Abbildung eines Lagerbestandes
Analysieren Sie Ihren Lagerbestand und erweitern Sie Ihr Lieferantennetzwerk. (Quelle: M&T)

Feinwerktechnik

29. August 2022 | Teilen auf:

Krisenmanagement: Feinwerkmechanik in der Krise

(August 2022) Es fehlt an Material. Es fehlt an Fachkräften. Fehlt es bald auch an Energie? Was Sie tun können, um in dieser Krisenflut den Kopf über Wasser zu halten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Keine Halbzeuge, keine Werkzeuge und noch immer sind Computerchips Mangelware. Ursachen für die mangelhafte Versorgungssituation sind unter anderem Lockdowns in China, der Krieg in der Ukraine sowie Verzögerungen an den zentralen Umschlagplätzen. Auf diese äußeren Faktoren haben Sie, wenn überhaupt, nur sehr wenig Einfluss. Selbstverständlich ergeben Sie sich als Unternehmer schon von Berufs wegen nicht der Machtlosigkeit. Sie wägen kontinuierlich Ihre Möglichkeiten ab und halten Ihre Kunden darüber auf dem Laufenden.Die folgenden vier Aktionen können Ihnen dabei als Anregung dienen.

Analysieren Sie Ihren Bestand

Der heutzutage übliche Ansatz zur Lagerhaltung ist das Pull-Prinzip. Die Warenversorgung erfolgt je nach geschätztem beziehungsweise konkretem Bedarf, sodass im Idealfall keine unnötigen Lagerkosten entstehen (Just-In-Time). Dieses Konzept wird durch eine global vernetzte Welt und dem damit einhergehenden Weltmarkt bestärkt. Werden die internationalen Lieferketten jedoch gestört, sind die Vertreter der klassischen Vorratslagerhaltung im Vorteil. Da ein Ende dieser Störungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar ist, empfiehlt sich eine Erhöhung der Lagerhaltung, sofern möglich.Daneben gilt es die eigenen Lieferketten zu untersuchen. Von Interesse ist dabei, wer Bestandteil Ihrer Supply Chain ist und an welcher Stelle in der Kette Verzögerungen oder Ausfälle bestehen oder entstehen könnten. Entgegen der Beschaffungsstrategie vieler Unternehmen in den letzten Jahren sollten Sie sich von Single Sourcing (Einzelquellenbezug) verabschieden und ihr Lieferantennetzwerk gezielt erweitern. Dabei sollten Sie sich nicht nur die Frage stellen, woher Sie Ihre aktuellen Waren alternativ beziehen können und zu welchem Preis, sondern auch, ob die Beschaffung alternativer Artikel möglich ist.

Beugen Sie Komplikationen bei Ihren Kunden vor

Im Umgang mit Ihren Kunden zählt aus menschlicher und strategischer Sicht nur eines: Kommunikation!Informieren Sie Ihre Kunden über die aktuelle Situation und darüber, ob Ihr gemeinsames Geschäft bereits von den Lieferengpässen betroffen ist.Falls ja, halten Sie Ihre Kunden von sich aus auf dem aktuellen Stand. Teilen Sie jede Neuigkeit mit. Lassen Sie den Kommunikationsfaden nicht abreißen.

Für den Fall, dass Ihre Geschäftsbeziehungen bisher von der Materialknappheit und den weiteren Störfaktoren verschont geblieben ist, sollten Sie Ihre Kunden dennoch für die Eventualität sensibilisieren. Eine ehrliche Kommunikation und Transparenz stärken die Bindung zwischen Ihnen und Ihren Kunden.Gleichzeitig verlangen die Umstände von allen Beteiligten in der Lieferkette Verständnis für die Situation des jeweils anderen – so auch von Ihnen.

Bieten Sie alternative Lösungen an

Die benötigten Halbzeuge sind nicht abrufbar? Sehen Sie sich nach anderen Materialien um und bieten Sie alternative Produkte an, wo immer dies möglich ist. Zeigen Sie Ihrem Kunden, dass Sie sich Gedanken machen!

Der Auftrag wird nicht rechtzeitig fertig? Informieren Sie den Kunden frühzeitig, erörtern Sie Lieferterminverschiebungen beziehungsweise bieten Sie Teillieferungen an.

Zu viel Ihres Kapitals ist im erweiterten Lagerbestand gebunden? Fragen Sie Ihre Kunden nach auftragsbezogenen Anzahlungen.

Ihr Kunde gerät in Zahlungsnot? Vereinbaren Sie individuelle Zahlungsmodalitäten, mit denen beide Seiten leben können.

Wie groß die Herausforderung auch zu sein scheint, ergreifen Sie die Initiative, suchen Sie das Gespräch und diskutieren Sie die Optionen!

Bereiten Sie sich auch auf Energielieferengpässe vor

Eine Verknappung der Gasversorgung trifft vor allem diejenigen Unternehmen, die auf das Energiemedium zur Erzeugung von Prozesswärme angewiesen sind. Aber auch der Raumwärmebedarf will gedeckt sein. Prüfen Sie, welche Möglichkeiten Sie im eigenen Betrieb haben, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Ist die Umrüstung Ihrer Gasheizung auf Öl möglich oder die Installation eines zusätzlichen Backup-Systems, das auf einen alternativen Energieträger (zum Beispiel Strom oder Öl) zurückgreift? Machen Sie sich schlau. Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Notieren Sie sich, welche Maßnahmen greifen sollen, sollte die Energieversorgung Ihres Unternehmens ins Stocken geraten. So können Sie im Notfall auf einen Plan zurückgreifen, ohne unnötig Zeit und Geld zu verlieren.

Ebenfalls ratsam ist eine enge Abstimmung mit Ihrem Netzbetreiber.

Fazit:

Kommunikation ist alles!

Das einzig Positive an einer Krise ist, dass sie den Starken die Möglichkeit gibt, an ihr zu wachsen. Damit alle Marktteilnehmer die Chance erhalten, sich zu den Starken zählen zu dürfen, ist gemeinschaftliches Handeln notwendig. Ehrliche, freundliche, transparente Kommunikation sowie das Verständnis für die Situation der eigenen Kunden und Lieferanten sind dafür unabdingbar.

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Quelle: Charles Coleman Verlag

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zuletzt editiert am 29.08.2022