Kupfertreiben in familiärem Flair: Gordon Wächter, Frank Sebbin, Sylvia Donath, René Donath, Benjamin Ehrhardt, Kursleiter Frank Blobel, Günter Oertel (v. l.). (Quelle: HWK Chemnitz)

Kupfertreiben 2024-04-24T10:34:15.022Z Der geschulte Blick für das Wertvolle

Wenn zum Kupfertreibkurs in der Handwerkskammer Chemnitz geladen wird, herrschen familiäres Flair, gegenseitiger Austausch und die Bereitschaft zum Lernen. Wie Teilnehmer über die traditionelle Technik denken und warum ein Wiederkommen nur eine Frage der Zeit ist.

Wie viele Hammerschläge Günter Oertel binnen weniger Sekunden ausgeübt hat, um seinen „Nischl“ weiter in Form zu bringen? Er hat aufgehört zu zählen. Oder nie damit begonnen. Es würde sich wohl schlichtweg auch nicht anbieten, das zu wissen. Denn beim Kupfertreiben, der traditionellen Handwerkstechnik, die schon die alten Römer vor tausenden von Jahren anwandten, zählt vielmehr die eigene Zufriedenheit an dem Geschaffenen und die Freude am Tun, als weniger der Weg dorthin. In der Chemnitzer Handwerkskammer, in der derartige Lehrgänge jährlich angeboten werden, war es von Februar bis März nun wieder soweit. Sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich, um von Dozent Frank Blobel unterrichtet zu werden.

Benjamin Erhardts Raben im nordischen Stil. (Quelle: HWK Chemnitz)

„Für das, was mir hier geboten wird beziehungsweise, was ich damit lernen kann, ist es mir das einfach wert. Weil ich draußen vielleicht auch mal Aufgaben bekomme, die ähnlich gefächert sind – und schon kannst du entsprechend reagieren“, fasst Günter Oertel zusammen. Der Schmiedemeister, der einen Betrieb im westsächsischen Blankenhain leitet, ist gerne zu Gast, lobt das Beisammensein bei den Kupfertreibkursen: „Lernen, Austauschen, das Gespräch unter uns Kollegen, mit Frank als Ausbilder, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Es ist einfach schön.“

Die Schmiedewerkstatt der HWK Chemnitz. (Quelle: HWK Chemnitz)

Besagter „Nischl“ steht übrigens nicht für Oertels eigenes Haupt, sondern für das berühmte Karl-Marx-Monument in der Chemnitzer Innenstadt. Dieses nahm er sich als Vorlage für sein Relief, denn Masken, Gesichter und Wappenlogos standen diesmal als Thema im Mittelpunkt. So nahmen beispielsweise Sylvia und René Donath das Porträt des Ehepartners zum Anlass. Andere ergänzten unter anderem mit Friedenstaube oder des heimischen Hausschilds die prunkvolle Auswahl. „Das ist eben das Besondere. Weil es alles individuelle Stücke sind, begeistert es die Leute, hier herzukommen“, zeigt sich Frank Blobel zufrieden.

Frank Blobel, Fachbereichsleiter Metall & Kursleiter. (Quelle: HWK Chemnitz)

Dass so mancher für den wissenswerten Lehrgang sogar eine weitere Anreise in Kauf nimmt, hat Frank Sebbin aus der Nähe von Oldenburg bewiesen. Bereits zum zweiten Mal bewältigte er die rund 520 Kilometer vom Norden nach Chemnitz, um am Kupfertreibkurs teilzunehmen. „Die Ausbildungsstätte hier ist faszinierend. Es herrscht eine hervorragende Qualität beim Lehrgang und dem Umgang mit den Leuten“, sagt der Norddeutsche, der ein Abbild seiner Frau aus seiner Kupferplatte fertigte und zudem einen wichtigen Punkt ansprach: „Handwerk bedeutet, vom Kopf in die Hände und von den Händen zurück in den Kopf. Und da das oftmals nur mit Geduld geht, sind solche Lehrgänge wichtig, um aus der gewohnten Geschwindigkeit rauszukommen.“ Gute Laune bringe das Ganze ohnehin mit sich. Und die sei auch wichtig, da es laut Sebbin gerade die Enthusiasten sind, die für diese Arbeit brennen und damit auch dem Kunden eine gewisse Sicherheit geben.

