„Wir sind heute speziell im Bau von Sonderkonstruktionen, im Bereich von bewegten Fassadenelemente, einzigartigen Tragstrukturen sowie in der Oberflächenveredelung besonders innovativ“, beschreibt Thomas Brandl seine Arbeit.
„Wir sind heute speziell im Bau von Sonderkonstruktionen, im Bereich von bewegten Fassadenelemente, einzigartigen Tragstrukturen sowie in der Oberflächenveredelung besonders innovativ“, beschreibt Thomas Brandl seine Arbeit.

Interviews mit Branchenpartnern

01. August 2021 | Teilen auf:

Metallbau: „Unser Bestreben ist ein gesundes, solides Unternehmenswachstum“

(August 2021) Das Unternehmen Erhard Brandl hat mit dem Hotel-Vordach „Asymptotic Canopy“ den Deutschen Metallbaupreis 2020 gewonnen. Wie sein Unternehmen den Gewinn nutzt, sich die eigene Innovationskraft erhält und welche Aufgaben er besonders gern macht, erläutert der Geschäftsführer Thomas Brandl im Interview mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider.

„Oftmals ist ein pragmatischer Musterbau an der Werkbank ein Schlüssel zum Erfolg, wenn die klassische Entwicklung und Planung ins Stocken geraten ist“, rät Thomas Brandl. Fotos: M&T

Wo ist Ihr Unternehmen besonders innovativ?

Unser Unternehmen ist schon immer von Neugier geprägt, die Entwicklung von Neuem hat bei uns Tradition. So haben sich im Laufe unserer Firmengeschichte die Tätigkeitsschwerpunkte immer wieder den sich ändernden Kundenwünschen angepasst. Wir sind heute speziell im Bau von Sonderkonstruktionen, im Bereich von bewegten Fassadenelemente, einzigartigen Tragstrukturen sowie in der Oberflächenveredelung besonders innovativ. So haben wir beispielsweise die Stahloberfläche „Steel on fire“ – eine besonders hart verzunderte Stahloberfläche mit einmaligen Farbnuancen und Texturen entwickelt und zur Marktreife gebracht. Dieses Material eignet sich ideal für den anspruchsvollen Innenausbau und findet großen Anklang am Markt. 

Aus welchen Teilen besteht Ihr Unternehmen?

Unser Unternehmen besteht aus drei Geschäftsbereichen mit rund achtzig Mitarbeitern, dem Metallbau, einem Einzelhandel sowie einer Landtechniksparte. Die Bereiche sind historisch gewachsen und ergeben mittlerweile eine unvergleichliche Symbiose, auf die wir besonders stolz sind. Die mannigfachen Synergieeffekte erkennt beziehungsweise versteht man oft erst nach dem zweiten oder dritten Blick. Gibt es ein Spezialgebiet im Metallbaubetrieb?Ein Spezialgebiet im klassischen Sinne haben wir nicht. Besonders spannend ist es aber, wenn zur Lösung einer Aufgabenstellung alle Disziplinen, vom Architekt und Designer über den Statiker bis hin zum Handwerker, alle gefordert sind. Dabei ist oftmals ein pragmatischer Musterbau an der Werkbank ein Schlüssel zum Erfolg, wenn die klassische Entwicklung und Planung ins Stocken geraten ist. Wir sind auch seit über 15 Jahren Vertriebspartner von Sky-Frame – rahmenlose Schiebefenster – und somit ein kompetenter Ansprechpartner wenn es um den gehobenen Wohnungsbau geht. 

„Jeder Mitarbeiter darf sich ausprobieren und spezialisieren.

“Geschäftsführer Thomas Brandl

Welche Aufgaben machen Sie in Ihrem Unternehmen besonders gern?

Die Kundenakquise bereitet mir nach wie vor unheimlich Freude. Die Kunden von unserem Know-how und Können zu begeistern und am Ende einen neuen Stammkunden zu gewinnen, ist eine tolle Bestätigung. Daneben natürlich das Tüfteln an Sonderlösungen, da kommt einfach der Maschinenbauingenieur in mir durch. 

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit mit Studenten (beispielsweise der TU München)?

Das Arbeiten mit jungen Geistern bereichert immer. Die Studenten bringen viel Elan sowie Wissensdurst nach der praktischen Umsetzung mit. Es ist interessant zu erleben, wie frei diese Menschen in ihrem Denken und Überlegungen noch sind. Da kommen oft Skizzen und Ideen auf den Tisch, wo man im ersten Augenblick nur schmunzelnd den Kopf schütteln kann. Manchmal gelingt es dann jedoch tatsächlich solch eine wilde Idee weiter zu entwickeln und diese Motivation beflügelt natürlich auch das gesamte Team. Sie haben 2020 mit dem Hotel-Vordach „Asymptotic Canopy“ den Deutschen Metallbaupreis gewonnen.

