„Ohne die Engpässe und Preissteigerungen bei den Zulieferungen, zum Beispiel bei Elektronik, Stahl, Blech, wäre sogar noch mehr drin“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW. Foto und Grafik: VDW
„Ohne die Engpässe und Preissteigerungen bei den Zulieferungen, zum Beispiel bei Elektronik, Stahl, Blech, wäre sogar noch mehr drin“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW. Foto und Grafik: VDW

Feinwerktechnik

20. September 2021 | Teilen auf:

Konjunktur: Kräftiger Bestellzuwachs in der Umformtechnik

(September 2021) Im zweiten Quartal 2021 stieg der Auftragseingang der deutschen Umformtechnik, eines Teilbereichs der Werkzeugmaschinenindustrie, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 86 Prozent. Der VDW hebt die Produktionsprognose für die Werkzeugmaschinenindustrie im laufenden Jahr an.

Dabei legten die Bestellungen aus dem Inland um 59 Prozent zu. Die Auslandsorders haben sich im Vergleich zum Vorjahr glatt verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2021 stiegen die Bestellungen bei den deutschen Anbietern um 41 Prozent. Die inländischen Orders lagen 14 Prozent über Vorjahr, die ausländischen sechzig Prozent.

Der Auftragseingang in der deutschen umformenden Werkzeugmaschinenindustrie verläuft deutlich positiv. Foto: Wolfagng Schäfer

„Im Vergleich zur gesamten Werkzeugmaschinenindustrie liegen die Ergebnisse der Umformtechnik etwas niedriger. Dennoch hat die Branche den Turnaround mit erheblich mehr Dynamik geschafft als ursprünglich angenommen und verzeichnet trotz mancher Lieferschwierigkeiten einen kräftigen Anstieg ihrer Bestellungen“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main, das Ergebnis. Die sehr hohen Zuwachsraten erklärten sich zwar auch mit den schwachen Vergleichswerten des Corona-Jahres 2020. Das Auftragsvolumen habe sich aber spürbar erholt und liege nur noch um neun Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau 2019. Auch sei die Entwicklung breit aufgestellt und zeige den großen Nachholbedarf bei Investoren aus aller Welt.

Ausland als Konjunkturmotor

Treiber ist derzeit nach wie vor das Ausland. Asien ist weiterhin von der hohen Nachfrage aus China geprägt, die für zwei Drittel des asiatischen Auftragsvolumens steht. Das US-Geschäft beginnt sich zu erholen. Es mehren sich die Zeichen, dass die Aufträge von dort künftig kräftiger anziehen werden. Europa ist ebenfalls spürbar aufgewacht. Hier stützen insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen mit Investitionsförderprogrammen die Nachfrage. Musterbeispiele sind Österreich und Italien. Das Inland zieht zeitversetzt nach. Insgesamt ist das Niveau der Topjahre 2017/2018 allerdings noch ein Viertel entfernt. „Ohne die Engpässe und Preissteigerungen bei den Zulieferungen, zum Beispiel bei Elektronik, Stahl, Blech, wäre sogar noch mehr drin“, resümiert Schäfer. Vor dem Hintergrund einer intakten Erholung der Weltwirtschaft wird jedoch ein weiterer Anstieg erwartet. Dies wirkt sich im laufenden Jahr bereits auf die Produktion aus. Aufgrund des deutlichen Auftragszuwachses hat Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, das Produktionsplus für die Werkzeugmaschinenbranche insgesamt bei acht Prozent verortet, zwei Punkte mehr als noch im Frühjahr. Damit läge das Volumen im laufenden Jahr bei 13,2 Milliarden Euro. „Bis zum Topergebnis der Jahre 2018/2019 bleibt allerdings noch eine Wegstrecke zurückzulegen“, sagt Schäfer. Damals hatte die Branche ein Ergebnis von 17 Milliarden Euro erzielt.

Beschäftigung noch rückläufig

Die Beschäftigung, ein Spätindikator in der Konjunkturentwicklung, ist noch rückläufig. Im Juni beschäftigte die Gesamtbranche knapp acht Prozent weniger Menschen als im Vorjahr. Das waren rund 64.200 Frauen und Männer. Die Kurzarbeit wurde weitgehend beendet. „Gleichwohl fürchten auch wir den Fachkräftemangel, denn unsere Industrie steht vor großen Herausforderungen. Stichworte sind die Transformation in der Automobilindustrie, Energiewende oder Digitalisierung. Sie zu bewältigen, braucht es die Menschen, die das können“, sagt Schäfer abschließend.

Hintergrund

Die Umformtechnik macht etwa dreißig Prozent der deutschen Werkzeugmaschinenproduktion aus. Dazu gehören Pressen, die oft in länger laufenden Großprojekten der Automobilindustrie eingesetzt werden, sowie Biegemaschinen, Stanzmaschinen und Drahtbe- und -verarbeitungsmaschinen, die ein breites Kundenspektrum bedienen. 2020 wurden Maschinen im Wert von 2,2 Milliarden Euro produziert.