1405 Edelstahl
So sieht eine geschliffene korrosionsanfällige Probe (1.4301) nach der Prüfung mit dem Korropad nach 15 Minuten aus. Foto: BAM

Oberflächentechnik 2014-04-30T00:00:00Z Korropad: Neuer Schnelltest für nichtrostende Stähle

Korropad heißt ein neuer an der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung entwickelter Farbschnelltest, mit dem die Oberflächen nichtrostender Stähle schnell, einfach und preiswert überprüft werden können.

Für unerwarteten Verfärbungen und Flecken auf Edelstahloberflächen gibt es eine Ursache: Die schützende Chromoxidschicht (Passivschicht) kann sich nicht vollständig ausbilden. Allein dieser Schicht aber verdankt der nichtrostende Stahl seinen Namen. Sehen kann man diese Schicht nicht, folglich auch Fehlstellen darin nicht erkennen. Die Gründe für eine gestörte Schutzschicht sind vielfältig. Häufig entstehen die Fehler bereits bei der Verarbeitung. Aber auch eine fehlerhafte Herstellung der Halbzeuge, die heutzutage weltweit erfolgt, führen zu Abweichungen in der erwarteten Korrosionsbeständigkeit der Werkstoffe.

Mit dem Korropad-Test kann man die Oberfläche der Stähle im Lieferzustand und nach der Verarbeitung überprüfen. Auf diese Weise können sich zum Beispiel Metallbauer vor kostenintensiven Gewährleistungsansprüchen schützen. Und es muss auch nicht nur bei optischen Problemen bleiben. Denn die nicht rostenden Stähle sind auch Ausgangsmaterial für die Herstellung von Ankern und Dübeln, Behältern für Gefahrgüter oder komplexen chemischen Anlagen. Und diese sind später meist so verbaut, dass ein Fehler gar nicht auffällt, was zu Sicherheitsproblemen führen kann. So dient das Korropad auch der technischen Sicherheit.

Pro Prüfung werden drei Pads benötigt, die auf den nichtrostenden Stahl gelegt werden. Damit bekommt man eine Momentaufnahme über den Zustand der Passivschicht. Die Pads haben etwa die Größe einer Fünf-Cent-Münze. Zunächst wird die Oberfläche mit Aceton oder Alkohol gereinigt und dann die Pads auf der zu prüfende Oberfläche leicht angedrückt. Nach 15 Minuten werden die Pads mit einem Spatel abgelöst, auf eine Kunststoffträgerfolie gelegt und können eingescannt oder fotografiert werden.
Und die 15 Minuten sind sehr schnell im Vergleich zu anderen Methoden, bei denen die Versuche oft mehrere Stunden oder auch Wochen dauern. Und noch ein Vorteil bietet Korropad: Das Bauteil kann nach der Prüfung weiterverarbeitet oder beim Kunden eingebaut werden, denn die Prüfung erfolgt praktisch zerstörungsfrei.

Wasser und ein Indikator für Eisenionen sind die Inhaltsstoffe der gelartigen Pads. Fehlt die schützende Chromoxidschicht auf der Stahloberfläche, reagiert der Indikator mit den Eisenionen im Werkstoff. Die Folge: Der Indikator verändert seine Farbe. Auf den leicht gelblichen Pads erscheinen blaue Punkte. Jeder Punkt zeigt an, dass sich die schützende Passivschicht auf der Stahloberfläche nicht ausbilden konnte.
Mittlerweile setzen schon einige Firmen auf Korropad. Aber auch in der Ausbildung, an den beruflichen Schulen und Universitäten steht das Schnellverfahren auf dem Lehrplan. Korropad macht Materialeigenschaften sichtbar, die sonst dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Und Korropad zeigt den Lernenden, wie wichtig es ist, Verarbeitungsregeln einzuhalten. Denn: Normen allein führen nicht zur sicheren technischen Anwendung, sondern das, was davon in der Praxis auch tatsächlich umgesetzt wird.

Bestellbar sind die Pads über den Webshop der BAM unter www.webshop.bam.de. Hundert Stück kosten 390 Euro, kleinere Verpackungseinheiten werden aufgrund zahlreicher Nachfragen demnächst auch angeboten. Eine Prüfung mit drei Pads kostet also etwa zwölf Euro.

Das Vorhaben 17136 N/1 der Forschungsvereinigung GfKORR e.V. wurde über die AiF im Programm zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

zuletzt editiert am 26. April 2021
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