Wie wirkt sich diese Auszeichnung auf Ihren Betrieb aus?

Foto: M&T

Natürlich ist das eine unglaubliche Ehre und eine tolle Auszeichnung. Im Kollegenkreis haben wir dadurch viel Anerkennung erhalten. Auch der Laie erkennt sofort, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt.Aktuell arbeiten wir an dieser Stelle bereits an einer Weiterentwicklung dieser Tragstrukturen von statischen Systemen hin zu beweglichen beziehungsweise faltbaren Lamellenstrukturen. Wenn es nach Plan läuft könnten wir bis Ende des Jahres einen ersten Prototypen gefertigt haben.

Wie haben Sie den Gewinn öffentlich gemacht? 

In unserem allgemeinen Schriftverkehr haben wir die Auszeichnung integriert sowie medial auf unserer Homepage und den Social-Media-Kanälen damit geworben. Das Siegeremblem und die Trophäe haben ein tolles Design, was sofort ins Auge sticht – ganz besonders auf unseren großen Plakaten, die unsere Geschäftsräume zieren.

Wie nutzen Sie die Auszeichnung zur Auftrags-Akquise?

Das Siegeremblem ziert jedes unserer Angebote und führt vor allem bei Neukunden dazu, dass man auf den Metallbaupreis angesprochen wird. Außerdem heben wir die Auszeichnung besonders bei unserer Unternehmensvorstellung gerne hervor. Zusätzlich haben wir ein filigran gearbeitetes 1:10 Modell der Überdachung angefertigt und im Eingangsbereich unseres Einzelhandelsgeschäftes ausgestellt. Es wirkt wie ein kleines Kunstwerk und zieht die Blicke unserer Kunden auf sich.

Wie gewinnen Sie Ihre Fachkräfte?

Durch die Ausbildung von jungen Menschen sorgen wir für unsere eigenen Fachkräfte-Nachschub. Wir versuchen jedes Jahr einen neuen Lehrling zu gewinnen. Durch angenehme Arbeitsbedingungen, Firmenfeste, die den Zusammenhalt unter den Mitarbeitern stärken, sowie abwechslungsreiche Projekte sorgen wir für die Attraktivität unseres Unternehmens.

Neben der Präsenz auf Ausbildungsmessen, sprechen wir über unsere Social-Media-Kanäle vor allem junge Menschen an. So gibt es zum Beispiel unseren #metalmonday, bei dem wir gezielt einmal in der Woche Einblicke und Schnappschüsse aus unseren Arbeiten posten.

Wie halten Sie Ihre Fachkräfte langfristig?

Ich denke, der familiäre Umgang miteinander und die flachen Hierarchien sprechen unsere Mitarbeiter an. Uns ist es wichtig, dass sich jeder Mitarbeiter gut in die Gemeinschaft einfügt. Wir versuchen auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter einzugehen, individuelle Lösungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu finden. Jeder Mitarbeiter darf sich ausprobieren und spezialisieren. 

Wie nachhaltig ist Ihr Unternehmen?

Im Bereich nachhaltiges Personalmanagement handeln wir bereits sehr gut. Durch eigene Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen unserer Mitarbeiter stellen wir sicher, Kompetenzen aufzubauen und im Unternehmen weiterzugeben. In weiteren Bereichen arbeiten wir stetig an einer zusätzlichen Entwicklung und Verbesserung unseres Umweltbewusstseins. Unser Bestreben ist ein gesundes und solides Unternehmenswachstum.

„Aktuell arbeiten wir bereits an einer Weiterentwicklung dieser Tragstrukturen von statischen Systemen hin zu beweglichen beziehungsweise faltbaren Lamellenstrukturen“, beschreibt Thomas Brandl im Gespräch mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft ihres Betriebs?

Wir wollen weiterhin innovativ bleiben und dadurch für Abwechslung bei unseren Tätigkeiten sorgen. Das macht uns viel mehr Spaß als nur allein in einem Standardsegment unterwegs zu sein.

Infos

Das Unternehmen Erhard Brandl …

… ist ein 1901 gegründetes Familienunternehmen, welches bereits in vierter Generation geführt wird. In den drei Geschäftsbereichen Metallbau, Landtechnik und Einzelhandel sind derzeit rund 80 Mitarbeiter beschäftigt. Nach einem Maschinenbaustudium und mehrjähriger Tätigkeit in einem Ingenieurbüro für Fassadentechnik ist Thomas Brandl 2007 in das Unternehmen eingestiegen. Neben dem Beruf engagiert er sich ehrenamtlich in der Schlosser-Innung sowie im Regionalausschuss der IHK. Dabei liegt ihm vor allem das Thema der Ausbildung junger Menschen sehr am Herzen.2020 gewann das Unternehmen mit dem „Asymptotic Canopy“ (im Foto als Modell) den Deutschen Metallbaupreis in der Kategorie Stahlkonstruktionen.