Einmal aus dem Erz gewonnene Metalle können mit gut funktionierenden Sammel- und Verwertungssystemen ohne Qualitätsverluste und praktisch unbegrenzt recycelt werden. Die Kreislaufführung der Ressourcen ist ein wichtiger Aspekt nachhaltiger Gebäude oder Konstruktionen.
Das nachhaltige Wirtschaften mit Ressourcen ist ein Gebot der ökologischen Vernunft und wird in verschiedenen Regelwerken geregelt. Auch außerhalb des politischen und gesetzlichen Rahmens wird die Notwendigkeit von nachhaltigen baulichen Lösungen zunehmend erkannt und eingefordert. Dadurch kann es dem Metallbauunternehmen passieren, dass eine bestimmte angebotene Leistung nicht nur in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht hinterfragt wird, sondern auch im Hinblick auf ihren Ressourcenverbrauch und ihre ökologische Qualität. Das gilt für private Bauherren, die einem Verantwortungsgefühl gegenüber kommenden Generationen folgen. Das gilt aber ebenso für Unternehmen oder Institutionen als Auftraggeber, die neben ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auch ihre eigenen Unternehmenswerte und die Auswirkungen eines Bauvorhabens auf das Image des Unternehmens im Auge haben.
Argumente für die Nachhaltigkeit von Metall
Der Metallbauer muss bei umweltbewussten Auftraggebern neben den bauplanerischen und konstruktiven Aspekten des Angebots eventuell auch die Nachhaltigkeit der vorgeschlagenen Lösung und des verwendeten Materials begründen können. Für Metalle gibt es dabei durchaus gute Argumente, sodass sich die Branche nicht verstecken muss. Trotzdem können aus verschiedenen Gründen bei den Auftraggebern Vorbehalte auftreten, etwa weil sie sehr stark auf Holzkonstruktionen als nachhaltige Bauweise fixiert sind. Man muss der Holzbaubranche neidlos lassen, dass sie ihr Material sehr erfolgreich als den ökologischen Baustoff schlechthin positioniert hat. Tatsächlich sind die nachwachsende Qualität des Holzes und seine Eigenschaft, im Material dauerhaft CO2 zu speichern, wichtige umwelttechnische Vorteile. Das Nachwachsen der Bäume im Wald ruft bei vielen Menschen die Vorstellung einer immer wieder neuen und damit quasi unendlichen Verfügbarkeit des Rohstoffs hervor.
Gerade bei der „Ewigkeit“ können aber auch Metalle punkten, weil das einmal aus dem Erz herausgeschmolzene Material nach jeder Nutzungsperiode wieder eingeschmolzen und – bei einer sortenreinen Sammlung und Sortierung – ohne Qualitätsverlust wieder zu neuem Material verarbeitet werden kann. Anders als beispielsweise bei Papier, dessen Fasern bei jedem Recycling etwas kürzer brechen und irgendwann nicht mehr nutzbar sind, ist wieder eingeschmolzenes Metall stofflich identisch mit dem Ursprungsmetall. Da in Deutschland eine leistungsfähige Sammel-und Recyclinglogistik existiert, wirkt sich die Kreislauffähigkeit der Metalle in beeindruckenden Zahlen aus: Stahlträger und Baustahlprofile werden beispielsweise zu über 98 Prozent erfasst, Aluminium im Verkehrs- und Baubereich wird zu etwa 95 Prozent wiederverwendet, bei Zinkblech sind es ebenfalls über 95 Prozent.

Weitere Argumente für die Nachhaltigkeit der Metalle ergeben sich aus ihrer Beständigkeit und lange Nutzungsdauer. Verzinkter Stahl, Aluminium oder Titanzink – um bei diesen Beispielen zu bleiben – sind bei fachgerechtem Einbau und Korrosionsschutz gerade im freibewitterten Bereich vielen anderen Materialien überlegen. Sie können über viele Jahrzehnte ihre Funktion erfüllen. Der Wartungs- und Pflegeaufwand während dieser Zeit ist gering, vor allem werden keine regelmäßigen Anstriche oder andere Beschichtungen benötigt, die nicht nur einen erneuten Materialeinsatz, sondern auch Kosten verursachen.
Metalle überzeugen zudem bei der Dimensionierung der Bauteile. Sowohl konstruktive Elemente als auch Bekleidungen können im Metallbau meist schlanker oder dünner ausgeführt werden als dies bei vergleichbaren Lösungen aus Holz, Beton oder Mauerwerk der Fall wäre. Das bedeutet weniger Transportprozesse beim Neubau und weniger Abbruchmaterial beim Rückbau am Ende der Nutzungsdauer. Ganz abgesehen davon, dass die geringere Dimension oft auch spezielle optische Vorteile hat. Filigrane Gestaltungen können die Architektur aufwerten, was als soziokulturelle Qualität ebenfalls in die Nachhaltigkeitsbewertung eingeht.
