenden Schweißrauch direkt im Entstehungsbereich abzusaugen“, Dr.-Ing. Vilia Spiegel-Ciobanu, Fachreferentin Themenfeld Schadstoffe in der Schweißtechnik/DGUV, FBHM, SGOS, Berufsgenossenschaft Holz und Metall. Foto: BGHM

Wie funktioniert die Onlineberechnung der Gefährdungszahl?


Diese Online-Anwendung steht jedem zur Verfügung und kann auf der Homepage der BGHM unter bghm.de , Webcode: 802, aufgerufen werden. Auf dieser Internetseite sind auch weitere Informationen zum Thema enthalten.
Zunächst muss die Anwenderin oder der Anwender individuelle Angaben zu den nachstehenden Punkten machen:

  • a) „Verfahrensspezifische Gefährdungszahlen“
    Einordnung der nach ihren jeweiligen Emissionsraten in vier Gruppen unterteilten Schweißverfahren.
  • b) „Wirkungsspezifische Gefährdungszahlen“
    Unterteilung der Schweißrauche nach ihrer Wirkung: lungenbelastend, toxisch oder krebserzeugend.
  • c) „Arbeitsplatzspezifische Faktoren“
    Räumliche Verhältnisse des Arbeitsplatzes, Lüftungssituation, Kopf- und Körperposition sowie Schweißdauer.
  • d) „Leitkomponente“

Nennung der Komponente, die den Schweißrauch in Bezug auf Menge und Toxizität dominiert.
Hat die Anwenderin oder der Anwender alle Angaben gemacht, erfolgt die Berechnung der Gefährdungszahl für die jeweils beschriebene Situation, um daraus empfohlene Schutzmaßnahmen abzuleiten. Dazu gehören beispielsweise die Umstellung auf schadstoffarme Werkstoffe und Verfahren, die Optimierung der Schweißparameter, das Absaugen der Schweißrauche im Entstehungsbereich mittels eines Brenners mit integrierter oder mit aufgesetzter Absaugung. Durch eine konsequente Umsetzung und kontinuierliche Anwendung dieser Maßnahmen wird die Gefährdung durch Schweißrauche stark reduziert und im besten Fall sogar ausgeschlossen.

Wie kann sich der Schweißer optimal vor Schadstoffbelastung schützen und die Exposition minimieren?


Der beste Weg ist natürlich, den entstehenden Schweißrauch direkt im Entstehungsbereich abzusaugen. Das spiegelt sich auch in Paragraf sieben der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) wieder, die lüftungstechnische Maßnahmen in Rangfolge der Präventionsmaßnahmen ganz oben aufführt.
Diese Forderung kann idealerweise mit einer brennerintegrierter Absaugung erfüllt werden. Die Erfassung an der Entstehungsstelle ist auch mit den am Markt verfügbaren Absauganlagen in Niedrig- und Hochvakuumtechnik umsetzbar. Das Absaugverfahren muss jedoch sorgfältig unter Berücksichtigung der Art der auszuführenden Schweißarbeiten ausgewählt werden.
(Quelle: Dinse)

zuletzt editiert am 26. April 2021