Korrosionsschutz: Moderne Oberflächenlösungen sichern Investitionen. Mit dem Leiter der ZINQ-Manufaktur, Volker Hastler, sprechen wir über wirksame Korrosionsschutzstrategien, die Bedeutung der richtigen Oberflächenbehandlung und darüber, worauf Metallbauer heute achten müssen, um Korrosion langfristig zu verhindern.


Herr Hastler, warum ist das Thema Korrosionsschutz im Metallbau heute wichtiger denn je?
Heutzutage entscheidet insbesondere der Korrosionsschutz über die Lebensdauer, die Sicherheit und den Werterhalt von Metallkonstruktionen. Korrosion betrifft nicht nur die Optik, sondern kann auch tragende Funktionen beeinträchtigen und im schlimmsten Fall sicherheitsrelevant werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und CO2-Reduktion. Ein dauerhaft wirksamer Korrosionsschutz sorgt dafür, dass Investitionen jahrzehntelang abgesichert sind, und leistet gleichzeitig einen aktiven Beitrag zu nachhaltigem und wirtschaftlichem Bauen, indem er hilft, Materialverbrauch, Instandhaltung und Ersatzneubauten zu reduzieren.
Welche typischen Fehler führen in der Praxis am häufigsten zu vorzeitigem Korrosionsschaden?
In der Praxis sind es häufig konstruktive Details, die später zu Problemen führen. Dazu zählen fehlende oder zu kleine Entlüftungs- und Auslauföffnungen, zu enge Spalten, ungeeignete Materialkombinationen oder Verunreinigungen auf der Stahloberfläche. Auch eine unzureichende Abstimmung zwischen Planung, Fertigung und Beschichtung spielt eine große Rolle. Wenn Bauteile nicht verzinkungsgerecht konstruiert sind, entstehen ungeschützte Bereiche, in denen die Korrosion früh angreifen kann. Diese Fehler lassen sich aber mit Erfahrung, entsprechender Planung und Kommunikation vermeiden.
Welche Rolle spielt die Oberflächenbehandlung im Vergleich zu Materialauswahl und Konstruktion?
Konstruktion, Materialauswahl und Oberflächenbehandlung müssen immer gemeinsam betrachtet werden. Ein hochwertiger Werkstoff allein reicht nicht aus, wenn die Konstruktion ungünstig ist oder der passende Schutz der Oberfläche fehlt. Erst das Zusammenspiel aller drei Faktoren sorgt für eine dauerhaft funktionierende Lösung. Die Oberflächenbehandlung bietet in jedem Fall den nötigen Schutz vor mechanischen Einflüssen oder Umweltfaktoren wie Feuchtigkeit oder Schadstoffen. Sie entscheidet letztlich darüber, ob ein Bauteil seine geplante Lebensdauer erreicht oder frühzeitig instandgesetzt werden muss.
Wie funktioniert dauerhafter Korrosionsschutz aus technischer Sicht – und wo liegen seine Grenzen?
Beim Feuerverzinken wird der Stahl vollständig von einer fest haftenden Zinkschicht umschlossen, die metallurgisch mit dem Grundwerkstoff verbunden ist. Diese Schicht schützt den Stahl doppelt: als Barriere gegen äußere Einflüsse und durch kathodischen Schutz, der auch bei kleineren Beschädigungen wirksam bleibt. Zusammen ergibt das einen sehr robusten Korrosionsschutz. Selbst in hochkorrosiven Umgebungen der Kategorie C5, sprich in Industrie- oder Küstenbereichen, aber auch bei mechanischer Beanspruchung durch Nutzung oder Bewegung hat sich das System bewährt. Ich denke da speziell auch an Verkehrs- und Infrastrukturbauten oder stark beanspruchte Bauteile wie Unterbodenkomponenten im Fahrzeugbau. Grenzen werden erst bei sehr aggressiven chemischen Medien oder bei extremen mechanischen Einwirkungen erreicht. In solchen Sonderfällen sind ergänzende Maßnahmen sinnvoll.
Welche Vorteile bietet die Feuerverzinkung gegenüber anderen Schutzverfahren?