Frank Sebbin erhitzt seine Maske. (Quelle: HWK Chemnitz)

Denn Wertvolles zu bewahren und mit traditionellem Handwerk umzugestalten beziehungsweise neu aufleben zu lassen, birgt Verantwortung in sich. Und die ist nicht nur bei Auftragsarbeiten mit Kupfer sondern auch beispielsweise während der Tätigkeit als Restaurator wichtig. Denn Kunden zu sensibilisieren, Vorschläge zu bringen und den Status alter Sachen zu erkennen sind letztlich die Zutaten, die in der Praxis für Risiko- und Schadensprävention, materialspezifische Konservierungstechniken oder naturwissenschaftliche Arbeitstechnologien erforderlich sind.

Gordon Wächter beim Kupfertreiben. (Quelle: HWK Chemnitz)

„Das Wissen zu haben, welche Sachen wirklich etwas wert sind, also Kunst und Krempel zu unterscheiden, dass man der Kundschaft gegenüber eine vernünftige Aussage treffen kann – das erbringen solche Kurse auf jeden Fall“, ist sich Teilnehmerin Sylvia Donath sicher und fasst abschließend zusammen: „Wenn man schon Meister ist und es das ist, was einen erfüllt, dann kann man dem mit beispielsweise einem Kurs zum Geprüften Restaurator noch die Krone aufsetzen.“ Womit sie definitiv einen Punkt trifft, sind es doch Personen wie René Donath oder Frank Sebbin, die dafür sorgen, dass Kundenaufträge auch umgesetzt werden können. „Dafür haben wir Schule in Anspruch genommen, die uns diesbezüglich in diese Richtung gebracht hat. Und deshalb können wir das auch mit anderen Augen sehen und auch gut beraten“, so Günter Oertel.

Was den Metallhandwerkerinnen und Metallhandwerkern des jüngsten Kupfertreibens definitiv bleibt, fernab jedweder übergeordneten Vorgabe, ist neben einem harmonierenden Kursleben die Gewissheit, wieder dazugelernt, neue Techniken verinnerlicht und bestehendes Know-how aufgefrischt zu haben. Nicht zuletzt deshalb herrscht große Freude, bekannte Gesichter an bekanntem Ort mit guter Ausstattung vorzufinden, weshalb derartige Kurse auch in Zukunft noch eine große Rolle spielen sollen. „Wir haben das ja bereits vor Corona angeboten und ich bin sehr zufrieden, dass sich wieder so viele Teilnehmer gefunden haben“, ist Dozent Frank Blobel zufrieden mit der Leistung und Hingabe seiner Schüler. Und diese danken es ihm. Nicht nur für seine Zeit, sondern auch für die Offenheit für Themen-Vorschläge gegenüber und natürlich der Erfahrung, die er ihnen diesbezüglich nahelegen kann und weitergibt. „Man kann von den älteren eben viel lernen“, so Benjamin Ehrhardt, mit 34 Jahren jüngster Teilnehmer, augenzwinkernd. Und auch Günter Oertel ist überzeugt: „Das ist ein Mehrwert, den kannst du nicht durch Geld aufwiegen. Denn jedes Mal, wenn man sich trifft, nimmt man auch was mit.“ Ein weiterer Besuch in der Handwerkskammer Chemnitz bleibt für die Teilnehmer, die nun zufrieden mit ihren Werken wieder ihrem täglichen Handwerksberuf nachgehen, somit nur eine Frage der Zeit.

René Donath beim Treiben einer Maske. (Quelle: HWK Chemnitz)

Für weitere Liebhaber des Metallhandwerks bietet sich übrigens eine Anfrage bei der Handwerkskammer Chemnitz an. Vom nächsten Kupfertreibkurs, der am 14. Februar 2025 starten soll, bis zum Fortbildungslehrgang zum Geprüften Restaurator im Metallbauerhandwerk (5. September 2024 bis 18. April 2026 in Teilzeit) ist alles dabei. Anmeldungen können bei Silke Schneider unter Tel. 0371 5364-160 oder per Mail an s.schneider@hwk-chemnitz.de eingereicht sowie weitere Informationen unter www.hwk-chemnitz.de/weiterbildung/bildungsprogramm eingeholt werden.

zuletzt editiert am 10. Mai 2024
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