Diagramm der Schweißrauchemissionen pro Minute in Abhängigkeit von der Abschmelzleistung bei verschiedenen Schweißverfahren

Bundesverband Metall 2024-10-31T13:43:06.357Z Aus den Bundesfachgruppen

Metallbautechnik und Stahlbau-Schweißen: Am 12. Juli 2024 behandelten die Bundesfachgruppen Metallbautechnik und Stahlbau-Schweißen Fragen zur den Themen Schweißrauche, Innovationsförderung, Windlasten auf Balkone sowie weitere Brancheninfos. Hier das Wichtigste in Kürze.

Schweißrauchminderung nach DGUV-Information 209-096: Im Lichtbogen entstehen partikel- und gasförmige Gefahrstoffe. Diese Schweißrauchemissionen sind stark abhängig vom gewählten Schweißverfahren. Mit der DGUV-Information 209-096 „Schweißrauchminderung“ will die BGHM Betriebe unterstützen, Schweißrauch­expositionen am Arbeitsplatz systematisch zu reduzieren. Im Fokus steht dabei das Lichtbogen- bzw. das Metall-Schutzgas-Schweißen.

Erarbeitet wurde diese DGUV-Information unter Beteiligung hochrangiger Experten aus Berufsgenossenschaften, Industrie, Hochschulen und Verbänden (unter anderem BVM, DVS, IGV-IndustrieGaseVerband und VDMA). Die DGUV-Information 209-096 steht kostenfrei im Download-Bereich der DGUV bereit.

Schweißrauchminderung am Beispiel MAG-Schweißen: Den Stand der Technik zur Reduzierung der Schweißrauchemissionen dokumentiert die TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“ in Verbindung mit TRGS 500 „Schutzmaßnahmen“. Um die Schweißrauchbildung zu vermindern, sind demnach sogenannte Substitutionsmaßnahmen (Austausch von Prozessgasen und Schweißzusatzwerkstoffen) am wirkungsvollsten. Speziell für das MAG-Schweißen sind folgende Maßnahmen hervorzuheben:

  • Ersetzen des Prozessgases ISO 14175-M21-ArC-18 durch M20-ArC-8, beziehungsweise von C1- durch M20-Gas und

  • Wechsel vom Sprühlichtbogen zum Impulslichtbogen.

Dabei müssen die Schweißparameter angepasst werden. Wegen des Argon-Anteils im Schweißgas ist der Einbrand bei M20 zwar tiefer, aber weniger breit. Gegebenenfalls sind Bindefehler zu beachten. Die größte Entlastung erzielt die Kombination der beiden Maßnahmen. Im Ergebnis vermindern die richtigen Schweißgase und Zusatzwerkstoffe die Gefahrstoffbildung und beeinflussen zeitgleich die Schweißgas-Zusammensetzung. Schweißrauche sollten direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt werden.

Regulative Entwicklungen bei Schweißrauchen: Die Europäische Kommission beabsichtigt, Schweißrauche in den Anhang I der Krebsrichtlinie aufzunehmen. Allerdings konnten die nationalen Vertreter in Vorgesprächen deutlich machen, dass nicht alle Schweißrauche krebserregende Stoffe enthalten. Nach Einsprachen des Bundesverbands Metall und der Schwesterverbände der Europäischen Metallunion soll nun der Fokus auf echte Gefahrstoffe im Schweißrauch gelegt werden, zumal bereits einzelne Grenzwerte bestehen (zum Beispiel für Nickeloxide). Der aktuelle Vorschlag des Lenkungsausschusses für den Eintrag in Anhang I lautet daher: Rauche, die beim Schweißen freigesetzt werden und krebserregende Stäube enthalten. Für die nationale Umsetzung würden sich dadurch keine Änderungen ergeben. Die TRGS 528 gilt unbenommen.

Windlasten auf Balkone: Zur Auslegung von Balkonanlagen und -geländern sind in Deutschland die Ansätze des Vereins der Prüfingenieure (VPI) gebräuchlich. In der vorläufigen Europäischen Norm prEN1991-1-4:2024-03, Anhang D schlug der zuständige Normenausschuss aber vor, bis zu 2,3-fach größere Windlasten anzusetzen. Die Folge wäre eine drastische Überdimensionierung. Zusammen mit der Europäischen Metallunion EMU brachte der BVM daher modifizierte Vorschläge über das deutsche Spiegelgremium in den Normungsprozess ein. Im Ergebnis werden die Windlastansätze für das nationale Anwenderdokument prDIN EN1991-1-4/NA für Deutschland überdacht.

Fachregelwerk Metallbauerhandwerk-Konstruktionstechnik: Das Fachregelwerk umfasst Sicherheitsbestimmungen, bauphysikalische und konstruktive Anforderungen, praktische Montagehinweise sowie relevante Normen und Richtlinien. Nach der 43. Aktualisierung im März 2024 ist im September 2024 unter anderem eine vollständige Neufassung des Kapitels Rauch- und Wärmeabzugsanlagen vorgesehen.

Metallkongress 2024: Der Metallkongress mit dem Schwerpunktthema Stahl- und Metallbau findet am 24./25. Oktober 2024 in Würzburg statt. Das Programm findet sich unter www.metallkongress.de.
Der Autor Reinhard Fandrich (Dr.-Ing.) ist technischer Berater in der Fachberatungs- und Informationsstelle beim Bundesverband Metall in Essen.

zuletzt editiert am 31. Oktober 2024
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