An dieser Stelle informieren wir Sie über Neuigkeiten aus dem Bereich der Feinwerkmechanik im Bundesverband Metall und stellen interessante Betriebe in loser Folge vor. Hier die Firma Maschinenbau Jacobs aus Halle an der Saale.
Weitere Infos finden Sie unter
www.maschinenbau-jacobs.de
beziehungsweise
www.metallhandwerk.de/bundesfachgruppe-feinwerkmechanik
.

Die Firma Maschinenbau Jacobs aus Halle an der Saale montiert und wartet Saatgutsortiermaschinen. Nur selten bekommt das Produkt „Saatgut” die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die es verdient. Doch mit dem Ausbringen von Saatgut fängt in der Produktion von Gemüse, Getreide, Gräsern, Salaten oder Kräutern das Wachstum immer wieder aufs Neue an. Saatgut ist weltweit ein umstrittenes Produkt. Landwirte und Gärtner legen großen Wert auf ein hochwertiges, vielfältiges und an die Böden und das Klima angepasstes Saatgut. Ein am südlichen Rande Halles produzierender Maschinenbaubetrieb spielt für sie alle und für eine zukunftsfähige Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Und viele Gartenfreunde werden beim Kauf von Samentütchen in Gartencentern indirekt zu Kunden dieses kleinen mitteldeutschen Metallhandwerkbetriebs.
Weiter als eingentümergeführter Handwerksbetrieb
Die Maschinenbau Jacobs wurde 1931 von Hermann John gegründet und ist seither auf die Herstellung von Saatgutaufbereitungswerkzeugen und -maschinen spezialisiert. Für einen selbstkonstruierten Nadeltrieur für die Erbsenauslese erhielt der Gründer schon frühzeitig ein erstes Patent. 1950 übernahm sein Schwiegersohn Werner Jacobs den Betrieb. Als dessen Sohn Klaus 1971 den Betrieb übernehmen wollte, erhielt er zunächst keine Erlaubnis. Die DDR-Verwaltung wollte ihn dazu zwingen, das Unternehmen in eine Produktionsgenossenschaft umzuwandeln. Privaten Unternehmen war es nicht gestattet, mehr als zehn Mitarbeiter zu beschäftigen. Nach harten Auseinandersetzungen konnte Klaus Jacobs schließlich das Unternehmen als eigentümergeführten Handwerksbetrieb weiterführen. 1983 und 1989 traten in vierter Generation Christoph und Thomas Jacobs in das Unternehmen ein und übernahmen die Geschäftsführung. Die Betriebsübergabe an die fünfte Generation ist inzwischen nicht ganz unwahrscheinlich.
An einem guten Standort ansässig
Die Maschinenbau Jacobs konstruiert, montiert und wartet selbstgebaute und fremde Anlagen zur Aufbereitung von Saatgut und Spezialkulturen (Gräser, Arznei- und Gewürzpflanzen, Gemüse- und Blumensamen usw.) und bedient manchmal auch Kunden aus aller Welt. In der 2003 neu errichteten Produktionshalle werden Spezialmaschinen, Allesdrescher für Gemüse, Blumen oder Gräser, Fördergeräte und (nur noch selten) mobile Aufbereitungsanlagen unter Einsatz modernster Blechbearbeitung hergestellt. Das Unternehmen beschäftigt zehn Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende in den Berufen Metallbauer und Bürokauffrau.
Der Standort Halle für die Saatgutbearbeitung hat einen wirtschaftsgeografischen Hintergrund, erzählt Thomas Jacobs: „Die Region liegt im Regenschatten des Harz, und der Vorharz war in der Vergangenheit einer der bedeutendsten Standorte für den Gemüseanbau.”
Das Geschäft mit dem Saatgut war bis Ende des 19. Jahrhunderts so umfangreich, dass ein in Quedlinburg ansässiges, auf die Herstellung von Saatgut spezialisiertes Unternehmen der zweitgrößte Steuerzahler des deutschen Reiches war. Mit dem bei Quedlinburg gelegenen Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), das in seiner Kulturpflanzenbank und seinem Genbankinformationssystem einen Gesamtbestand von 151.002 Mustern aus 3.212 Arten und 776 Gattungen sicher aufbewahrt, ist die Region für den Erhalt der genetischen Vielfalt im Bereich Kulturpflanzen auch heute wieder (oder noch immer) von weltweiter Bedeutung.
Ein Handschlag gilt noch etwas
Die Sortierung und Reinigung von Saatgut ist, zumal wenn es sich um Gräser- oder Gemüsesamen handelt, ausgesprochene Feinarbeit, die mit Hilfe immer neuer Technologien unterstützt wird. Die Samen, die manchmal kleiner als 1,5 Millimeter sind, werden auch unter Einsatz von pneumatischen Auslesern, Zellenauslesern oder fototechnischen Verfahren gereinigt und sortiert.
Kunden von Jacobs sind unter anderem Landwirte, Gemüsebauern, Saatguthändler und -züchter oder Unternehmen, die Saatgut in die kleinen Tütchen abfüllen, die im Baumarkt zu kaufen sind. Darunter befinden sich auch Bauern, die eigene Getreidesorten anbauen, und Müller, Bäcker oder Brauer, die mit diesen Spezialitäten beliefert werden, oder Gemüsebauern, die sich auf Kräutertees und spezielle Gemüsesamen spezialisiert haben.
Thomas Jacobs: „Die Kundschaft aus den Biobetrieben wächst vor allem in Ballungszentren, wo die Landwirte die Möglichkeit der Direktvermarktung haben. Wir haben eine gute Auftragslage, und die Nachfrage entwickelt sich sehr gut. Wir sind froh, dass wir mit Landwirten Geschäfte machen dürfen, denn in dieser Branche gilt der Handschlag noch etwas. Anders als im großen Anlagenbau sitzen bei uns bei den Auftragsverhandlungen in der Regel keine Rechtsanwälte mit am Tisch.”