Das Feuerverzinken bietet einen sehr langlebigen, wartungsarmen und somit wirtschaftlich attraktiven Korrosionsschutz. Es eignet sich damit auch hervorragend für Bauteile, die dauerhaft Wind und Wetter oder mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Zudem lassen sich Bauteile aus verzinktem Stahl wiederverwenden oder im Sinne des Remanufacturing instandsetzen und sind am Ende ihres Lebenszyklus vollständig recycelbar. Wir bei ZINQ haben zusätzliche Oberflächenlösungen entwickelt, um den Korrosionsschutz noch besser an unterschiedliche Anforderungen und Einsatzbereiche anzupassen.
Inwiefern beeinflussen Umweltbedingungen und Nutzung die Wahl des geeigneten Korrosionsschutzes?
Die Einsatzbedingungen sind entscheidend für die Wahl des Korrosionsschutzes. In der Praxis geht es meist nicht um die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen eine Verzinkung, sondern um die Auswahl der passenden Oberflächenvariante, und da kann auch eine Kombination aus einer Feuerverzinkung und einer zusätzlichen Beschichtung, also ein Duplexsystem, ins Spiel kommen. Feuchtigkeit, Luftschadstoffe, Temperaturschwankungen, mechanische Beanspruchungen sind alles Dinge, die es zu berücksichtigen gilt. Eine Kon-
struktion im Innenbereich stellt andere Anforderungen als ein Bauteil im Verkehrs- oder Industriebereich. Bestenfalls sollte die Wahl auf eine Lösung fallen, die unter den jeweiligen Bedingungen zuverlässig funktioniert, über viele Jahre hinweg Bestand hat und ökologisch verantwortbar ist.
Welche Anforderungen stellen Normen und Regelwerke aktuell an den Korrosionsschutz im Metallbau?
Normen und Regelwerke geben verbindliche Vorgaben, etwa zu Schichtdicken, kon-
struktiven Details oder Ausführung. Sie schaffen Planungssicherheit und sorgen auch dafür, dass Korrosionsschutzlösungen vergleichbar und reproduzierbar sind. Für Metallbaubetriebe sind sie ein Hilfsmittel, um Qualität und Sicherheit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sicherzustellen.
Wie können Metallbaubetriebe bereits in der Planungsphase Korrosion wirksam vorbeugen?
Die Planungsphase ist tatsächlich ein wichtiger Ansatzpunkt. Verzinkungsgerechtes Konstruieren, die frühe Abstimmung mit dem Beschichtungsunternehmen und die Berücksichtigung der späteren Nutzung zahlen sich aus. So lassen sich Nacharbeiten vermeiden, Kosten senken und die Ausführungsqualität verbessern. Gleichzeitig wird die Konstruktion langlebiger und nachhaltiger, was auch dem Bauherrn zugutekommen dürfte.
Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei modernen Oberflächenlösungen?
Langlebiger Korrosionsschutz trägt auch zur Ressourcenschonung bei. Bauteile müssen seltener ersetzt oder gewartet werden, was Material, Energie und Emissionen spart, von Zeit und Personalkosten ganz zu schweigen. In der Oberflächentechnik wird zunehmend ganzheitlich gedacht: also vom eingesetzten Material über die Nutzung bis zur Wiederverwertung. Zirkuläre Ansätze, wie wir sie beispielsweise mit unserem zirkulären Geschäftsmodell Planet ZINQ verfolgen und die den gesamten Weg eines Produktes von der Entwicklung über die Produktion bis zur Wiederverwertung als geschlossenen Kreislauf begreifen, machen deutlich, dass sich Korrosionsschutz, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sinnvoll verbinden lassen.
Welche Empfehlungen geben Sie Metallbauern, um Korrosionsschutz langfristig wirtschaftlich und sicher umzusetzen?
Metallbauer sollten frühzeitig planen, Normen konsequent berücksichtigen und den Austausch mit dem Verzinkungsunternehmen ihres Vertrauens suchen. Wichtig ist außerdem, nicht nur die reinen Investitionskosten zu betrachten, sondern die gesamte Lebensdauer und mögliche Folgekosten mit einzubeziehen. Wer Dauerhaftigkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt, schafft robuste Konstruktionen und echte Zukunftssicherheit für Kunden und den eigenen Betrieb.