Vorteile der Kreislaufwirtschaft
Unabhängig von den verschiedenen Vorteilen der Metalle bleibt die Wiederverwertbarkeit das zentrale Argument ihrer Nachhaltigkeit. Denn die Führung im Stoffkreislauf reduziert den Aufwand für den Abbau der Erze und den Energiebedarf für die primäre Schmelze. Gleichzeitig werden Ressourcen geschont, sodass auch spätere Generationen noch Rohstofflager vorfinden und nutzen können. Welche Dimensionen die Kreislaufwirtschaft der Metalle haben kann, zeigt eine interessante Zahl für Zink: Von den Zinkprodukten, die die Menschheit jemals (primär) hergestellt hat, befinden sich heute immer noch rund 60 Prozent in der Nutzung und bilden ein sogenanntes „anthropogenes Lager“, also ein Potenzial, dass künftige Einsparungen durch Recycling und eine Rückführung in den Materialkreislauf ermöglicht.
Neben dieser stofflichen Betrachtung punktet das zirkuläre Metall auch bei der energetischen Bewertung. Als kritikwürdig gilt oft der hohe Energieaufwand für das erste Ausschmelzen des Metalls aus dem Erz. Bei der Erzeugung der Sekundärmetalle aus recyceltem Material wird jedoch nur noch ein Bruchteil der Energie benötigt, die für die Primärproduktion aufzuwenden ist: Für Sekundäraluminium oder Sekundärzink sind es zum Beispiel jeweils 5 Prozent. Dies relativiert in einer gut organisierten Kreislaufwirtschaft und einer immer wieder neuen Verwendung des Materials den Energieaufwand für die Erstschmelze.
Der verringerte Energieeinsatz der Recyclingmaterialien hat gleichzeitig einen deutlich verringerten CO2-Fußabdruck zur Folge. Trotzdem wird sowohl bei der primären als auch der sekundären Metallproduktion in den nächsten Jahren eine Umstellung auf klimaneutrale Technologien erforderlich sein. Die bisher meist auf Kohle oder Erdgas basierenden Prozesse müssen dekarbonisiert und auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Eine Schlüsselrolle dabei soll „grüner“ Wasserstoff spielen, der allein mit regenerativer Energie erzeugt wird. Allerdings befindet sich die großtechnische Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und dessen Einsatz in der Metallherstellung noch in der Entwicklung. Auch die benötigten großen Mengen regenerativer Energien zur Herstellung der entsprechend großen Mengen Wasserstoff stellen derzeit noch eine große Herausforderung für die Metallindustrie dar.
Fachgerecht sammeln und verwerten
Innerhalb der Baubranche sind vor allem die möglichst vollständige und sortenreine Sammlung der Metalle sowie ihre Zuführung zur Wiederverwertung ein wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Vergleichsweise einfach ist dies bei den sogenannten Preconsumer-Schrotten. Das sind Zuschnitt- und Produktionsreste, die bei Metallbaubetrieben sowie Profilherstellern und Systemhäusern anfallen. Sie waren noch nicht in ein Gebäude eingebaut und sind in der Regel frei von fremden Materialanhaftungen.
Den größeren Anteil bilden jedoch meist Postconsumer-Materialien, die beim Rückbau von Gebäuden auf der Baustelle anfallen. Dabei muss mit einer sorgfältigen Sammel- und Sortierlogistik vermieden werden, dass alle Metalle unsortiert als Mischschrott erfasst werden. Denn das erschwert eine spätere Verwertung auf gleichem Produktniveau und kann zu Downcycling führen, bei dem an sich hochwertige, aber gemischt vorliegende Recyclingstoffe nur noch für anspruchslose einfache Produkte verwendbar sind.
Für Aluminium im Fenster- und Fassadenbau hat zum Beispiel der A|U|F e.V. einen Recyclingkreislauf initiiert, der alle Anforderungen des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes und des Ressourceneffizienzprogrammes der Bundesregierung erfüllt (siehe Interviewkasten).
Bei reinen Zinkbauteilen – etwa den Blechen von Dach- und Fassadenbekleidungen aus Titanzink – ist die sortenreine Sammlung relativ einfach, durch die hohen Aufkaufpreise auch weit verbreitet. Etwas aufwendiger ist der Umgang mit verzinktem Stahl, bei dem das Zink jedoch ebenfalls wiedergewonnen werden kann. Beim Einschmelzen des Stahlschrotts entstehen so hohe Temperaturen, dass das Zink verdampft. Der Stahlwerksstaub (EAF Dust) wird aufgefangen, aufbereitet und als Sekundärrohstoff in die Zinkindustrie zurückgeführt. Auch bei dem Werkstoffverbund, wie er in verzinktem Stahl vorliegt, lässt sich also das wertvolle Zink sortenrein recyceln.

Fazit: Argumentieren Sie die Nachhaltigkeit
Umweltbewusste Auftraggeber verlangen zunehmend nachhaltige bauliche Lösungen. Das Metallbauunternehmen muss dann nicht nur die technischen und wirtschaftlichen Aspekte einer angebotenen Lösung begründen, sondern auch ihr Umweltverhalten in Hinblick auf die Ressourcenschonung und die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks erklären können. Metalle haben dabei Vorteile durch ausgefeilte Sammelsysteme und die Möglichkeit des Wiedereinschmelzens, das einen Recyclingprozess ohne Qualitätsverluste darstellt.