Das Stadtbild von Trier und Umgebung wird durch die Werke von rheinland-pfälzischen Metallgestaltern nachhaltig geprägt. Yvonne Schneider und ich haben zwei davon in ihren Betrieben besucht. Lesen Sie, was wir entdeckt haben.
Man kann fast alle Metalle schmieden, aber jedes hat seine Eigenarten, und die muss man kennen“. Paul Kreten wurde in der kleinen Gemeinde Bekond an der Mosel geboren und zeigte schon früh ein Interesse an handwerklichen Tätigkeiten. Nach seiner Schulzeit entschied er sich, eine Ausbildung zum Metallbauer zu absolvieren. Diese fundierte handwerkliche Ausbildung legte den Grundstein für seine spätere Karriere als Metallgestalter. Seine Lehrjahre verbrachte Kreten im Betrieb von Adolf Steines in Bekond und errang beim Leistungswettbewerb in Northeim den zweiten Platz. Er blieb für die Meisterausbildung und noch ein paar weitere Jahre bei Steines, der ihm nicht nur die technischen Fertigkeiten vermittelte, sondern auch die Leidenschaft und das Verständnis für die Feinheiten der Metallbearbeitung. In dieser Zeit war er dann auch beauftragt, das goldene Gitter im Trierer Dom als spätbarockes Gitter zu renovieren umzubauen. 1974 machte er sich selbstständig und gründete seine eigene Kunstschmiede.

Kreten begann schon nach Abschluss seiner Meisterausbildung seine handwerklichen Fähigkeiten mit künstlerischen Ambitionen zu verbinden. Er experimentierte mit verschiedenen Metallarten und Techniken und ließ sich von der Natur, Architektur und der modernen Kunst inspirieren. Kretens Arbeiten zeichnen sich durch eine harmonische Verbindung von Funktionalität und künstlerischem Ausdruck aus. Er verwendet hauptsächlich Materialien wie Stahl, Eisen und Kupfer und beherrscht alle traditionellen Techniken wie Schmieden und Schweißen, nutzt aber auch moderne Verfahren wie Laserschneiden und CNC-Bearbeitung. „Früher hatte man Fensterkitt, den man verformt hat. Und genau so kann man Metall verformen“, schmunzelt Paul Kreten.

Ein wichtiges Feld für seine Betätigung findet Paul Kreten in der Stadt Trier und Umgebung. Dazu gehören Arbeiten für die Katholische Kirche, die die Architektur und das Bild von Trier besonders prägt. In angenehmer fußläufiger Entfernung sind zahlreiche Monumente wie die Porta Nigra, die Stadt- und Marktkirche Sankt Gangolf oder der Trierer Dom St. Peter gelegen, die von der Römerzeit bis heute ihre Bedeutung behalten haben. Zu Paul Kretens Beitrag gehören Restaurationsarbeiten an den vergoldeten Portalen im Dom ebenso wie die Innenausstattung der ältesten Eisdiele Triers in der Fußgängerzone, die die Sehenswürdigkeiten verbindet.

„Zur Metallgestaltung gehört es, an die Grenzen zu gehen und sein Bestes zu geben“, sagt Jörg Bender. Er ist ebenfalls Meister, stammt aus Schweich bei Trier und entwickelte früh eine Faszination für Metallarbeiten. Sein Ausbilder, ebenfalls Adolf Steines aus Bekond, vermittelte ihm nicht nur technisches Können, sondern auch künstlerische Inspiration. Bender erweiterte seine Fähigkeiten durch zahlreiche Weiterbildungen und bezieht gerne innovative Techniken und Designs in seine Arbeit ein.

Auch für sein Unternehmen, die Kunstschmiede Jörg Bender, gehören Aufträge der Katholischen Kirche zum Arbeitsalltag. Auch wenn die Ausführung der Aufträge selbst häufig keineswegs alltäglich sind. Das zeigen nicht zuletzt seine vielfältigen Arbeiten für das saarländische Kloster Tholey, für die er im Jahr 2022 den Deutschen Metallbaupreis in der Kategorie Metallgestaltung erhielt. Dort hatte er die Neugestaltung des Innenraums der Klosterkirche übernommen.

Auch Paul Kreten hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen für seine künstlerische Leistung gewonnen. Besonders erwähnenswert sind die Denkmalpflegepreise, unter anderem von der Handwerkskammer Trier, die Kreten mehrfach und zuletzt 2024 für seine vorbildlichen Restaurierungen und Neuanfertigungen als herausragende Beiträge zur zeitgenössischen Denkmalpflege erhielt.

Beide Metallgestalter-Meister sind überzeugt, dass Handwerk und Kunst untrennbar miteinander verbunden sind. In ihren Augen entsteht wahre Kunst durch die Kombination von technischer Perfektion und Kreativität. Diese Philosophie spiegelt sich in ihren Werken wider, die durch Präzision und Ausdruckskraft bestechen. Die Kombination von Handwerk und Kunst sehen die beiden Handwerksmeister als einen lebendigen Prozess, der durch die ständige Interaktion mit Materialien und Techniken vorangetrieben wird.
Fazit: Trier ist eine Fundgrube für Metallgestalter
Ein Besuch in Trier bei Paul Kreten und Jörg Bender bringt uns zu zwei erfahrenen und versierten Metallgestaltern, deren Werke durch ihre handwerkliche Meisterschaft und ihren künstlerischen Ausdruck beeindrucken. Und naturgemäß sind sie nicht die Einzigen, die es im Raum Trier zu metallgestalterischer Meisterschaft gebracht haben. Dieses Handwerk hat seinen festen Platz in der ältesten Stadt Deutschlands. Die gut sichtbaren Werke sind ein bleibendes Vermächtnis für Kreativität und handwerkliches Können. Und sie inspirieren vermutlich noch viele junge Künstler, neue Wege zu gehen und traditionelle Grenzen zu überschreiten.
Nachwuchswerbung fürs Handwerk. Eine Studienreise führte junge Metallgestalter im Sommer 2023 in die Toskana. Angeleitet von Paul Kreten und Jörg Bender lernten die jungen Handwerker allerhand Neues und konnten auch zeigen, was sie schon können. Ein kurzes Video gibt wieder, was den Sinn und die Bedeutung dieser Fahrt für die Azubis ausmachte.
Im Video erläutert Hans-Jörg Bender als Gewinner des Deutschen Metallbaupreises 2022 seine Arbeiten in der Abteikirche Tholey.