Reinhard Pätz
„Geeignete Fachkräfte zu finden, ist leichter gesagt als getan“, Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. Foto und Grafiken: VDMA

Feinwerktechnik 2018-07-20T00:00:00Z Konjunktur: Ostdeutscher Maschinenbau läuft auf Hochtouren

Wie eine Umfrage des VDMA unter den 350 ostdeutschen Mitgliedern ergab, zeigen sich Kapazitätsauslastung und Auftragspolster im zweiten Quartal bei den Maschinenbauern weiter verbessert. Die Geschäftsaussichten werden überwiegend gut eingeschätzt und offene Stellen bleiben oft unbesetzt.

Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau zeigt trotz zunehmender politischer und wirtschaftspolitischer Spannungen im In- und Ausland kaum Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil: Die Unternehmen haben ihren Schwung der vergangenen Monate auch in das zweite Quartal 2018 mitgenommen. Die meisten blicken außerdem zuversichtlich in die Zukunft. Das ergab eine Umfrage unter den 350 Mitgliedern des VDMA-Landesverbandes Ost in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
91 Prozent der Betriebe bewerten demnach ihre wirtschaftliche Situation als sehr gut oder gut. „Die Geschäftslage der ostdeutschen Maschinenbauer hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren kontinuierlich verbessert. Dass sich diese Dynamik nun so nachdrücklich fortsetzt, hatten wir aufgrund der wachsenden Handelshemmnisse nicht erwartet“, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Bessere Auftragslage und Kapazitätsauslastung

Konjunkturdaten
Viele Konjunkturdaten zeigen nach oben.

Die Unternehmen haben ihre vorhandenen Produktionskapazitäten im Durchschnitt zu fast 93 Prozent ausgelastet – so gut wie zuletzt in den extrem starken Jahren 2007 und 2008. Von der guten Auftragslage profitierten weite Teile der heterogenen Branche: 74 von 100 Unternehmen erreichten eine Auslastung von mindestens neunzig Prozent. Nur vereinzelt lag diese unter achtzig Prozent.
Einen merklichen Sprung verzeichneten die Betriebe auch beim Auftragspolster. Sie können im Durchschnitt für knapp sechs Produktionsmonate planen. 85 Prozent der Firmen registrierten zudem im Vergleich zum Vorquartal mehr oder gleich viele Aufträge.

Unternehmen beklagen fehlende Kompetenzen

Kapazitätsauslastung
Die Kapazitätsauslastung ist weiter sehr hoch.

Die gute Auftragslage spiegelt sich auch in den Personalplanungen wider. Fast 57 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden sechs Monaten die Mitarbeiterzahl stabil halten – zusätzlich planen gut 38 Prozent der Betriebe, neue Mitarbeiter einzustellen. „Geeignete Fachkräfte zu finden, ist jedoch leichter gesagt als getan“, betont Pätz. So haben momentan vier von fünf Firmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Dazu trage die demografische Entwicklung bei, zudem seien manche Regionen aufgrund einer vergleichsweise unattraktiven Infrastruktur benachteiligt, erläutert der Verbandsgeschäftsführer. „Die Unternehmen beklagen aber auch unzureichende Qualifikationen sowie fehlende Motivation und Reisebereitschaft der Bewerber.“

Handelsstreit hinterlässt noch keine Spuren

Der Handelsstreit, die geopolitischen Spannungen, der ungewisse Ausgang der Brexit-Verhandlungen oder die deutsche Bundespolitik: All diese Risiken können weitere Wachstumsimpulse dämpfen und den Erfolg der Unternehmen spürbar abbremsen.
Dennoch ist die Stimmung in der Region gut. Etwa 15 Prozent der Betriebe gehen in den kommenden drei Monaten von einem anhaltenden Aufwärtstrend aus. Weitere 78 Prozent der Firmen erwarten gleichbleibende Geschäfte. „Diese Zuversicht wird von vollen Auftragsbüchern getragen. Auch scheint die Hoffnung mitzuschwingen, dass in den Konflikten letztlich die politische Vernunft die Oberhand gewinnt“, sagt Geschäftsführer Pätz.

Über den VDMA-Landesverband Ost

Umsatzrendite
Die Umsatzrendite liegt bei den meisten Unternehmen zwischen null und fünf Prozent.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) ist einer der bedeutendsten Verbandsdienstleister und bietet das größte Branchennetzwerk der Investitionsgüterindustrie in Europa. Seine Regionalvertretung in Ostdeutschland, der VDMA Ost, versteht sich als Sprachrohr der Branche vor Ort. Seinen etwa 350 Firmen, Werken und Niederlassungen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen stellt er vielfältige Dienstleistungen bereit. So werden die Mitglieder wirkungsvoll in ihrer täglichen Arbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt. Zudem vertritt er ihre Interessen gegenüber Politik sowie Wissenschaft auf Landesebene und ermöglicht es, durch ein weitreichendes Netzwerk Themen gemeinsam voranzubringen.

Über den ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau gilt als das Rückgrat der ostdeutschen Industrie. Moderne, leistungsstarke Traditionsbetriebe und junge, aufstrebende Unternehmen stehen für die industrielle Vielfalt. Ihre Produkte und Dienstleistungen genießen im In- und Ausland hohes Ansehen. Zwischen Ostseeküste und Erzgebirge liegen die Schwerpunktbranchen auf Werkzeug-, Druck- und Verpackungsmaschinen, Hebe- und Fördermitteln sowie Werkzeug- und Formenbau. Darüber hinaus ist der ostdeutsche Maschinenbau eng mit Zukunftsbranchen wie Biotechnologie, erneuerbaren Energien, Mikrosystemtechnik und Medizintechnik verzahnt.

Aktuelle Zahlen ostdeutscher Maschinen- und Anlagenbau
Unternehmen: zirka 470
Beschäftigte: zirka 83.600
Umsatz 2017: 19,01 Milliarden Euro
Exportquote 2017: 52,1 Prozent
Hinweis: zugrunde liegen Unternehmen mit mehr als fünfzig Mitarbeitern
Quelle: Statistische Landesämter, VDMA

zuletzt editiert am 26. April 2021
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