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Als Expertin in Veränderungsfragen berät Dr. Bettina Daser Unternehmerfamilien zu Themen wie Nachfolge, Familienstrategie und Konfliktmanagement. (Quelle: Bettina Daser)

Feinwerktechnik 2022-09-28T07:56:15.720Z Interview: „Wie viel Veränderung verträgt ein Unternehmen?“

(September 2022) Dr. Bettina Daser ist Expertin für Veränderungen. Sie berät Familienunternehmen und stieß mit der Frage „Wie viel Veränderung verträgt ein Unternehmen?“ auf großes Interesse bei den Mitgliedern des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie. Im Interview gibt sie einen kleinen Einblick in die relevanten Themen wie Veränderungstempo, -bereitschaft sowie Kommunikation.

Frau Dr. Daser, wieviel Veränderung verträgt ein Unternehmen denn nun eigentlich?

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Sonderfall für die einen, Tagesgeschäft für die anderen: Wenn Unternehmen Unterstützung in Veränderungsprojekten brauchen, können routinierte Beraterinnen und Berater helfen, die Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. (Quelle: Bettina Daser)

Unternehmen halten in dem Maß Veränderung aus, wie es den Führungskräften gelingt, die Belegschaft mitzunehmen. Projekte, von denen die Führungskräfte nicht überzeugt sind oder sie ihre Mitarbeitenden nicht überzeugen können, verlaufen sehr wahrscheinlich im Sand. Zudem ist auch die Art der Veränderung entscheidend. Wer stößt diese an und wer ist betroffen? Sind es Prozesse oder personelle Strukturen, die umgedacht werden? Was besonders für die Verbandsmitglieder relevant ist, ist, dass Zulieferern manchmal wenig Spielraum bleibt, um Neues zu akzeptieren: In immer kürzeren Zyklen kommen neue Anforderungen vom Markt. Das war in früheren Generationen noch anders. Kaum ein Geschäftsmodell wird heute ohne Veränderung über Jahrzehnte hinweg bestehen.

Welche Arten von Veränderungen gibt es in diesem Zusammenhang? 

Manche Veränderungen sind marktgetrieben wie Wachstum, Fachkräftemangel, Konsolidierung oder notwendige Anpassungen der Produktportfolios. Andere sind dem technischen Fortschritt geschuldet – beispielsweise der Digitalisierung. Dem gegenüber kann auch die Unternehmensnachfolge einen Umbruch bedeuten: Andere Personen mit Entscheidungsbefugnis bergen neue Chancen und Risiken.

Veränderung ist oft mit Angst und Unsicherheit verbunden. Woran liegt das Ihrer Einschätzung nach? Welche Chancen gibt es?

Menschen vertrauen auf das Gewohnte ganz nach dem Motto „never change a running system“. Das verspricht Halt und Sicherheit, selbst wenn die bestehenden Umstände nicht zufriedenstellend sind. Sich auf etwas Neues einzulassen, erleben manche daher als Zumutung. Doch in „Zumutung“ steckt das Wort „Mut“ – und der ist unbedingt erforderlich, um Veränderung zu akzeptieren und aktiv zu gestalten. Die Chancen liegen in der Sicherung der Zukunftsfähigkeit, die ohne Veränderung oft nicht denkbar ist.

Was ist unbedingt zu beachten, wenn Veränderungen im Unternehmen anstehen? Wann und wie schnell ist zum Beispiel ein Wechsel sinnvoll? Welche Bewältigungsstrategien empfehlen Sie hier?

In Veränderungsprozessen kommt es auf das angemessene Tempo sowie die Dosierung der Maßnahmen an. Zudem braucht es eine gute Kommunikation: Warum muss sich was ändern und was ist das Ziel der Veränderung? Nur wer seine Belegschaft für das Neue gewinnt, viel Durchhaltevermögen besitzt und den Veränderungsdruck gleichmäßig aufrecht hält, wird die „Versandungsschwelle“ überschreiten und das Projekt erfolgreich abschließen. Dabei ist Fingerspitzengefühl im Umgang mit Schlüsselpersonen gefragt. Bestenfalls werden diese zu Verbündeten, die dabei helfen, dass alle an einem Strang ziehen. Darüber hinaus braucht es Gelassenheit und Zuversicht, um Stolpersteine zu überwinden, die immer auftauchen.

Wo finden Unternehmen Unterstützung in Veränderungsfragen? Für jedes Veränderungsprojekt gibt es Expertinnen und Experten, die Unternehmen mit umfangreicher Umsetzungserfahrung zur Seite stehen können. Unternehmerinnen und Unternehmer empfinden Veränderungsdruck meist als Sonderfall, für Spezialisten gehört dieser jedoch eher zur Routine, beziehungsweise zum Tagesgeschäft. Unsere Expertise und emotionale Distanz zum Thema unterstützt, kann Prozesse beschleunigen und den ein oder anderen Stolperstein aus dem Weg räumen.

Im Oktober sprechen Sie zu diesem Thema bei der Herbsttagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie. Welche Schwerpunkte werden Sie dort setzen?

Im Herbst wird es um den eigentlichen Veränderungsprozess gehen. Ich widme mich den Erfolgsfaktoren nachhaltiger Veränderungsprojekte. Dabei müssen häufig mehrere Veränderungen parallel ausbalanciert werden.

Wie viel Veränderung trauen Sie den Mitgliedsunternehmen des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie zu?

Die Mitgliedsunternehmen des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie stellen bereits seit Jahrzehnten ihre Anpassungsfähigkeit erfolgreich unter Beweis. Und das in einer Branche, die auch derzeit von vielen Veränderungen von außen betroffen ist, beispielsweise in Form von Energie- und Rohstoffkrisen. Was Unternehmen der Zuliefererindustrie oft auszeichnet ist ihre Flexibilität. Die wird ihnen auch in diesen turbulenten Zeiten helfen.

Zur Person

Dr. Bettina Daser ist Diplom-Ökonomin mit wirtschaftspsychologischem Schwerpunkt und berät Unternehmerfamilien zu den Themen Nachfolge, Familienstrategie und Konfliktmanagement. Seit 2010 betreut sie Mandanten im gesamten Bundesgebiet, seit 2017 als eigenständige Unternehmerin. Sie hält Workshops und Vorträge unter anderem für die IHK Stuttgart. Bei der anstehenden Herbsttagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie spricht sie zum Themenkomplex „Veränderungsprozesse“.

zuletzt editiert am 28. September 2022
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